Wenn der bürgerliche Protest gegen die Corona-Maßnahmen relevant bleiben will, darf er nicht in dieselbe Moralisierungsfalle tappten wie zuvor schon so viele Politiker, Wissenschaftler, und Journalisten. In der Coronazeit sind Freiheiten einfach per Dekret eingeschränkt worden. Das muss dringend aufgearbeitet werden; vielleicht sogar juristisch. Voraussetzung dafür ist eine offene und gesamtgesellschaftliche Debatte. Diese müssen wir dringend einfordern und darauf bestehen, dass in Zukunft niemand mehr zu körperlichen Eingriffen gedrängt oder genötigt werden darf. Um diesen ernsthaften Anliegen Nachdruck zu verleihen, ist es wichtig, sich von all jenen zu trennen, die den legitimen Wunsch nach politischer Mitbestimmung durch Trotz und Verschwörungsmythen ins Lächerliche ziehen.

“It takes a great deal of bravery to stand up to our enemies, but just as much to stand up to our friends.” — J. K. Rowling

»Wir sind die rote Linie«, aber ein roter Faden ist nicht mehr erkennbar.

Als auch im Westen viele auf die Straße gingen, um gegen die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht und den Versuch einer Segregation nach Impfstatus zu demonstrieren, war ich dabei. Nach dem Scheitern der Impfpflicht für alle (leider war eine sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht nicht abzuwenden) wurden die Demos kleiner, aber deren Themenvielfalt größer. Die Demos wurden zum Ausdruck einer grundsätzlichen Unzufriedenheit, und der Ton wurde wehleidig und selbstgerecht.

Heute, ein Jahr danach, gibt es diese Demos immer noch. Manche Teilnehmer tragen Transparente auf denen steht: »Wir sind die rote Linie.« Ein roter Faden ist indes nicht mehr erkennbar. Demonstriert wird für und gegen alles, was pauschal genug ist, um der erlebten Frustration Luft zu machen: Steuergeldverschwendung, Lebenshaltungskosten, Krieg und Frieden, Zukunft der Kinder und so weiter. Auffallend ist die starke Ichbezogenheit. Dadurch wirken die Demos nicht so sehr wie politische Willenskundgebungen, sondern eher wie Selbsthilfegruppen. Leider sind die noch verbliebenen Demoteilnehmer längst in dieselbe Moralisierungsfalle getappt wie zuvor schon so viele Politiker, Wissenschaftler, Redakteure der Massenmedien und große Teile der Gesellschaft: »Gut, dass ich nicht so bin wie die.« Gut und Böse, Opfer (»Wir wollen unser altes Leben zurück.«) und Täter (»Schwurbler«, »Leugner«, »Verschwörer«, »Hetzer« und »Spalter«). Die Bösen sind immer die anderen.

In Deutschland gehen die Moralvorstellungen inzwischen weit auseinander. Das zeigt, wie divers diese Gesellschaft tatsächlich schon ist. Angesichts der Fülle der weltanschaulichen Festlegungen ist ein gemeinsamer Verhaltenskodex nicht mehr vorstellbar, daher müssen Rechte und Pflichten, insbesondere die Freiheitsrechte, neu und klarer definiert werden. Das geht aber nur nach einer breiten gesellschaftlichen Diskussion.

Wir erleben derzeit eine Bevormundung durch Wohlmeinende, durch Leute, die uns ständig vor irgendetwas beschützen wollen: vor Krankheit, Tod und Klimawandel – und vor uns selbst. Der irische Schriftsteller C. S. Lewis schrieb in seinen Gedanken zur Theologie und Ethik:

»Of all tyrannies, a tyranny sincerely exercised for the good of its victims may be the most oppressive.« — ― C.S. Lewis, God in the Dock: Essays on Theology

Aufarbeitung ist wichtig, und ein klares Ja zur Demokratie.

In der Coronazeit sind Tatsachen vor allem per Dekret geschaffen worden. Die Grundlage dafür bietet das Infektionsschutzgesetz (IfSG) mit seinen vielfältigen Möglichkeiten, die grundgesetzlich garantierten Freiheiten wie die Freiheit der Person, die Versammlungsfreiheit und die Unverletzlichkeit der Wohnung einzuschränken. Aber ist das nach den Erfahrungen der letzten drei Jahre noch zeitgemäß? Wenn die bürgerliche Opposition gegen die Corona-Maßnahmen, egal ob auf der Straße oder im Parlament, relevant bleiben will, muss sie auf diese Frage eine Antwort finden. Sie darf sich dann nicht im Gefühligen und in Verschwörungstheorien verlieren. Sie darf sich nach keinem Zurück sehnen, sondern muss konkrete Veränderungen anstreben und entsprechende Forderungen stellen. Dazu gehört ein klares Ja zur Demokratie.

Klar ist, dass es eine Aufarbeitung geben muss: vielleicht sogar eine juristische. Dafür ist eine offene und gesamtgesellschaftliche Debatte unerlässlich. Das wäre meine erste Forderung. Wir brauchen auch unbedingt mehr Transparenz bezüglich der mit öffentlichen Geldern erhobenen Daten, Publikationen und Studien.

Medizinische Eingriffe dürfen nicht zur Frage der Moral erhoben werden.

Meine zweite Forderung wäre: das Tabu von körperlichen Eingriffen (nichts anderes ist eine Impfung). Zwar ist die Freiheit ein Rechtsgut, aber was genau damit gemeint ist, erschließt sich bislang nur im gesamtgesellschaftlichen Kontext. Niemand sollte sich in Zukunft zum Schutze anderer medizinischen Eingriffen unterziehen müssen. Darauf sollten wir uns als Gesellschaft unbedingt verständigen. Zur Seuchenbekämpfung kann auf andere Maßnahmen zurückgegriffen werden. Wie schnell medizinische Eingriffe zur Frage der Moral erhoben werden können, hat die COVID-19-Pandemie gezeigt. Das gilt es in Zukunft kategorisch auszuschließen.

