Dem Versuch, die Gesellschaft nach woken Denkmustern in eine neue Form zu pressen, widerspreche ich ausdrücklich: Ich will keine grüne Transformation. Mein Dasein ist nicht Teil einer fremden Agenda, und ich will in keine politische Metamorphose über mich ergehen lassen.
Jede Gesellschaft hat ihre Identität
Facebook-Diskussionen sind manchmal blöd, oft aber sehr lehrreich. Die Grünen sagen (Habeck vorneweg, aber auch Siegerländer Grüne vertreten das), so etwas wie ein deutsches Volk gebe es gar nicht. Die Meinung kann man vertreten, sie ist aber Quatsch: Eine Gesellschaft, egal ob national, rein sozial oder religiös verstanden, hat immer ihre typische Geschichte, kulturelle Ausprägungen, ihre inneren Auseinandersetzungen, ihre Dissidenten und Machtkämpfe. Das macht ihre Identität aus.
Keine woke Transformation
Die Grünen sprechen von Transformation (etwas völlig anderes als Reformation z. B.) und sie versuchen damit, der hiesigen Gesellschaft – Volksgemeinschaft ist sicherlich ein verbranntes Wort – ihren Stempel aufzudrücken. Das offenbart ihre abgrundtiefe Heuchelei, denn selbstverständlich ist den Grünen bewusst, dass es eine deutsche Gesellschaft (mithin ein deutsches Volk) gibt: Wie sonst kommen sie dazu, es radikal verändern, uns alle transformieren zu wollen?
Keine Anpassung an ein Kollektiv
Ich finde, solche Eingriffe, gar von oben, immer problematisch; in der Geschichte ist daraus selten Gutes entstanden. Die grüne Transformation lehne ich insbesondere ab, weil sie der Versuch ist, den Einzelnen zu isolieren und durch auferlegte Gesellschaftsveränderungen zur Anpassung an ein Kollektiv zu zwingen. Die Corona-Maßnahmen waren ein Vorgeschmack darauf.
Ich bin für die Freiheit des Einzelnen
Ich bin Lutheraner, also ein Freund der Reformation. Ich bin für das Zurückführen der Gesellschaft auf ihre Ursprünge, und die sind im Abendland: Die Menschen machen die Gesellschaft aus und nicht umgekehrt. Die Freiheit des Einzelnen ist die Grundvoraussetzung für Teilhabe, Demokratie und Menschenwürde. Wer das verleugnet und – wie die Grünen, mittlerweile aber auch die CDU – einen Kollektivismus vertritt, legt die Axt an die Wurzel der abendländischen Gesellschaft, von mir aus auch Staat oder Nation genannt.
Deshalb bewerbe ich mich als Bürgermeister
Ich möchte mich keiner grünen Agenda unterwerfen, ich möchte überhaupt nichts übergestülpt bekommen, nicht umerzogen, staatlich belehrt und auch nicht auf Linie gebracht werden. Deshalb bewerbe ich mich als Bürgermeister.
Opposition darf nicht extrem sein, sonst bringt sie extremen Widerstand hervor. Sie muss auf die Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten der Menschen setzen.
Opposition kann fundamental, sie auch radikal sein. Aber sie muss dennoch konstruktiv sein, sonst wird daraus Verweigerung oder «Systemopposition», kurz: Extremismus. Dafür bin ich nicht zu haben, denn das widerspricht meiner sozialkonservativen Grundüberzeugung.
Mit der AfD wird es keine Veränderung geben, denn die Partei ist extrem und unfähig Bündnisse zu bilden. Der Rauswurf der AfD aus der ID-Fraktion (Identität und Demokratie) des Europaparlaments veranschaulicht das gut. Die AfD war mal eine gute Antwort auf die vermeintliche Alternativlosigkeit der Merkeljahre. Heute ist sie eine Partei, die mit Ressentiments spielt.
Mein Ziel ist Wiederherstellung einer liberalen Gesellschaft, die sich allerdings ihrer Herkunft und Wurzeln bewußt ist, und in der konservativ denkende Menschen selbstverständlich ihren Platz haben. Extreme Politik, die wie eine Axt an Gefüge der Gesellschaft liegt, haben wir seit 2015 lange genug erlebt. Ich möchte nicht noch mehr extreme Politik, nur anders, sondern Normalität und Interessenausgleich.
