Opposition darf nicht extrem sein, sonst bringt sie extremen Widerstand hervor. Sie muss auf die Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten der Menschen setzen.

Opposition kann fundamental, sie auch radikal sein. Aber sie muss dennoch konstruktiv sein, sonst wird daraus Verweigerung oder «Systemopposition», kurz: Extremismus. Dafür bin ich nicht zu haben, denn das widerspricht meiner sozialkonservativen Grundüberzeugung.

Mit der AfD wird es keine Veränderung geben, denn die Partei ist extrem und unfähig Bündnisse zu bilden. Der Rauswurf der AfD aus der ID-Fraktion (Identität und Demokratie) des Europaparlaments veranschaulicht das gut. Die AfD war mal eine gute Antwort auf die vermeintliche Alternativlosigkeit der Merkeljahre. Heute ist sie eine Partei, die mit Ressentiments spielt.

Mein Ziel ist Wiederherstellung einer liberalen Gesellschaft, die sich allerdings ihrer Herkunft und Wurzeln bewußt ist, und in der konservativ denkende Menschen selbstverständlich ihren Platz haben. Extreme Politik, die wie eine Axt an Gefüge der Gesellschaft liegt, haben wir seit 2015 lange genug erlebt. Ich möchte nicht noch mehr extreme Politik, nur anders, sondern Normalität und Interessenausgleich.

Veränderung ja, Umsturz nein. Die gesammelten Erfahrungen früherer Generationen will ich nicht über den Haufen werfen. Der Staat, um es mit Edmund Burke zu formulieren, ist kein Stück weißes Papier, auf das man kritzeln kann, was man will. Deshalb bin ich auch ein strikter Gegner der Grünen!

Bei aller Verschiedenheit, wenigstens die große Mehrheit der Menschen muss sich mit dem Staat identifizieren können, sonst hat er ein Legitimationsproblem.

Die WerteUnion und ich haben nicht sofort zueinander gefunden. Ich wollte mir erst sicher sein. Aber schließlich habe ich schon als Freier Wähler die abendländischen Werte und das christliche Menschenbild mit seinem stimmigen Verhältnis von Gemeinschaft und Unabhängigkeit geschätzt.

Identität und Freiheit

Ich hatte mir geschworen, keiner Partei mehr beizutreten. Aber inzwischen ist auch bei mir angekommen, dass wir uns Mitten in einem Kulturkampf befinden. Die abendländischen Werte, Familie, Identität und die Betonung von Freiheit, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit habe ich schon als Freier Wähler hochgehalten. Heute gilt es, diese Errungenschaften zu verteidigen.

Ich schließe mich daher der WerteUnion an, weil das eine Teamaufgabe ist.

Politik wieder vom Menschen her denken

Die SPD, das war mal Klassenkampf und kleine Leute, und sie hatte ihren Platz in der Geschichte. Später versuchte die CDU, die SPD überflüssig zu machen, fast erfolgreich. Blöd nur: Die CDU hat mit den neu hinzugewonnenen SPD-Wählern und Mitgliedern dieser Partei auch kollektivistische Ideen übernommen, und die passen nicht mehr in die Zeit. Jetzt wird die CDU zur Rolle rückwärts getrieben. Ob das aber gelingt?

Das Menschenbild zählt

Mein Eindruck ist: Die Leute sind die wendigen Karrierepolitiker, die heute dies und morgen das verkünden, leid. Nach meinem Dafürhalten stimmt bei der CDU das Menschenbild nicht mehr, deshalb habe ich mich für die WerteUnion entschieden, eine Partei, die noch im Aufbau ist. Das zeitlos gültige christliche Menschenbild gilt in der WerteUnion noch was, und in dieser Partei möchte ich dazu beitragen, dass Politik wieder vom Menschen und nicht von vermeintlichen Sachzwängen her gedacht wird.