Um diesen ernsthaften Forderungen Nachdruck zu verleihen ist es wichtig, sich von all jenen zu trennen, die den legitimen Wunsch nach politischer Mitbestimmung durch Trotz und Verschwörungsmythen ins Lächerliche ziehen. Die Entwicklung der »Olli-Spaziergänge« in Siegen ist dafür ein mahnendes Beispiel. Gestartet als bürgerlicher Protest sind sie heute Projektionsfläche wildester Verschwörungstheorien. Keiner nimmt das noch ernst.

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I’ve just left Twitter after being there for more than a decade. But everything ends one day, and today is a good day to get rid of Twitter. Here is why. First and foremost: no one cares. Staying or leaving has little impact on others. It’s a personal decision. I’m no journalist or politician that seeks the Twitter limelight to boost their popularity. No one will miss me personally.

Initially, a journalist brought me to Twitter: Marcus Wegner, the author of the book Exorcism Today: The Devil Speaks German. But I only became quite active during the so-called pandemic. For me, Twitter was very helpful in sensing the general mood. By mid-January, I was sure that the introduction of mandatory vaccination would fail in Germany because too much time had passed.

Then I came to realise that I had only been able to read the signs because of my theological knowledge. Twitter had been a helpful crutch while faith and theology had been the two legs to mentally take me out of the German corona policy crisis. Twitter had been supportive, but eventually, I could walk on my own two legs.

In future, when I want to publish something, I’ll do it here on my website. When people want to connect and communicate with me, they know where to find me and how to get in touch: by mail, email, phone or messenger – and, of course, I still have a permanent address too. The ultimate goal is simple: chatting less with complete strangers and talking more with people that really matter.

Let’s have a beer, meet over a cup of tea or single malt and discuss topics that are important to us.

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People Say They’re Leaving Twitter. Are they Really?

Was an Verschwörungstheorien falsch ist? Alles, aus christlicher Sicht. Belegen lässt sich das ganz leicht anhand der Verschwörungstheorie, die im Matthäusevangelium (28,11-15 LU) überliefert ist:

»Als sie aber hingingen, siehe, da kamen einige von der Wache in die Stadt und verkündeten den Hohenpriestern alles, was geschehen war. Und die kamen mit den Ältesten zusammen, hielten Rat und gaben den Soldaten viel Geld und sprachen: Sagt, seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen. Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt, wollen wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr nichts zu fürchten habt. Sie nahmen das Geld und taten, wie sie angewiesen waren. Und dies Gerücht hat sich bei Juden verbreitet bis auf den heutigen Tag.«

Eine Clique reicher und einflussreicher Leute ersinnt eine üble Verschwörungstheorie, um die Deutungshoheit und damit die Macht nicht zu verlieren: Jesus ist gar nicht auferstanden, seine Jünger haben seine Leiche gestohlen. Sie bezahlen Fußsoldaten für die Verbreitung dieser Lüge mit dem Ziel, die Nachricht von der Auferstehung als Betrug erscheinen zu lassen und die Jünger in Verruf zu bringen.

Eine Verschwörungstheorie ist also nichts anderes als eine Verleumdung; eine üble Nachrede in der Absicht, anderen Schaden zuzufügen. Daran hat sich bis heute nichts geändert, und als Christ erkennt man sofort: Verschwörungstheorien richten sich auch gegen Gott. Sie widersprechen dem Anspruch Jesu (Joh 14,6 LU): »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.»

Im Unterschied zu damals sind es heute häufig die Eliten selbst, reiche und einflussreiche Leute, die am Pranger von Verschwörungstheoretikern stehen. Das wirft die Frage auf, wer sich die gegenwärtigen Verschwörungstheorien ausdenkt, um davon zu profitieren.

Aber was machen die Verschwörungstheorien mit denen, die sie sich zu eigen machen und sie weiterverbreiten? Zunächst: Verschwörungstheorien bringen einen auf Kollisionskurs mit der Wahrheit. Das böse Prinzip ist immer dasselbe: Menschen werden in zwei Kategorien unterteilt: in Schafe und Böcke, Arglose und Schurken, Gut und Böse. Das widerspricht jedoch vollkommen 1. Joh 1,8 LU): »Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.« Der Hochmut, Gott vorgreifen zu wollen, führt zu Selbstjustiz-Phantasien. So schreibt der Anmelder der Siegener Demos, »Olli«, in einem Kommentar unter einem Artikel auf meiner Seite: »[…] da verlieren sich die Spuren in korrupten Politilerkreisen und auch da würde ich gern ein paar Verhaftungen vornehmen lassen.» Solchem Geltungsdrang stehen allerdings sowohl das achte Gebot (»Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.«) als auch Jesu Warnung vor dem Richten (Mt 7,1) entgegen.

Verschwörungstheorien zeichnen ein einfaches Schwarz-Weiß-Bild und verleiten den Menschen, sich auf den Richterstuhl Gottes setzen zu wollen. Das Leben ist aber nicht schwarz-weiß, sondern geheimnisvoll, und nicht der Mensch, nur Gott kennt alle Geheimnisse. Vor allem ist der Mensch nicht gut oder böse, sondern ein Sünder. Das zu erkennen ist Realismus. Das zu verkennen führt in die Schwärmerei.

Lutherischer Realismus (ein feststehender Begriff) bedeutet, die Welt so zu nehmen, wie sie ist und nicht so, wie man sie sich vorstellt. Im Telegram-Kanal der Siegener Demoteilnehmer schreibt eine Aktivistin dazu: »[…] manch einer hält diesen [den lutherischen Realismus] für eine Verschwörungstheorie.«. Eine andere merkt an: »Gott ein Verschwörungstheoretiker? Mit allem Respekt, sozusagen Der Allergrösste.«

Das zeigt, wie sehr Verschwörungstheorien die menschliche Wahrnehmung trüben und verdrehen können. Wer sich ihnen öffnet, setzt sich Mächten aus, die größer sind als die eigene Kraft, vgl. Offb 13,4-6 LU:

»Wer ist dem Tier gleich und wer kann mit ihm kämpfen? Und es wurde ihm ein Maul gegeben, zu reden große Dinge und Lästerungen, und ihm wurde Macht gegeben, es zu tun zweiundvierzig Monate lang. Und es tat sein Maul auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und seine Hütte und die im Himmel wohnen.«

Text wird vielleicht noch mal ergänzt.