Veränderung ja, Umsturz nein. Die gesammelten Erfahrungen früherer Generationen will ich nicht über den Haufen werfen. Der Staat, um es mit Edmund Burke zu formulieren, ist kein Stück weißes Papier, auf das man kritzeln kann, was man will. Deshalb bin ich auch ein strikter Gegner der Grünen!
Bei aller Verschiedenheit, wenigstens die große Mehrheit der Menschen muss sich mit dem Staat identifizieren können, sonst hat er ein Legitimationsproblem.
Schade, dass in Freudenberg im Zeitgeschehen so einseitig über die Corona-Zeit berichtet wird. Sogar für ein richtiges Schauermärchen ist Platz.
So schlimm?
Gestern bekam ich das Magazin «Freudenberg im Zeitgeschehen» in die Hände. CDU-Urgestein Bernd Brandemann beschrieb darin auf vielen Seiten, dass – so wie die ganze Welt – auch Freudenberg nur mit knapper Not, aber wegen des klugen und umsichtigen Handelns der politisch Verantwortlichen am Ende erfolgreich der schlimmen Bedrohung durch die schreckliche COVID-19-Pandemie widerstanden habe. Kronzeuge war dem CDU-Mann der amerikanische Präsident Joe Biden, der erklärt hatte, Corona habe in den USA größere Lücken in die Familien gerissen als beide Weltkriege und der Vietnam-Krieg zusammen: ein Schauermärchen!
Ein Schauermärchen!
Was soll der Bezug auf Biden? Geht es darum, das Virus als größten Killer der jüngeren Geschichte erscheinen zu lassen? Die Sterbefallzahlen geben das jedenfalls nicht her! Auch in Bergamo waren die Sterbefälle nicht höher als bei manch anderer Grippewellen in Italien, und außerdem: Wer auch nur annähernd eine Vorstellung davon hat, wie viele gefallene Soldaten und getötete Zivilisten in den beiden Weltkriegen zu beklagen waren, besonders in Europa, wie viele Eltern ihre Söhne betrauern mussten, und wie viele Familien alle männlichen Nachkommen verloren, der kann über so einen Text nur angewidert den Kopf schütteln.
Auf Parteilinie
Offenbar ging es Bernd Brandemann darum, kritische Nachfragen erst gar nicht aufkommen zu lassen: Den Impfstoff, der nachweislich weder vor Ansteckung noch vor Übertragung schützt, bezeichnet er als hochwirksam. Beim Lesen seines Artikels bekommt man den Eindruck, das Handeln seiner Parteifreunde und später der Ampel war alternativlos. Man kennt das von der CDU.
Es ist ein politischer Text mit ein paar schlecht eingeordneten Zahlen aus der Stadt Freudenberg und dem Kreisgebiet. Das macht ihn zwar zu einem Zeitdokument, aber nicht so, wie sich die Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine das vorgestellt hat. Es ist ein Dokument der Ignoranz und des Beharrens auf einer einmal vorgegebenen Parteilinie, denn die Partei hat schließlich immer recht.
Last year, I made a trip to Neustadt in Rhineland-Palatinate. The town is closely associated with Hambach Castle, a symbol of German democracy.
Kloster Neustadt
I stayed at Kloster Neustadt, a monastery of the Priests of the Sacred Heart of Jesus.
Downtown Neustadt
Outer white, brown inside?
German conspiracy theorists, all dressed in white, had previously flocked the streets of Neustadt and claimed to be the only true heirs of democracy.
Walking tour to Hambach Castle
COVID-19: bitter rows
In the early 2020s, there were bitter rows about COVID-19 vaccination in Germany. While some recklessly accused the press of lying (Lügenpresse), others maintained that there was only one truth, and the press had to teach it. Freedom of the Press was challenged from two sides, not only from one, as the exhibition at Hambach Castle suggests.
Final impression
Democracy is not all over in Germany, there’s simply change on the horizon.