Gemeinschaft und Unabhängigkeit

Zum Menschsein gehört Gemeinschaft, Familie, Freunde, auch der Staat und die Gemeinschaft in Europa, aber auch persönliche Freiheit und Unabhängigkeit gehören dazu: Wenn der Staat mir Moral und Lebensweise vorschreiben will, dann stimmt etwas nicht: Autoritäre Strukturen, egal ob von links, rechts oder aus der Mitte heraus, sind mir schon immer verhasst gewesen. Aus diesem Grund käme auch die Mitgliedschaft in der AfD für mich nicht in Frage – von Ausgrenzeritis halte ich aber ebenfalls nichts: Wem nützt das?

Für Ideen werben

Letztlich kann man nur für seine Ideen werben. Wofür sich die Gesellschaft am Ende entscheidet, bleibt abzuwarten. Aber für die persönliche Freiheit und die Freiheit, seine politischen Interessen zu vertreten, lohnt es sich allzumal einzustehen.

Schade, dass in Freudenberg im Zeitgeschehen so einseitig über die Corona-Zeit berichtet wird. Sogar für ein richtiges Schauermärchen ist Platz.

So schlimm?

Gestern bekam ich das Magazin «Freudenberg im Zeitgeschehen» in die Hände. CDU-Urgestein Bernd Brandemann beschrieb darin auf vielen Seiten, dass – so wie die ganze Welt – auch Freudenberg nur mit knapper Not, aber wegen des klugen und umsichtigen Handelns der politisch Verantwortlichen am Ende erfolgreich der schlimmen Bedrohung durch die schreckliche COVID-19-Pandemie widerstanden habe. Kronzeuge war dem CDU-Mann der amerikanische Präsident Joe Biden, der erklärt hatte, Corona habe in den USA größere Lücken in die Familien gerissen als beide Weltkriege und der Vietnam-Krieg zusammen: ein Schauermärchen!

Ein Schauermärchen!

Was soll der Bezug auf Biden? Geht es darum, das Virus als größten Killer der jüngeren Geschichte erscheinen zu lassen? Die Sterbefallzahlen geben das jedenfalls nicht her! Auch in Bergamo waren die Sterbefälle nicht höher als bei manch anderer Grippewellen in Italien, und außerdem: Wer auch nur annähernd eine Vorstellung davon hat, wie viele gefallene Soldaten und getötete Zivilisten in den beiden Weltkriegen zu beklagen waren, besonders in Europa, wie viele Eltern ihre Söhne betrauern mussten, und wie viele Familien alle männlichen Nachkommen verloren, der kann über so einen Text nur angewidert den Kopf schütteln.

Auf Parteilinie

Offenbar ging es Bernd Brandemann darum, kritische Nachfragen erst gar nicht aufkommen zu lassen: Den Impfstoff, der nachweislich weder vor Ansteckung noch vor Übertragung schützt, bezeichnet er als hochwirksam. Beim Lesen seines Artikels bekommt man den Eindruck, das Handeln seiner Parteifreunde und später der Ampel war alternativlos. Man kennt das von der CDU.

Es ist ein politischer Text mit ein paar schlecht eingeordneten Zahlen aus der Stadt Freudenberg und dem Kreisgebiet. Das macht ihn zwar zu einem Zeitdokument, aber nicht so, wie sich die Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine das vorgestellt hat. Es ist ein Dokument der Ignoranz und des Beharrens auf einer einmal vorgegebenen Parteilinie, denn die Partei hat schließlich immer recht.

Die AfD ist keine Partei, in die ich passe. Sie hat sich von einer mündigen Partei zu einem rechtsautoritären Sammelsurium entwickelt.