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Plötzlich kommt der Staat auch uns, der der Mitte der Gesellschaft autoritär, eine völlig neue Erfahrung, und viele schlagen sich spontan auf seine Seite. Ein Bruch im eingeübten Zusammenleben ist die Folge: Einige flüchten sich in Verschwörungstheorien, andere sehen sich als Wächter von Wissenschaft und Moral. Die vergangenen 2 Jahre hat jeder von uns anders erlebt. Hier sind meine Erfahrungen und Reflexionen. Ich habe auch eine theologischen Einordnung gewagt.

Der Staat drängt mit allen Mitteln zur Impfung

Plötzlich geht es uns an den Kragen: der Mittelschicht. Der Staat, mit dem wir höchstens mal bei Verkehrskontrollen oder dem Lohnsteuerjahresausgleich zu tun gehabt haben, ist übergriffig geworden: Er drängt uns mit allen Mitteln zu einer Impfung und schreckt dabei auch vor schroffer Diskriminierung nicht zurück: Wen darf ich treffen, mit wem darf ich in meinen eigenen vier Wänden Weihnachten feiern? Der Staat regelt das! Im Alleingang entscheidet ein Minister, welche Heilmethode gut und welche nicht gut ist und will ohne jede gesellschaftliche Diskussion die Homöopathie aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen kegeln. Ein anderer Minister verlangt, dass wir weniger duschen, weniger heizen und weniger Auto fahren. Wiederum ein anderer Minister erklärt uns, mit wem wir uns verbunden fühlen müssen und wer unser Gegner ist. Wer dabei nicht mitmacht, wird zum Außenseiter erklärt, zum Störer und gar zum rechtsradikalen Widersacher. Starker Tobak, so haben wir den Staat noch nie erlebt. Dabei kann der Staat schon länger so, wir haben nur nicht hingesehen.

Wer hilfsbedürftig ist und auf den Staat angewiesen, muss spätestens seit der Regierung Schröder all seine persönlichen Verhältnisse offenbaren: Druck und Kontrolle bestimmen den Alltag: Was besitze ich und mit wem lebe ich zusammen? Wie groß ist meine Wohnung, und wer könnte mich sonst noch unterstützen? Wer vom Staat eine Leistung haben will, mag sein ganzes Leben lang in die Sozialpflichtversicherung (so hieß sie ehrlicherweise in der DDR) eingezahlt haben, aber im Falle des Falles bleibt ihm keinerlei Selbstbestimmung mehr; er ist dem Staat komplett ausgeliefert und muss am Ende sogar Haus und Hof verkaufen, nur um ein klein wenig davon wiederzubekommen. Zusätzlich ist ihm soziale Ausgrenzung sicher: Schlaumeier, Trittbrettfahrer, Schmarotzer, Faulenzer. Da lebt einer auf Kosten der Allgemeinheit. Wir haben von dieser Ungerechtigkeit gewusst, sie hat uns aber nicht gejuckt, denn sie hat uns nicht betroffen. Nun sind wir an der Reihe.

Soziale Ausgrenzung ist die Kehrseite des Strebens nach Leitkultur

Heute bläst uns der woke Zeitgeist aus vollen Backen eiskalt ins Gesicht, und wir erkennen: sozial und liberal gehören untrennbar zusammen. Soziale Ausgrenzung ist die Kehrseite des typisch deutschen Strebens nach Konsens und Leitkultur. Wer nicht mitmacht, gehört nicht dazu. Besonders auffällig ist diese Geisteshaltung in der Querdenkerbewegung (das habe ich in Siegen so erlebt) und der Grünen Partei. Beide sind auch sozial sehr ähnlich strukturiert; ihre Anhänger kommen aus der modernen Mitte: mittlere bis höhere Angestellte, Selbständige, gehobene Mittelschicht und Leute mit eher progressiven Ideen. Facharbeiter, Menschen mit Migrationshintergrund und christlich Konservative (also solche wie mich) findet man darunter kaum (dazu gibt es inzwischen auch gute Literatur). Der Hang zur Radikalisierung ist bei Querdenkern wie Grünen unübersehbar. Bestes Beispiel dafür ist Janosch Dahmen, der gesundheitspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, der Kirchen und Vereine in den Dienst der Impfsache stellen wollte (was nicht nur die staatsnahe EKD freudig mit sich machen ließ), flächendeckend 2G forderte und schließlich für eine allgemeine Impfpflicht eintrat.

Mit »Olli« kommt es zu einem Drift ins Autoritäre

Parallel dazu veränderten sich die Proteste gegen die politischen Maßnahmen. Das autoritäre Gebaren vieler Politiker traf bei nicht wenigen auf völlige Hilfslosigkeit. Manche glaubten, eine Handvoll einflussreicher Menschen hätten sich gegen sie verschworen. Bei mir war es nichts dergleichen, sondern Selbstbehauptung, die mich auf die Straße trieb. In Siegen habe ich dann folgendes erlebt: Während es am Anfang einfache Spaziergänge waren, ohne erkennbare Organisationstruktur und definitiv ohne weitergehende politische oder weltanschauliche Festlegungen, wurden die Kundgebungen schließlich als Demonstrationen angemeldet. Dabei bliebt zunächst der bunte Mix von Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten erhalten. Deutlich sichtbar und für das Siegerland typisch, waren die vielen Christen aus freikirchlichen Gemeinschaften.

Mit der Zeit aber spielte sich ein »Olli« in den Vordergrund. Dieser »Olli« hielt zu Beginn jeder Kundgebung eine Rede. Die Krise sei nur durch eine Verschwörung erklärbar, mutmaßte er. Im dazugehörigen Telegram-Kanal tauchten plötzlich Profile mit Reichsfarben auf. »Olli« sprach von einem geplanten Genozid, von Chemtrails und Kinderhändlerringen (QAnon) und davon, dass man die Zusammenhänge erkennen und die Verantwortlichen verhaften müsse. Die Radikalisierung hatte zu einem Drift ins Autoritäre geführt. Heute demonstriert man für Putin, gegen die NATO und nur noch am Rande gegen Corona-Maßnahmen oder dergleichen. Die Schilder »Jesus rettet« sind verschwunden, es trifft sich nur noch ein harter Kern von Querdenkern und Verschwörungstheoretikern.