Die einen fordern ein AfD-Verbot, die anderen wollen die Regierung hinter Gittern sehen: Extremisten und Verschwörungstheoretiker werden immer lauter. Wer querdenkt, ist ein Nazi, wer sich gegen Nationalismus und Verschwörungsdenken ausspricht, ist gehirngewaschen. Immer geht es darum, Menschen zu stigmatisieren, auszuschließen oder gar loszuwerden. Es ist an der Zeit, Nein zu sagen und zu Widerstand und Zivilcourage aufzurufen.
Unsere gesamte Gesellschaft befindet sich schon seit längerem in einem tiefgreifenden Wandel. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir in Deutschland alle zusammen eine enorme Integrationsleistung erbracht. Menschen aus vielen Ländern sind aus den unterschiedlichsten Gründen zu uns gekommen und haben hier in der Regel eine gute Aufnahme und neue Heimat gefunden. Während der Corona-Zeit zerfiel die Gesellschaft dann in zwei Lager. In der Ukraine herrscht Krieg, und die Regierung in Berlin beansprucht plötzlich moralische Autorität.
Angst vor Fremdbestimmung
Angesichts all dessen ist es kein Wunder, dass sich in letzter Zeit immer mehr Bürgerinnen und Bürger quer durch alle sozialen Schichten, ungeachtet aller Parteizugehörigkeiten und sonstigen weltanschaulichen Festlegungen nach ihrer eigenen Identität und ihrem Platz in der Gesellschaft und in der Welt fragen: Unsicherheiten werden deutlich; manche äußern Angst vor Überfremdung und Fremdbestimmung.
Menschliches Zusammenleben und ein demokratisches Gemeinwesen können nur gedeihen, wenn über Meinungsverschiedenheiten auch hart gerungen werden kann.
Sprachliche oder gar körperliche Gewalt und alles, was die Würde eines Menschen, gleich welcher sozialen Stellung, Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung in Frage stellt oder herabsetzt, dürfen dabei allerdings keinen Platz haben.
Widerstand gegen Extremismus ist kein linkes Projekt
Weder ersetzt man so Argumente, noch trägt man so zur Lösung irgendwelcher Probleme bei; im Gegenteil: man schafft so nur neue.
In einer Gesellschaft, die Gewalt, Diskriminierung und das Recht des Stärkeren duldet, will bald niemand mehr leben. Daher muss es in unser aller Interesse liegen, dass jeder von uns an seinem Platz und mit seinen Möglichkeiten extremistischen Tendenzen gleich welcher Art entgegenwirkt.
In einem Land wie dem unseren, mit unserer Geschichte, unseren jüdisch-christlichen und auch humanistischen Wurzeln, ist Widerstand gegen Extremismus kein linkes Projekt, sondern eine Sache aller Bürgerinnen und Bürger.
Annette Kurschus richtete stets hohe moralische Erwartungen an andere. Sich selbst daran messen lassen, wollte sie nicht. Als sie Farbe bekennen sollte, wich sie erst aus und schmiss dann trotzig hin. Ein theologischer Nachruf.
Wie die meisten, bin ich nur Beobachter des sukzessiven Abgangs von Kirchenchefin Annette Kurschus gewesen, aber kein stiller. Ich habe das auf Facebook mehr als einmal kommentiert, und das war mir ein Bedürfnis.
Chefinnensache
Politisch hat Annette Kurschus stets klare Ansagen gemacht. Als Christ müsse man geimpft sein, sich an Klimastreiks beteiligen und sich gegen eine Obergrenze für Asylbewerber aussprechen. Bei der Aufarbeitung von Missbrauch in ihrer Amtskirche und dem Sozialkonzern Diakonie solle es « kein Zögern und keine Rücksichtnahme mehr » geben. Das sei jetzt Chefinnensache.
Zurückhaltend in Glaubensfragen
Zurückhaltend war sie, wenn es um Glaubensfragen ging: « Ihr Glaube kenne auch Dürrezeiten. » Einen Glauben, der sich zu stark auf das Wort konzentriere, nannte sie belastend und unfrei. Ihr Gottesbild war starr: « Ich glaube, dass Gott die Erde ins Leben gerufen und den ungeheuren Prozess der Evolution in Gang gesetzt hat. » Der Mensch sei heute ein « verantwortliches Gegenüber » Gottes und nutze die Möglichkeiten der Vernunft und des Verstandes, um seine Dinge weitestgehend allein zu regeln.