Unmut gegen die liberale Demokratie

Aus dem Unmut gegen die Politik der CDU ist mit der Zeit ein Unmut gegen die liberale Demokratie geworden. Das hat sich auch gezeigt in der raschen Abfolge der Parteivorsitzenden. Von Bernd Lucke bis zu Alice Weidel und Tino Chrupalla hat sich die AfD von einer kritischen, weil mündigen Partei in Richtung eines rechtsautoritären Sammelsuriums von völkischem Denken, esoterischen Verschwörungstheorien und sozialdarwinistischen Auslese-Gedanken entwickelt.

Empfängliche Wählerschicht

Bestimmt gibt es eine dafür empfängliche Wählerschicht, die um die 20% beträgt, aber mir als lutherischem Christ ist all das völlig fremd: Die AfD ist keine Partei, in die ich passe.

Keine Partei, in die ich passe

Meine politischen Überzeugungen sind prodemokratisch, prowestlich, proeuropäisch und sozialkonservativ im Sinne eines vom christlichen Menschenbild geprägten Konservatismus, der sich der Verantwortung gegenüber den gesellschaftlich Benachteiligten bewusst ist. Ich spiele gesellschaftliche Gruppen nicht gegeneinander aus und ich strebe keine Meinungsführerschaft und keinen politischen Umsturz an. Ich setze auf Pluralismus und die Kraft der Rede und Gegenrede. In der AfD stünde ich damit auf verlorenem Posten.

Parteien geht es um Prozente

Mit Simone Weil teile ich die Kritik an der Parteiendemokratie: Parteien geht es um Prozente, und der Einzelne muss sich dem Druck des Teams beugen. Mir ist die Persönlichkeit wichtiger: Der Einzelne entscheidet sich aufgrund seiner Lebensgeschichte und gewachsenen Überzeugungen dafür, sich einer gemeinschaftlichen Interessensvertretung anzuschließen. Das ist ein liberaler Gedanke.

Die Freiheit des Einzelnen nur mit Vorsicht beschneiden

Zum Schluss, um das zuvor geschriebene zusammenzufassen: Ich wehre mich gegen die Forderung der AfD nach einem «reformierten», d. h. gefälligerem Christentum, womit sich der von mir kritisierte autoritäre Charakter der AfD erneut zeigt. Ich möchte bei meinen lutherischen Leisten und dem typischen Realismus bleiben: Der Gesellschaft ist am ehesten gedient, je vorsichtiger man die Freiheit des Einzelnen beschneidet. Im Zweifel für die Freiheit.

Last year, I made a trip to Neustadt in Rhineland-Palatinate. The town is closely associated with Hambach Castle, a symbol of German democracy.

Kloster Neustadt

I stayed at Kloster Neustadt, a monastery of the Priests of the Sacred Heart of Jesus. 

Downtown Neustadt

Outer white, brown inside?

German conspiracy theorists, all dressed in white, had previously flocked the streets of Neustadt and claimed to be the only true heirs of democracy.  

Walking tour to Hambach Castle

COVID-19: bitter rows

In the early 2020s, there were bitter rows about COVID-19 vaccination in Germany. While some recklessly accused the press of lying (Lügenpresse), others maintained that there was only one truth, and the press had to teach it. Freedom of the Press was challenged from two sides, not only from one, as the exhibition at Hambach Castle suggests.

Final impression

Democracy is not all over in Germany, but there’s change on the horizon.

Die einen fordern ein AfD-Verbot, die anderen wollen die Regierung hinter Gittern sehen: Extremisten und Verschwörungstheoretiker werden immer lauter. Wer querdenkt, ist ein Nazi, wer sich gegen Nationalismus und Verschwörungsdenken ausspricht, ist gehirngewaschen. Immer geht es darum, Menschen zu stigmatisieren, auszuschließen oder gar loszuwerden.
Es ist an der Zeit, Nein zu sagen und zu Widerstand und Zivilcourage aufzurufen.