Riss mitten durch die Gesellschaft

Radikalisierungen waren aber keineswegs auf Grüne und Querdenker beschränkt. Der Riss ging mitten durch die Gesellschaft; und auch in den früher populären Parteien SPD und CDU gingen Scharfmacher an den Start. So twitterte Karl Lauterbach im März 2021, dass es wichtig sei, »Querdenker zu bekämpfen«, und Friedrich Merz, damals noch Kandidat für den CDU-Vorsitz, forderte einen Lockdown für Ungeimpfte: »Wer nicht geimpft oder genesen ist, kann dann nur noch zur Apotheke, in den Supermarkt und zum Arzt. (…) Kein Ungeimpfter mehr im Büro, kein ungeimpfter Fußballspieler mehr auf dem Rasen, kein ungeimpfter Abgeordneter mehr im Bundestag, kein ungeimpfter Student mehr im Hörsaal.« Damit gaben beide Parteien den Anspruch auf, Volksparteien zu sein. Sie waren nur noch Parteien der Geimpften.

Sichtbarkeit des Protests

Zu den – auch im Nachhinein! – angenehmen Erfahrungen gehörten die von Heike Klur und Henning Zoz organisierten Autokorsos. Im Siegerland gibt es eine Menge Leute, die Henning Zoz nicht leiden können, weil er immer wieder für die AfD kandidiert. Aber auf den Autokorsos spielte seine Parteimitgliedschaft überhaupt keine Rolle. Weder versuchte er die Teilnehmer für die AfD zu gewinnen, noch machte er die Korsos zur Wahlkampfveranstaltung. Jeder war willkommen. Es ging um ein klares Nein zu Lockdowns, Schulschließungen und der einrichtungsbezogenen wie allgemeinen Impflicht.

Meine Fahnen beim Autokorso in Siegen 04/22

Ziel war die Sichtbarkeit des Protests, denn die Medien, allen voran die Siegener Zeitung, schwiegen uns tot. Was mir besonders imponierte: Wenn es Probleme gab, stellte sich Henning Zoz stets vor die Teilnehmer. Niemals versteckte er sich hinter uns.

Mittlerweile, nach längerer Pause, gibt es die Autokorsos wieder. Mit dem sich abzeichnenden Ende der Corona-Maßnahmen sind aber auch hier die Themen andere geworden, und politische Grundeinstellung sind nun mal verschieden. Es sind jedoch gute Kontakte entstanden, die ich nicht mehr missen möchte, und ich bin mir sicher: Heike Klur und Henning Zoz werde ich auf anderer Bühne wiedersehen.

Kein Unterschied zwischen Geimpften und nicht Geimpften

Wofür ich von Herzen dankbar bin, und was mich sogar (auch wenn es christlich etwas grenzwertig ist) mit einigem Stolz erfüllt, ist die Performance unserer lutherischen Kirchengemeinde in dieser schweren Zeit. Meine Heimatgemeinde hat nie einen Unterschied zwischen geimpften und nicht geimpften Gemeindegliedern gemacht, ganz im Gegenteil! Ich selbst bin Mitglied des Kirchenvorstands und hatte mich anfänglich etwas zurückgehalten, weil ich nicht in eigener Sache reden wollte. Es stellte sich aber sehr schnell heraus, dass es noch andere nicht geimpfte Gemeindeglieder gab, und dass diese sehr persönliche Entscheidung für niemanden ein Stein des Anstoßes war. Unser Pfarrer, Jens Wittenberg, las in mancher Predigt dem Staat die Leviten und nahm so das kirchliche Wächteramt wahr. Chapeau!

Eucharistie in der St. Christophorusgemeinde, Siegen

Mich hat der lutherische Realismus mit seiner klaren Orientierung am Evangelium vor jeder Form der Radikalisierung und des Verschwörungsdenkens bewahrt und vor allem davor, die Hoffnung zu verlieren. Ohne den Rückhalt der Kirche wäre ich ohne Zweifel schlechter durch diese gesellschaftlich konfliktreiche Zeit gekommen.

Resümee

Während des Schreibens hat sich dieser Artikel zweimal verändert: Von der Analyse über die Reflektion eigener Erfahrungen wieder zurück zur Analyse. Ich bin Theologe, ich kann gar nicht anders als die Dinge auch theologisch einzuordnen. Andere haben viel früher als ich gespürt, dass da was im Anzug war. Ich wurde erst im Spätsommer 2021 mit dem Fakt konfrontiert, dass politischer Druck und vermeintlich kluge Überheblichkeit einen Keil in die Gesellschaft trieben. Wie konnte es dazu kommen? Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, meine lutherische Nüchternheit – und sicherlich auch meine (krypto-)anglikanische Art zu denken – lassen mich zunächst nach gesellschaftlichen Trends suchen. Was treibt die Menschen an, welche Denkweisen bestimmen ihr Handeln? Ich suche nicht zuerst nach Akteueren, sondern nach Motiven. Das Virus als solches ist und keine Botschaft für uns, darin stimme ich mit N. T. Wright völlig überein. Es ist unser Umgang damit, der eine Botschaft ist, an uns selbst und an andere.

Die Mitte der Gesellschaft wird plötzlich mit Maßnahmen konfrontiert, die neu und unheimlich sind; und während sich die einen anpassen – extrem sogar! -, rebellieren die anderen. In beiden Lagern kommt es zu Radikalisierungen. Die Angepassten werden wütend auf die Widerständler, und diese wiederum, betrachten die Angepassten als Teil des Problems. Ich gehöre ganz klar zu den Rebellen und mache die Erfahrung, dass sich sogar langjährige Freundschaften in Luft auflösen. Das liegt zum Teil auch an mir, aber eben auch an denen, die überhaupt kein Verständmnis mehr für mich aufbringen wollen. Einige werden beleidigend. So kommen wir nicht mehr zusammen.