Das ist zumindest nicht mein Glaube, nicht der Glaube, den ich als lutherischer Christ bekenne.
Es galt allein ihr Wort
Frau Kurschus hat damit breite Außenwirkung erzielt. Sie hat für sich in Anspruch genommen, für die Christen (« wir Christen »), also für alle Christen zu reden, allerdings hat sie mich und die vielen anderen in und außerhalb ihrer Kirche nie danach gefragt. Es galt allein ihr Wort. Aber als man sie beim Wort nahm, zur Erinnerung: « kein Zögern und keine Rücksichtnahme mehr », da reagierte sie trotzig und wütend, sprach von einer Medienkampagne und sagte, sie sei mit sich selbst im Reinen.
Impfen als göttliches Gebot
Ich habe mich von Frau Kurschus nie vertreten gefühlt, und das nicht nur, weil ich nicht ihrer Kirche angehöre. Es hat mich geärgert, als sie in der Corona-Zeit Stellungnahmen raushaute wie: « Impfen ist eine Pflicht aus christlicher Nächstenliebe heraus » und dann noch gleich hinzufügte: Wer mit religiösen Motiven gegen die Impfung argumentiere, missbrauche, « was Gott den Menschen zugesagt und was er aufgetragen hat ». Impfen war also Gottes Gebot, und ich damit ein Ketzer.
Das Gegenteil des christlichen Glaubens
Ich denke, Frau Kurschus ist widerfahren, was sie selbst heraufbeschworen hat. Ein blut- und inhaltsleeres Evangelium, das einen fernen Gott verkündet, der gelegentlich mal nachschaut, was aus seiner Evolution geworden ist, halte ich für das Gegenteil des christlichen Glaubens. Ich bin froh, mir all die Tipps und Ansagen zu meiner Lebensführung, die der wundersamen Theologie von Frau Kurschus entsprungen sind, nicht mehr anhören zu müssen.
Die Bubble der Siegener Verschwörungstheoretiker hatte es letzte Woche heftig auf mich abgesehen: Anschuldigungen, die Intellektuell und sprachlich sehr zu wünschen übrig ließen, mischten sich mit viel Wichtigtuerei und Eigenlob. Daher hier ein paar Zeilen wider die Verschwörungstheoretiker.
Einerseits könnte ich mich geehrt fühlen, denn die Bubble der Verschwörungsgläubigen, die im Telegram-Kanal « Siegen steht auf » so mächtig Dampf ablassen, nimmt heftig Anstoß an meiner Person und meinem Wort. Andererseits müsste ich pikiert sein, denn sie tut so, als ob ich jemals dazugehört hätte. Das stimmt aber nicht. Darauf lege ich Wert, zumal deren Gebaren inzwischen sehr primitiv ist. Mich halten sie mit meiner nüchternen Art längst für einen Psychopathen. Aber was im Leben zählt, ist die Orientierung nicht zu verlieren.
Immer wieder trifft man auf Menschen, denen es an Selbstbewusstsein mangelt, mit Niederlagen umzugehen. Man kann nicht immer recht behalten. Sich dann abzukapseln und zu radikalisieren ist der falsche Weg.
Es war richtig, gegen die aggressiven Corona-Beschränkungen auf die Straße zu gehen, und es war richtig, damit aufzuhören als es vorbei war. Als ich mich an den Siegener Protestaktionen beteiligte, gab es keine « Führer », und als sich dann welche dazu aufschwangen, war es zu Ende. Die Behauptung, ich und viele hundert andere Kritiker der Corona-Beschränkungen seien jemals Teil der Verschwörungstheoretiker-Bubble gewesen, ist reines Wunschdenken, denn der Vergleich der Zahlen von damals und heute zeigt: Das kleine Häuflein Verschwörungstheoretiker lief zwischen uns, der vernünftigen Mehrheit mit.
Verschwörungstheorien sind wie Fäulnis. Sie zerstören Vertrauen und zerfressen den sozialen Zusammenhalt. Deshalb manöverieren sich Verschwörungstheoretiker vor allem selbst in die Isolation: seelisch, moralisch und politisch. Längst haben sich sektenähnliche Strukturen herausgebildet. Deshalb sind Distanz und Widerspruch wichtig, gerade in der heutigen Zeit.