Unsere gesamte Gesellschaft befindet sich schon seit längerem in einem tiefgreifenden Wandel. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir in Deutschland alle zusammen eine enorme Integrationsleistung erbracht. Menschen aus vielen Ländern sind aus den unterschiedlichsten Gründen zu uns gekommen und haben hier in der Regel eine gute Aufnahme und neue Heimat gefunden. Während der Corona-Zeit zerfiel die Gesellschaft dann in zwei Lager. In der Ukraine herrscht Krieg, und die Regierung in Berlin beansprucht plötzlich moralische Autorität.

Angst vor Fremdbestimmung

Angesichts all dessen ist es kein Wunder, dass sich in letzter Zeit immer mehr Bürgerinnen und Bürger quer durch alle sozialen Schichten, ungeachtet aller Parteizugehörigkeiten und sonstigen weltanschaulichen Festlegungen nach ihrer eigenen Identität und ihrem Platz in der Gesellschaft und in der Welt fragen: Unsicherheiten werden deutlich; manche äußern Angst vor Überfremdung und Fremdbestimmung.

Menschliches Zusammenleben und ein demokratisches Gemeinwesen können nur gedeihen, wenn über Meinungsverschiedenheiten auch hart gerungen werden kann.

Sprachliche oder gar körperliche Gewalt und alles, was die Würde eines Menschen, gleich welcher sozialen Stellung, Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung in Frage stellt oder herabsetzt, dürfen dabei allerdings keinen Platz haben.

Widerstand gegen Extremismus ist kein linkes Projekt

Weder ersetzt man so Argumente, noch trägt man so zur Lösung irgendwelcher Probleme bei; im Gegenteil: man schafft so nur neue.

In einer Gesellschaft, die Gewalt, Diskriminierung und das Recht des Stärkeren duldet, will bald niemand mehr leben. Daher muss es in unser aller Interesse liegen, dass jeder von uns an seinem Platz und mit seinen Möglichkeiten extremistischen Tendenzen gleich welcher Art entgegenwirkt.

In einem Land wie dem unseren, mit unserer Geschichte, unseren jüdisch-christlichen und auch humanistischen Wurzeln, ist Widerstand gegen Extremismus kein linkes Projekt, sondern eine Sache aller Bürgerinnen und Bürger.

Annette Kurschus richtete stets hohe moralische Erwartungen an andere. Sich selbst daran messen lassen, wollte sie sich nicht. Als sie Farbe bekennen sollte, wich sie erst aus und schmiss dann trotzig hin. Ein theologischer Nachruf.

Wie die meisten, bin ich nur Beobachter des sukzessiven Abgangs von Kirchenchefin Annette Kurschus gewesen, aber kein stiller. Ich habe das auf Facebook mehr als einmal kommentiert, und das war mir ein Bedürfnis.

Chefinnensache

Politisch hat Annette Kurschus stets klare Ansagen gemacht. Als Christ müsse man geimpft sein, sich an Klimastreiks beteiligen und sich gegen eine Obergrenze für Asylbewerber aussprechen. Bei der Aufarbeitung von Missbrauch in ihrer Amtskirche und dem Sozialkonzern Diakonie solle es « kein Zögern und keine Rücksichtnahme mehr » geben. Das sei jetzt Chefinnensache.

Zurückhaltend in Glaubensfragen

Zurückhaltend war sie, wenn es um Glaubensfragen ging: « Ihr Glaube kenne auch Dürrezeiten. » Einen Glauben, der sich zu stark auf das Wort konzentriere, nannte sie belastend und unfrei. Ihr Gottesbild war starr: « Ich glaube, dass Gott die Erde ins Leben gerufen und den ungeheuren Prozess der Evolution in Gang gesetzt hat. » Der Mensch sei heute ein « verantwortliches Gegenüber » Gottes und nutze die Möglichkeiten der Vernunft und des Verstandes, um seine Dinge weitestgehend allein zu regeln.

Das ist zumindest nicht mein Glaube, nicht der Glaube, den ich als lutherischer Christ bekenne.