In Krisenzeiten besinnen wir uns auf uns selbst, auf unsere Träume und Hoffnungen, und wir fragen, was uns ausmacht. Selbstverständlich suchen wir nach dem Schulterschluss mit Gleichgesinnten; einige dieser Begegnungen bleiben flüchtig, andere vertiefen sich. Alte Selbstverständlichkeiten zerbröseln, manche Beziehung geht in die Brüche. Wichtig ist, ehrlich mit sich selbst zu sein und Schmerz zuzulassen. Jede Krise bietet die Gelegenheit der Neuorientierung, die damit beginnt, Verkrampfungen zu lösen und sich mit sich selbst zu versöhnen – und mit Gott, wie ich als Theologe hinzusetzen würde, dem Gott, von dem alles Heil, alle Geduld und alle Vergebung kommt. Die Würde des Menschen ist deshalb unantastbar, weil wir als Menschen aus der Vergebung leben. Ohne Vergebung gibt es keine Erneuerung. Eine Krise ist dann vorbei, wenn die Zukunft wieder offen und gestaltbar erscheint. Es gibt kein Zurück, niemals. Wichtig ist, die je persönlichen Schritte nach vorne zu gehen und nicht so sehr um sein Ego zu kreisen, sondern stärker die eigene Rolle in der nächsten Umgebung, der Familie, Nachbarschaft und ganzen Gesellschaft in den Fokus zu nehmen. Wir Christen sind keine Welterklärer, wir können aber Weltverbesserer sein, wenn wir unsere Selbstisolation überwinden und auf andere zugehen und – vor allem! – auf Gott vertrauen. Dazu gehört auch zu motzen, mit Gott zu hadern und ihm eigenes Leid zu klagen, denn wir wissen ja, »dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt« (Römer 8,22).

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Wäre ich Bürgermeister, dann würde ich jetzt zu Energieprotesten aufrufen. Die Kritik an der Regierungspolitik und der Protest dagegen muss von den Kommunen, von den Bürgermeistern kommen. Diese kennen sich aus und sehen, was direkt vor ihren Augen abläuft. Sie tragen konkrete Verantwortung und müssen mit den sozialen und wirtschaftlichen Folgen der gegenwärtigen Krise unmittelbar klar kommen. Aus diesem Gründen haben sie ein großes Interesse daran, dass die völlig berechtigten Demonstrationen in Stadt und Land nicht von Schwärmern und Sektierern angeführt werden.

Ich würde es privat machen, nicht als Amtsinhaber, um meine Neutralitätspflicht nicht zu verletzten. Aber ich würde es als der Mensch machen, dem die Leute vertrauen und dem sie zuhören. Glaubwürdigkeit ist in Krisenzeiten das höchste Pfand und Gut.

Neutralität ist ohnehin geboten, denn die Politik verharrt schon viel zu lange im Lagerdenken und hat dadurch das schon vorher bestehende Gegeneinander gesellschaftlicher Kräfte und Gruppen weiter verstärkt. Die Parteien sind aber nicht da, um Risse zu vertiefen und sich gegenseitig zu blockieren, sondern sie müssen Lösungen anbieten. Die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft ist ein Übel, das schon mit den überzogenen Corona-Maßnahmen begann.

Wenn jetzt zu den ideologischen Polarisierungen auch noch ein steiles Wohlstandsgefälle kommt, droht unsere Gesellschaft vollends auseinanderzubrechen. Das muss den Parteien mit allem Nachdruck bewusst gemacht werden, und deshalb würde ich als Bürgermeister die Energieproteste anführen.

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Anfang Dezember letzten Jahres (2021) machte der damalige Ministerpräsident des Saarlandes, Tobias Hans, eine klare Ansage an alle, die sich nicht impfen lassen wollten: »Ihr seid jetzt raus aus dem gesellschaftlichen Leben.« Freiheit und Würde des Einzelnen sollten fortan vom individuellen Wohlverhalten abhängig gemacht werden. Dagegen bin ich, wie viele andere auch, auf die Straße gegangen.

Vor zwei Tagen (im August 2022) erreichte mich eine Nachricht von »Olli«, dem Organisator der Siegener Montagsdemos. Wenn mir nicht gefiele, was er redet und tut, dann solle ich »den Demos echt fern bleiben«. »Aber solltest Du verstanden haben, dass es um einen Genozid geht, bist Du bei uns natürlich gern wieder willkommen.» Damit war ich also von seiner Seite raus. Das allerdings hatte ich für mich schon viel früher entschieden.

Nachdem aus den freien Siegener Spaziergängen angemeldete Demos wurden, zeigte sich bald: Organisator »Olli« nutze die Gelegenheit zur Selbstdarstellung. Wir waren für ihn hauptsächlich Publikum. In langen Monologen ließ er sich aus über geheime Biolabore und das Ausbringen von Giftstoffen in die Luft (»Chemtrails«), um Menschen zu manipulieren oder gar zu vergiften. Die Impfung beurteilte er als versuchten Genozid. Als dann noch das Prinzip der Gewaltenteilung in Frage gestellt wurde, (»wir hoffen, dass uns die Polizei eines Tages dabei helfen wird, die verantwortlichen Politiker zu verhaften«), war für mich klar: Ich konnte und wollte diesem Treiben nicht länger durch Teilnahme zustimmen. Seit Ende April ist für mich Schluss.

Als im August das Thema Siegener Demos auf Twitter aufkam, machte ich meine Bedenken ohne Umschweife deutlich: »Leider, leider kann man in Siegen montags nicht mehr guten Gewissens mitdemonstrieren. Mit dem Anmelder ›Olli‹ dominiert ein Schwurbler aus dem Bilderbuch das Geschehen. Der Typ instrumentalisiert die Demos zur Förderung des eigenen Egos. Schwer zu ertragen.« Seine Reaktion darauf war sehr typisch und bestätigte meine Einschätzung voll und ganz: »Stellst Du Dich nicht selbst gerade als großer Olligegner dar? Woher Dein Neid?«

»Neid« also! Während wir Besonnenen auch nach drei Jahren noch immer erstaunt und verunsichert sind angesichts der brutalen Durchsetzung von Unfug, tönen Leute wie »Olli« anderen Unfug, aber ebenso rechthaberisch und unduldsam in Mikrophone und lassen damit mobile Lautsprecherboxen vibrieren. Ausnahmsweise passt hier der Begriff Schwurbler, der jedoch auch zu Politikern wie Hans und vielen anderen, auch manchem Medienvertreter passt. Den einen wie den anderen sollte man nicht länger zuhören. Tobias Hans verlor die Wahl krachend. Ein Gernegroß! »Olli« steht ihm in nichts nach, nur ist seine Bühne viel kleiner. Der Siegener Jakob-Scheiner-Platz ist nicht das sehnlichst erwünschte Studio von Maybritt Illner.