Die Zwietracht, die sie säen, richtet sich neuerdings auch auf Israel: Die dortige Regierung soll aktiv an dem Massaker vom 7. Oktober mitgewirkt haben, um den Vorwand für einen Völkermord an den Palästinensern zu konstruieren. Das Beispiel zeigt: In der Bubble der Verschwörungsgläubigen ist man längst so geworden wie jene, auf die man mit Fingern zeigt.
Dabei will ich es bewenden lassen. Kein Blick zurück im Zorn, einfach das Fazit: Verschwörungstheoretiker sind nie das Gros der Maßnahmenkritiker und Gegner des Impfdrucks gewesen. Im Gegenteil! Sie haben versucht, die Mehrheit mit ihren krausen Theorien zu infiltrieren. Ohne die Mehrheit sind sie bedeutungslos und radikalisieren sich immer weiter.
Jeder, dem es nicht gelingt, aus dieser Bubble auszusteigen, wird Schaden nehmen.
Nachtrag
Zwischenzeitlich (am 20. Dezember 2023) ist in der Siegener Zeitung ein Interview mit Bernd Scholz, dem scheidenden Polizeichef des Kreises Siegen-Wittgenstein erschienen. Scholz nimmt darin auch Stellung zur polizeilichen Arbeit von vor zwei Jahren. Die Teilnehmer an den Montagsdemos seien damals überwiegend normale Menschen gewesen: « keine Schwurber oder Aluhutträger. » Genau das habe ich oben auch so beschrieben. Heute nimmt kaum noch jemand von damals an den völlig anders gearteten und auf wenige Teilnehmer geschrumpften Demos teil.
Wenn man das Grundrecht auf Asyl erhalten möchte, und ich will das!, muss man es vor Missbrauch schützen: Massenimmigration und Asylrecht haben nichts miteinander zu tun. Wenn es nach mir ginge, würde beides auch strikt voneinander getrennt.
Ginge es nach mir, gäbe es ab morgen kein Spontanasyl mehr (also ins Land kommen, das Zauberwort « Asyl » aussprechen und für lange Zeit bleiben). Ich würde strengere Voraussetzungen für den Familiennachzug schaffen (mehrere Ehefrauen gehen nach meinem Dafürhalten gar nicht).
Ich würde verpflichtende Integrationskurse einführen und den Aufenthaltsstatus von der regelmäßigen Teilnahme abhängig machen. Eine frühzeitige und verpflichtende Teilnahme am Arbeitsmarkt würde ich ebenso einführen wie eine Kindergartenpflicht (halte ich für sehr wichtig!) für Kinder von Asylbewerbern. Wer sich illegal im Land aufhält, hat keinen Anspruch auf staatliche Leistungen und muss das Land verlassen. Wenn illegale Immigranten ihre Herkunft verschleiern oder aus anderen Gründen nicht abgeschoben werden können, z. B. weil es kein Rückführungsabkommen gibt, dürfen sie Asylbewerbern nicht gleichgestellt werden. Niemand darf mit illegalen Mitteln einen legalen Status erzwingen dürfen. Wer illegal ins Land kommt, für dessen Lebensunterhalt ist der Staat nicht verantwortlich.
Keine Gesellschaft kann unbegrenzt Menschen von außerhalb aufnehmen. Auffangzentren außerhalb Europas halte ich aus verschiedenen Gründen für unmöglich und auch nicht wünschenswert. Schon der Türkei-Deal war ein Fehler. Diktatoren wie Recep Tayyip Erdoğan dürfen in der deutschen Asylpolitik keine Mitsprache haben. Man kann Asylverfahren nicht einfach outsourcen, aber man kann verlangen, dass sich Asylbewerber zunächst bei den Konsulaten und Botschaften melden, persönlich oder bei Gefahr für Leib und Leben auch auf anderem Wege. Dann weiß man auch, wer sie sind und woher sie kommen.
So würde ich das machen. Wer hat andere Vorschläge?