Es galt allein ihr Wort

Frau Kurschus hat damit breite Außenwirkung erzielt. Sie hat für sich in Anspruch genommen, für die Christen (« wir Christen »), also für alle Christen zu reden, allerdings hat sie mich und die vielen anderen in und außerhalb ihrer Kirche nie danach gefragt. Es galt allein ihr Wort. Aber als man sie beim Wort nahm, zur Erinnerung: « kein Zögern und keine Rücksichtnahme mehr », da reagierte sie trotzig und wütend, sprach von einer Medienkampagne und sagte, sie sei mit sich selbst im Reinen.

Impfen als göttliches Gebot

Ich habe mich von Frau Kurschus nie vertreten gefühlt, und das nicht nur, weil ich nicht ihrer Kirche angehöre. Es hat mich geärgert, als sie in der Corona-Zeit Stellungnahmen raushaute wie: « Impfen ist eine Pflicht aus christlicher Nächstenliebe heraus » und dann noch gleich hinzufügte: Wer mit religiösen Motiven gegen die Impfung argumentiere, missbrauche, « was Gott den Menschen zugesagt und was er aufgetragen hat ». Impfen war also Gottes Gebot, und ich damit ein Ketzer.

Das Gegenteil des christlichen Glaubens

Ich denke, Frau Kurschus ist widerfahren, was sie selbst heraufbeschworen hat. Ein blut- und inhaltsleeres Evangelium, das einen fernen Gott verkündet, der gelegentlich mal nachschaut, was aus seiner Evolution geworden ist, halte ich für das Gegenteil des christlichen Glaubens. Ich bin froh, mir all die Tipps und Ansagen zu meiner Lebensführung, die der wundersamen Theologie von Frau Kurschus entsprungen sind, nicht mehr anhören zu müssen.

Ich bin froh, dass sie weg ist.

Die Bubble der Siegener Verschwörungstheoretiker hatte es letzte Woche heftig auf mich abgesehen: Anschuldigungen, die Intellektuell und sprachlich sehr zu wünschen übrig ließen, mischten sich mit viel Wichtigtuerei und Eigenlob. Daher hier ein paar Zeilen wider die Verschwörungstheoretiker.

Einerseits könnte ich mich geehrt fühlen, denn die Bubble der Verschwörungsgläubigen, die im Telegram-Kanal « Siegen steht auf » so mächtig Dampf ablassen, nimmt heftig Anstoß an meiner Person und meinem Wort. Andererseits müsste ich pikiert sein, denn sie tut so, als ob ich jemals dazugehört hätte. Das stimmt aber nicht. Darauf lege ich Wert, zumal deren Gebaren inzwischen sehr primitiv ist. Mich halten sie mit meiner nüchternen Art längst für einen Psychopathen. Aber was im Leben zählt, ist die Orientierung nicht zu verlieren.

Immer wieder trifft man auf Menschen, denen es an Selbstbewusstsein mangelt, mit Niederlagen umzugehen. Man kann nicht immer recht behalten. Sich dann abzukapseln und zu radikalisieren ist der falsche Weg.

Es war richtig, gegen die aggressiven Corona-Beschränkungen auf die Straße zu gehen, und es war richtig, damit aufzuhören als es vorbei war. Als ich mich an den Siegener Protestaktionen beteiligte, gab es keine « Führer », und als sich dann welche dazu aufschwangen, war es zu Ende. Die Behauptung, ich und viele hundert andere Kritiker der Corona-Beschränkungen seien jemals Teil der Verschwörungstheoretiker-Bubble gewesen, ist reines Wunschdenken, denn der Vergleich der Zahlen von damals und heute zeigt: Das kleine Häuflein Verschwörungstheoretiker lief zwischen uns, der vernünftigen Mehrheit mit.