Die Zeit der Einpeitscher muss zu Ende gehen. Leute wie »Olli« stehen nicht auf unserer Seite. Es ist kein Spaß, mit den Ängsten der Menschen zu spielen und sich durch markige Sprüche Bewunderung erschleichen zu wollen. Die Tragödie der Polarisierung und Cancel Culture, die Politik und Presse derzeit bis auf wenige Ausnahmen aufführen, sollte man nicht selber als Komödie auf die Straße bringen. Wer noch immer in Siegen mitläuft, demonstriert gegen Freiheit und Selbstbestimmung.

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“With lies, you may get ahead in the world — but you can never go back.” – Russian Proverb

You can be the noblest character: trustworthy, loyal, caring and strong, patient and honest, nevertheless, others might see you as second best. Fact! So why is it still important to become a person others can rely on? Short answer: it’s to do with self-respect. If I give my word, it’s given. Keeping one’s word is the crown of character in my world. We can discuss many things but if you ever want me to do something, ask me to promise.

Writing this I’m sitting at my grandfather’s desk. My grandfather had a glue factory, and he knew very well that if you cannot trust a man’s word, you cannot trust his signature because it’s all about a question of honour: a man is only as good as his word.

Beel, Irle & Co.

When the German government started its energy transition and the traffic light coalition later joined the sanctions against Russia people believed the government had weighed the costs and could deliver. Now we are facing skyrocketing inflation and a real energy crisis. Suddenly, the government is bringing dirty coal plants back online and telling people to take shorter showers. Clearly, the government isn’t able to finish what it has started. It will soon be mocked because it is failing to keep its word. While you can’t live commitment-free, make sure you can complete what you have begun.

I once had an appointment at the notorious Torgau prison. They were looking for an English teacher, and I applied for the job. When the prison psychologist asked me whether I was able to say no, I immediately knew what she wanted to find out. She wasn’t so much interested in my good intentions but rather in my commitment to fulfil them. In the end, talking the talk is not enough, you also have to walk the walk.

I’m a theologian, and I pity that in modern-day theology the word has lost its meaning. Everything can be interpreted freely, there is nothing sure to hold onto. Yet, it’s easy to turn a friend into an enemy if you don’t keep your promises because it’s obvious that if you care about someone, you’ll keep your words, and you expect the same vice versa. Sir Winston Churchill once said: “You have enemies? Good. That means you’ve stood up for something, sometime in your life.” Integrity is not for everyone.

To sum it up, my Lutheran faith, life and family background have taught me to say what I mean and mean what I say. Even though this should be the norm, it often makes me stand out. For me, keeping one’s word is a token of nobility and goodness, and it shows respect to others as well as to oneself. I’ve got strong moral principles and I don’t reject leadership. The best way to lead is leading by example. If you want to put me to the test, ask me to promise.

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Für Dlsoz

Wir sind mitten in einer Kulturrevolution. Die vom woken Zeitgeist getriebene Neubewertung und Umgestaltung unserer Lebenswirklichkeit und aller tradierten Werte läuft auf eine komplette Neudefinitions des Menschseins hinaus. Aus Angst vor Diskriminierung schafft man alle Unterschiede ab. Nicht länger sollen menschliche Würde und Individualität durch Religion (Gottesbezug), Stammbaum, durch Geschlecht, Alter, Bildung und Lebensgefühl begründet sein, sondern sie sollen dehn- und formbar sein. Der neue Mensch wächst heran in Lebensabschnittsgemeinschaften, er ist nicht festgelegt auf ein Geschlecht, orientiert sich am Zeitgeist und ordnet sich der Gemeinschaft unter. Er gendert, lässt sich impfen und passt sich an. Seine Persönlichkeitsrechte stellt er hinter die Ansprüche der Allgemeinheit zurück. Ultimativ schützenswert ist nur noch die nakte Existenz. Beständiger Wandel ist die einzige Verlässlichkeit.

Das heißt aber nicht, dass Diskriminierungen damit überwunden wäre. Ganz im Gegenteil! Wer nicht gendert, wer Herkunft und Geschlecht als menschliche Identitätsmerkmale versteht und wer religiös gebunden und dem Zeitgeist gegenüber kritisch eingestellt ist, wird als Nazi stigmatisiert und gecancelt. Das trifft nicht nur Konservative, altgläubige (orthodoxe) Christen und Impfkritiker, es trifft auch Kurden, die sich einen eigenen Staat wünschen, und Buchautorinnen wie J. K. Rowling, die sich gegen Transgeschlechtlichkeit aussprechen.

In Deutschland zum Beispiel ist die steuerfinanzierte Kirche eine der Vordenkerinnen der Cancel Culture. So ließ die leitende Theologin der EKD, Annette Kurschus, wissen, dass sie Impfgegnerschaft nicht akzeptieren könne. Es lohne sich der Dialog nicht mehr.

Diese Haltung teilen auch Lokalblätter wie die Siegener Zeitung. Deren Berichterstattung ist entweder polemisch, oder aber die zahlreichen Proteste gegen die Spaltung der Gesellschaft und angedrohte Impfpflichten werden ignoriert. Die Bürgermeisterin der Kleinstadt Freudenberg, Nicole Reschke (SPD), sinniert in der Siegener Zeitung über die Frage eines Berufsverbots für nicht Geimpfte: “Das kann ich so nicht beantworten. Verweigerer sollen ihre Tests generell selbst bezahlen müssen.”