Ich war angenehm überrascht, dass der Südkurier sich noch mal mit uns Kandidaten befasste, denn jede Geschichte hat ihren Epilog. Folgende Mail fand ich in meinem Postfach:
« Lieber Herr Beel,
wahrscheinlich wundert es Sie, nochmal von mir zu hören. Mit ein bisschen Abstand zur Stockacher Bürgermeisterwahl wollten wir nochmal ein kleines Update dazu machen, wie es den Kandidaten jetzt geht. Ich würde mich freuen, wenn Sie mitmachen. Dazu schicke ich Ihnen folgende Fragen:
Wie geht es Ihnen nun gut zwei Wochen nach der Bürgermeisterwahl in Stockach und wie beurteilen Sie das Wahlergebnis im Rückblick?
Wie geht es nun für Sie weiter, wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Wollen Sie weiter versuchen Bürgermeister zu werden?
Was haben Sie aus der Bürgermeisterwahl in Stockach gelernt?
Wie werden Sie Stockach in Erinnerung behalten?
(…)
Da ich am Wahltag bereits Urlaub hatte, und mich nicht persönlich verabschieden konnte, möchte ich diese Gelegenheit auch nochmal nutzen, um mich für den freundlichen Kontakt und die angenehme Zusammenarbeit im Rahmen unserer Berichterstattung über die Wahl zu bedanken. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute.
Viele Grüße aus Stockach
Dominique Hahn»
Sehr geehrter Herr Hahn,
es freut mich wirklich, dass Sie nachfragen. Immerhin haben wir alle, ob Gewinner oder Verlierer, was aus Stockach mitgenommen und was dagelassen. Frau Katter wird dies nun auch weiterhin tun.
Gerne beantworte ich Ihre Fragen:
Wie geht es Ihnen nun gut zwei Wochen nach der Bürgermeisterwahl in Stockach und wie beurteilen Sie das Wahlergebnis im Rückblick?
Der Alltag hat mich wieder. Das Ergebnis ist sehr eindeutig: Stockach hat eine Verwaltungsfachkraft gesucht und bekommen. An dieser Stelle noch mal meinen herzlichen Glückwunsch an Frau Katter. Beurteilen möchte ich das Wahlergebnis nicht, denn ich wohne nicht in Stockach und ziehe aufgrund des Ergebnisses auch nicht dorthin.
Wie geht es nun für Sie weiter, wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Wollen Sie weiter versuchen Bürgermeister zu werden?
Ich freue mich, die Herausforderung angenommen zu haben. Eine Kandidatur andernorts schließe ich derzeit zwar nicht aus, strebe aber auch keine an. Stockach war wohl ausgewählt. Ich hatte die Chance, mit der Kandidatur in Stockach meinen privaten Horizont zu erweitern und mein politisches Profil zu schärfen. Das hat mir gutgetan. Vielleicht ist jemand auf mich aufmerksam geworden. Das wird sich in naher Zukunft zeigen.
Was haben Sie aus der Bürgermeisterwahl in Stockach gelernt?
Ich habe gelernt, dass Selbstvertrauen wichtiger ist als ein Wahlsieg. In diesem Sinne habe ich das Maximale erreicht: Wer für seine Überzeugungen eintritt, gewinnt immer.
Wie werden Sie Stockach in Erinnerung behalten?
In guter Erinnerung. Ich freue mich über alle Kontakte, die mir erhalten bleiben. Jeder einzelne ist eine Bereicherung.
Auch ich bedanke mich für die netten Begegnungen mit Ihnen und Ihre Fairness.
Was an Verschwörungstheorien falsch ist, kommt auf den Kontext an, wie man am Beispiel einer Verschwörungstheorie aus dem Matthäusevangelium gut darlegen kann.