Canceln und Dissen sind in Deutschland normal geworden. Aber dabei muss ich nicht mitmachen, und ich muss mich dem auch nicht fügen. Jeder hat das Recht, über sein Leben selbst zu entscheiden. Niemand muss sich ausgrenzen und unterbuttern lassen. Niemand muss einen medizinischen Eingriff, vor dem ihm graut, einfach geschehen lassen. Den Nazi-Schuh muss sich sowieso niemand anziehen, schließlich sind wir schillernden Gestalten wie Annette Kurschus und Karl Lauterbach keine Rechenschaft schuldig. Beide können uns den Buckel runterrutschen. Unsere Wünsche und Werte sind es doch, die zählen. Ohne ein gesundes Selbstbewusstsein gibt es kein gelingendes Leben, und ohne Achtung vor sich selbst, kann niemand etwas erreichen. Heute ist der Tag, sich zu prüfen: Wie will ich leben, welche Aufgaben passen zu mir und meinen Möglichkeiten? Lebe ich meinen Idealen entsprechend, oder mache ich mich selbst klein, versuche ständig, anderen zu gefallen und hadere mit mir selbst?

Anpasserei, Gefallsucht und Nützlichkeitsdenken sind Verführungen, die ins Verderben führen. Am Ende lassen sie einen mit leerem Gemüt und leeren Händen dastehen.

Ich mag mich. Mit diesem Satz fängt der persönliche Kassensturz an. Was habe ich verbockt, was gelingt mir einfach nicht, was lerne ich daraus und was kann ich in Zukunft besser machen?

Plötzlich wird man feststellen, was alles verzichtbar ist: Zeitungen, die gegen einen selbst anschreiben; Parteien und Gewerkschaften, die nur ihr eigenes Ding machen; Jobs, die mehr von einem fordern als sie einbringen; Loyalitäten, die nur einseitig sind. Schluss damit!

Es ist ebenso wichtig, Nein sagen zu können wie vertrauen zu können. Aber was soll man ablehnen und was annehmen? Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Es hängt von der eigenen Persönlichkeit, der Lebenssituation und, damit letztlich verbunden, vom eigenen Bauchgefühl ab: Was für den einen richtig ist, empfindet der andere als Zumutung. Auch die Frage nach der eigenen Identität spielt eine Rolle. Welche Werte sind mir wichtig, woran glaube ich, wo gehöre ich hin?

Ob man sich also impfen lässt oder nicht, kann einem kein Gesundheitsminister und keine Studie beantworten. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ausgeübter Druck und Zwang sprechen ganz klar dagegen. Wer unsicher ist, sollte sich zunächst fragen, ob er Teil einer Druck-und-Zwang-Community sein will oder lieber seinen eigenen Weg geht. Wer Altes zurücklässt, wird Neues finden. Um neue Wege zu gehen, braucht man Mut und Kraft. Voraussetzung dafür ist Vertrauen. Deshalb birgt jede Krise die Chance zu einem Neuanfang in sich. Statt sich einfach impfen zu lassen, ist es oft besser, sich selbst zu prüfen und seine persönliche Kulturrevolution zu starten: vom Erdulder zum Gestalter des eigenen Lebens.

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Warum ich mich nicht impfen lasse

Andacht zu Sprüche 3,3-4

“Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen. Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen.”

Ihr Lieben, mit diesen beiden Versen, den Versen 3 und 4 aus den Sprüchen Salomos begrüße ich euch alle hier auf dem Siegener Kornmarkt.

Erinnert ihr euch noch? Vor rund zwei Jahren fingen die Leute plötzlich an Klopapier zu horten. Geschäftstüchtige Apotheker verkauften selbst hergestelltes Desinfektionsmittel zu 10 Euro pro Fläschchen. Zuerst schlossen die Schulen, dann die Geschäfte. Schließlich wurden Grenzen dicht gemacht. Wir setzten uns Stoffmasken auf oder trugen Schals über dem Gesicht – ich habe noch superschöne, handgemachte Masken aus England.

Am 11. März 2020 rief die WHO eine Pandemie aus, und es folgten Apelle an die Solidarität. Aber heute stehen wir vor einem Scherbenhaufen: übelste Beleidigungen, Beschimpfungen, Ausgrenzungen und drohende Impfpflichten haben die Gesellschaft verroht und gespalten. Hass gegen Andersdenkende wird sogar auf Kanälen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geschürt. Zum Beispiel so: nicht Geimpfte sind wie ein eitriger Blinddarm, den man wegschneiden muss.

Heuchelei und Doppelmoral sind die neue Political Correctness. Wer sich nicht beugt, nicht mitmacht, der muss eben die Konequenzen tragen. Von Freundlichkeit und Klugheit keine Spur.

Morgen ist Valentinstag. Die Historiker tun sich schwer mit einer Biografie des heiligen Valentins; und vielleicht ist die Geschichte seines Lebens und seiner Taten eher Legende als Tatsache. Aber was von ihm überliefert wird, hat theologisch mehr als einen wahren Kern.

Im Rom des 3. Jahrhunderts, ergriff Kaiser Claudius Maßnahmen, die sicherstellen sollten, dass die Nation mächtig und der Staat wehrhaft blieb. Eine starke Armee war dafür die Voraussetzung, und deshalb sollten junge Männer ihr persönliches Glück und ihre eigene Lebensplanung hinter die Interessen der politischen Gemeinschaft stellen. Niemand war verzichtbar, alle zählten und deshalb verbot Claudius kurzerhand Verlobungen und Ehen.

Der Heilige Valentin erkannte die Ungerechtigkeit dieser Verordnungen und hielt sich nicht daran. Ihm war das christliche Doppelgebot der Liebe wichtiger. “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft”, und “du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” Valentin ließ sich nicht beirren. Er wusste, Gott selbst hatte den Bund der Ehe gestiftet, und deshalb entsprach er weiterhin den Wünschen der Liebespaare nach dem Ehesegen. Am Ende kostete ihn das den Kopf. Aber auch der Kaiser kam nicht ungeschoren davon: er verstarb kurz darauf an den Pocken.

“Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen.”