Im 28. Kapitel, Verse 11-15 (LU) heißt es:
« Als sie aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die Stadt und verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war. Und die kamen mit den Ältesten zusammen, hielten Rat und gaben den Soldaten viel Geld und sprachen: Sagt, seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen. Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt, wollen wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr nichts zu fürchten habt. Sie nahmen das Geld und taten, wie sie angewiesen waren. Und dies Gerücht hat sich bei Juden verbreitet bis auf den heutigen Tag. »
Einflussreiche und finanziell potenter Leute
Die Hohenpriester und die Ältesten, das gesamte Establishment also, waren nicht gerade begeistert vom Auftreten und Wirken Jesu Christi. Er war ihnen ein Dorn im Auge und sie wollten ihn los werden. Dem Judas hatten sie 30 Silberstücke gegeben, damit er die Tempelpolizei zu ihm führte. Die nahm ihn fest, was schließlich zu seiner Verurteilung und Kreuzigung durch die Römer führte. Ob die Hohenpriester und die Ältesten nun an Jesu Auferstehung glaubten, oder ob es ihnen nur darum ging, Jesus nicht zur Legende werden zu lassen, auf alle Fälle wollten sie ihn Tod und begraben wissen: Ende des Kapitels. Alles andere hätte zu einer weiteren Erosion ihres Ansehens und ihres Einflusses geführt.
Ich fasse das mal zusammen: Die Verschwörungstheorie besagt, dass die Anhängerschaft Jesu dessen Leichnam habe verschwinden lassen, um das unterstellte Scheitern seiner Mission zu kaschieren. Ersonnen wurde die Verschwörungstheorie von einer Gruppe einflussreicher und finanziell potenter Leute, die ein großes Interesse daran hatten, dass aus dem überschaubaren Kreis der ersten Christen keine Massenbewegung wird. Dafür waren sie bereit, über Leichen zu gehen.
Die Urheber bleiben im Verborgenen
Wie das Beispiel der oben genannten Verschwörungstheorie zeigt, braucht man neben böser Absicht auch Geld und Einfluss, um so eine Erzählung in die Welt zu setzen. Man muss ein paar Leute bestechen, um vermeintliche Zeugen zu haben, und dazu bedarf es einer gewissen Autorität. Verschwörungstheorien funktionieren am besten von oben nach unten. Umgekehrt haben sie kaum eine Chance. Schon das spricht übrigens für die Echtheit der biblischen Erzählung, aber das nur am Rande. Sind Verschwörungstheorien einmal in der Welt, lassen sie sich nicht mehr kontrollieren. Wie bei der Stillen Post variieren sie und verändern sich. Eine Lehrautorität gibt es selbstverständlich nicht. Die Urheber bleiben im Verborgenen.
Damals wie heute heute wird die Auferstehung Jesu bestritten, im Islam beispielsweise. Mohammed konnte mit einem gekreuzigten Gott nichts anfangen, Johann Wolfgang von Goethe spottete über das « Jammerbild am Holze » und der evangelische Theologe Gerd Lüdemann behauptete, dass Jesu Leichnam « verwest und verrottet » sei. Die Gründe sind verschieden, aber alle lehnen die biblischen Berichte strikt ab. Die Jünger konnten es am Anfang ja selber kaum glauben. Eine Verschwörungstheorie muss also grundsätzlich vorstellbar sein. Eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte, die erkennbar blanker Unsinn ist, hat keine Chance weitererzählt zu werden. Waren Mohammed, Goethe und Lüdemann Aluhutträger? Zumindest vertraten sie die von den damaligen Verschwörern gewünschte Deutung: Die Christen sagen nicht die Wahrheit.
Es geht um die Deutungshoheit
Bei einer Verschwörungstheorie geht es um die Deutungshoheit, und die versucht eine Gruppe einflussreicher und finanziell potenter Leute mittels Verleumdung zu erlangen. Eine Verschwörungstheorie ist nichts anderes als organisierte Verleumdung, damals wie heute. Auch heute werden Leute bestochen, zusätzlich werden Social-Media-Kanäle missbraucht, irreführende Videos produziert und Fake News verbreitet. Immer geht es darum, einer anderen Gruppe von Menschen zu schaden, sie als dumm und unglaubwürdig, gar als gewaltbereit und gefährlich hinzustellen.
Verleumderische Impulse
Verschwörungstheorien kann man leicht aufsitzen, denn es ist immer auch etwas Wahres daran, nur sind die Fakten pervertiert. Das Ziel ist Verleumdung, und deshalb kann es auch eine Verschwörungstheorie sein, andere als Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen. Während der Corona-Pandemie war das besonders offenkundig: Wer die Maßnahmen kritisierte und auf seiner Entscheidungsfreiheit bestand, galt plötzlich als rechts, Antisemit und sogar als Staatsfeind. Die Vorwürfe waren orchestriert: Pharmaindustrie, Politik, Presse und Kirche im Gleichklang. Ein Zufall war das nicht. Den verleumderischen Impulsen sind viele gefolgt.
Fazit: Was an Verschwörungstheorien falsch ist, kommt auf den Kontext an. Dort wo eine Gruppe von Menschen massiv gedisst, beschuldigt und verächtlich gemacht wird, sollte man immer genau hinsehen. Stimmen die Fakten, sind die gezogenen Schlüsse richtig? Verschwörungstheorien sind so gestrickt, dass man leicht darauf hereinfallen kann, weil man nur allzu gerne auf der richtigen, auf der vernünftigen Seite steht.
2023 kandidierte ich in Stockach. Ich war vorgewarnt, denn die örtliche CDU hatte mir frühzeitig eine klare Ansage gemacht: Ich könne diese Wahl nur verlieren, und so kam es dann auch. Eine von der CDU und zwei weiteren Parteien unterstützte Mitbewerberin machte das Rennen. Aber sind Wahlerfolge zuallererst Agenturefolge?
Hier kommt mein Internetauftritt von damals:
Erfahrungen einbringen
Zwar bin ich kein Verwaltungsfachmann, aber ich habe zehn Jahre lang im Freudenberger Rat mitgearbeitet und dadurch viele Insider-Erkenntnisse gewonnen und komplett neue Erfahrungen gesammelt. Ich kann Bilanzen lesen, und politisch ist mit mir immer zu rechnen gewesen. Zu Hause wollte es einfach nicht klappen. Aber die Aufgabe, eine Verwaltung zu führen und weiterzuentwickeln hat mich immer gereizt. Daher kommt hier meine Kandidatur in Stockach: Stockach ist absolut nicht zufällig gewählt. Seit ich zur Fasnet in Stockach war, weiß ich: Stockach und ich, wir passen zusammen: Wir sind ein Match! Über Ihre und eure Unterstützung würde ich mich sehr freuen; denn ohne geht es nicht.
Kompetenzen zusammenführen
“Er hat sich fachlich eingearbeitet, ist menschlich korrekt gewesen und hat unseren Ort nach vorne gebracht.” Das würde ich nach 10 Jahren Bürgermeister gerne hören – am liebsten von denen, die mich nicht gewählt haben. 10 Jahre, dann ist Schluss, versprochen! Was für mich spricht: Ich kann zuhören, Kontakte knüpfen und wechselseitiges Vertrauen aufbauen. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob jemand alteingesessen ist oder einen Migrationshintergrund hat. Ich möchte dafür sorgen, dass nicht über Sachzwänge diskutiert wird, sondern über Lösungen – und zwar immer zusammen mit den direkt Betroffenen, egal ob Bürger oder Unternehmen, und natürlich mit den Fraktionen, denn am Ende zählt der Kompromiss.
Mediator sein
Wenn man akzeptiert, dass Menschen unterschiedlich leben, erkennt man schnell: Ein guter Bürgermeister ist ein guter Mediator. Einer, der Respekt genießt, weil er anderen Respekt entgegenbringt. Dazu gehört es auch, keinen Filz zu schaffen. Nicht allen Erwartungen kann man entsprechen, und manchmal muss man Nein sagen, auch zu Freunden und Gönnern. Ich kann das.
Garantiert unparteilich: Beel, die beste Wahl
Ob man Mitglied einer Partei ist oder nicht, hängt davon ab, ob man eher auf die Stimme des eigenen Gewissens oder auf Voten von Parteigremien hören will. Mir liegt es nicht, anderen nach dem Mund zu reden, deshalb bin und bleibe ich parteifrei. Das hat auch mit meinem lutherischen Menschenbild zu tun: Ich erwarte vom Einzelnen nicht allzu viel, deshalb lege ich auch keine falschen Maßstäbe an. Ich freue mich schon, wenn alle halbwegs miteinander zurecht kommen: “Jeder soll”, so damals schon Friedrich II. (1712-1786), “nach seiner Fasson selig werden.“