Ihr Lieben, der Valentisnstag ist noch immer eine feste Größe im Kalender. Aber an den Kaiser Claudius mit Beinamen Gothicus erinnert sich kaum noch jemand. Valentin beherzigte die Gebote Gottes, folgte seinem Gewissen und handelte freundlich und klug. Claudius hingegen verließ sich auf seine Macht und seinen Verstand. Menschenleben bedeuteten ihm nicht viel. Er handelte gemein und arrogant.

Auch hier und heute haben wir die Wahl, wir können es halten wie Valentin, oder wir können es halten wie Claudius. Wir können auf unser Herz hören oder uns von irgendwelchen Theorien, Inzidenzen und vermeintlich rationalen Weltanschauungen blenden lassen.

Seien wir klug, machen wir es wie Valentin.

Segensbitte

Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, segne uns und behüte uns, lass wachsen und reifen, was du selbst in unser Herz gelegt hast, und bewahre uns im Frieden. Amen.

>>> Valentinstag

Wenn ich mir etwas nicht verabreichen lassen will, ganz egal um welche Art von Präparat es sich dabei handelt, dann muss ich das nicht weiter begründen; insbesondere muss ich keine Studien beibringen, welche eine Bedenklichkeit des zu verabreichenden Mittels attestieren. Mein Nein reicht! Das zu akzeptieren gehört zu den Spielregeln unseres menschlichen Miteinanders. Die Bundesregierung hat nun angekündigt, sich an diese Spielregeln nicht mehr halten zu wollen, und sie beruft sich auf eine vermeintliche oder tatsächliche Mehrheit der Bevölkerung, die das genauso sieht. Aber ist es damit getan: der alte Konsens ist tot, es lebe der neue?

Liebe Leser, die wenigsten von uns sind Virologen oder Epidemiologen. Aber das gilt auch für die Politiker, die darüber entscheiden. Wir alle können uns sachkundig machen und eine Meinung vertreten. Es hat auch jeder seine Lebensgeschichte, seine Erfahrungen im Umgang mit Krankeit und Schmerz, seine Weltanschauung, seine Grundüberzeugungen und so weiter.

Bei der Diskussion über die Corona-Maßnahmen und ganz besonders über die Impfpflicht sind neben der medizinischen Fachdiskussion all diese Dinge relevant. Es gibt Leute, die generell der Schulmedizin gegenüber skeptisch sind, andere sehen die politische Dimension: Impfpflicht heute, Patientenregister und BMI-Klausel morgen. Es gibt so viele Aspekte, die zu bedenken sind, dafür jedoch erstaunlich wenig Toleranz. Die einen haben Angst vor dem Virus, die anderen Furcht vor der Therapie. Meines Erachtens ist es völlig falsch, alle auf eine Herangehensweise verpflichten zu wollen. Was ist aus dem Zusammenhalt am Anfang der Pandemie geworden? Was würde die Durchsetzung der Impfpflicht aus der heute schon verunsicherten Gesellschaft machen?

Mein Vorschlag: wir alle setzen uns für mehr Zusammenhalt ein, und das setzt mehr Freiheit voraus. Durch Zwang erreicht man nur mehr Widerstand.

Fakt ist: mit der drohenden Einführung der allgemeinen Impfpflicht geht ein neues Menschenbild einher. Noch immer leitet sich die Unverletzlichkeit und Würde des Einzelnen nicht von seinem Wert oder Beitrag für die Gesellschaft ab, weshalb die Gesellschaft stärker in der Pflicht ist, die Unverletzlichkeit und Würde des Einzelnen zu schützen als umgekehrt. Doch dieser Konsens ist brüchig geworden. Politiker fast aller Parteien argumentieren inzwischen, der Einzelne habe eine größere Bringschuld der Gesellschschaft gegenüber als andersherum. In der Konsequenz würde das bedeuten, dass die Unverletztlichkeit und Würde des Einzelnen von seinem Wert und Beitrag für die Gesellschaft abhinge. Ein kompletter Paradigmenwechsel!

Wenn der Einzelne stärker für die Gesellschaft in die Pflicht genommen werden soll, muss zunächst die Frage geklärt werden, welche Ansprüche der Einzelne gegenüber der Gesellschaft hat. Sonst muss ein solches Unterfangen scheitern. Welche neuen Spielregeln sollen gelten? Wie wollen wir in Zukunft leben? Die Einführung einer Impfpflicht ist ein Politikum, und ohne breite und tiefe politische Diskussion kann es keine Impfpflicht geben. Alle Karten müssen vorab auf den Tisch, und keinesfalls kann ein solcher Paradigmenwechsel durch Lockdowns und den Ausschluss ganzer Bevölkerungsgruppen erzwungen werden. Viele haben dafür ein gutes Gespür, und sie machen ihren Protest sichtbar, so auch in Siegen.

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen Montag für Montag auf die Straße gehen, auch in Siegen. Ein Querschnitt durch die Bevölkerung, jüngere, ältere, Kinder und Senioren, Frauen und Männer, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund; alle politischen Farben sind erkennbar. Es eint uns die Erfahrung, als Nicht-Geimpfte kaum noch Gehör zu finden und sofort in die Schwurbler-, AfD- und Verschwörungsecke gestellt zu werden. Geradezu widerlich ist der Versuch von Organen wie der Siegener Zeitung, uns Demonstranten, die wir ja so divers sind, als AfD-Mitläufer, III.-Weg-Sympathisanten oder verkappte Nazis zu verleumden, denn das relativiert die Verbrechen der Nationalsozialisten, und zwar nicht zu knapp.

Zum Abschluss noch ein persönliches Wort: Viele kommen derzeit an den Rand ihrer Möglichkeiten. Gegenwind ist okay, aber der Respekt vor dem Menschsein sollte nie fehlen. Sonst begeben wir uns auf das Niveau von Organen wie der Siegener Zeitung. Hass und Hetze sind aber niemals die Lösung egal welcher Probleme.

Vergessen wir die hündische Presse, vertrauen wir auf unsere eigene Intuition. Streiten wir für eine plurale und offene Gesellschaft, in der man Weltanschaungen sowohl ablehnen als auch teilen darf.

Nieder mit dem Opportunismus!

Wer nicht Nein sagen kann, dessen Ja ist wertlos.

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