Verschwörungstheorien sind wie Fäulnis. Sie zerstören Vertrauen und zerfressen den sozialen Zusammenhalt. Deshalb manöverieren sich Verschwörungstheoretiker vor allem selbst in die Isolation: seelisch, moralisch und politisch. Längst haben sich sektenähnliche Strukturen herausgebildet. Deshalb sind Distanz und Widerspruch wichtig, gerade in der heutigen Zeit.

Die Zwietracht, die sie säen, richtet sich neuerdings auch auf Israel: Die dortige Regierung soll aktiv an dem Massaker vom 7. Oktober mitgewirkt haben, um den Vorwand für einen Völkermord an den Palästinensern zu konstruieren. Das Beispiel zeigt: In der Bubble der Verschwörungsgläubigen ist man längst so geworden wie jene, auf die man mit Fingern zeigt.

Dabei will ich es bewenden lassen. Kein Blick zurück im Zorn, einfach das Fazit: Verschwörungstheoretiker sind nie das Gros der Maßnahmenkritiker und Gegner des Impfdrucks gewesen. Im Gegenteil! Sie haben versucht, die Mehrheit mit ihren krausen Theorien zu infiltrieren. Ohne die Mehrheit sind sie bedeutungslos und radikalisieren sich immer weiter.

Jeder, dem es nicht gelingt, aus dieser Bubble auszusteigen, wird Schaden nehmen.

Nachtrag

Zwischenzeitlich (am 20. Dezember 2023) ist in der Siegener Zeitung ein Interview mit Bernd Scholz, dem scheidenden Polizeichef des Kreises Siegen-Wittgenstein erschienen. Scholz nimmt darin auch Stellung zur polizeilichen Arbeit von vor zwei Jahren. Die Teilnehmer an den Montagsdemos seien damals überwiegend normale Menschen gewesen: « keine Schwurber oder Aluhutträger. » Genau das habe ich oben auch so beschrieben. Heute nimmt kaum noch jemand von damals an den völlig anders gearteten und auf wenige Teilnehmer geschrumpften Demos teil.

Wenn man das Grundrecht auf Asyl erhalten möchte, und ich will das!, muss man es vor Missbrauch schützen: Massenimmigration und Asylrecht haben nichts miteinander zu tun. Wenn es nach mir ginge, würde beides auch strikt voneinander getrennt.

Ginge es nach mir, gäbe es ab morgen kein Spontanasyl mehr (also ins Land kommen, das Zauberwort « Asyl » aussprechen und für lange Zeit bleiben). Ich würde strengere Voraussetzungen für den Familiennachzug schaffen (mehrere Ehefrauen gehen gar nach meinem Dafürhalten gar nicht).

Ich würde verpflichtende Integrationskurse einführen und den Aufenthaltsstatus von der regelmäßigen Teilnahme abhängig machen. Eine frühzeitige und verpflichtende Teilnahme am Arbeitsmarkt würde ich ebenso einführen wie eine Kindergartenpflicht (halte ich für sehr wichtig!) für Kinder von Asylbewerbern. Wer sich illegal im Land aufhält, hat keinen Anspruch auf staatliche Leistungen und muss das Land verlassen. Wenn illegale Immigranten ihre Herkunft verschleiern oder aus anderen Gründen nicht abgeschoben werden können, z. B. weil es kein Rückführungsabkommen gibt, dürfen sie Asylbewerbern nicht gleichgestellt werden. Niemand darf mit illegalen Mitteln einen legalen Status erzwingen dürfen. Wer illegal ins Land kommt, für dessen Lebensunterhalt ist der Staat nicht verantwortlich.

Keine Gesellschaft kann unbegrenzt Menschen von außerhalb aufnehmen. Auffangzentren außerhalb Europas halte ich aus verschiedenen Gründen für unmöglich und auch nicht wünschenswert. Schon der Türkei-Deal war ein Fehler. Diktatoren wie Recep Tayyip Erdoğan dürfen in der deutschen Asylpolitik keine Mitsprache haben. Man kann Asylverfahren auch nicht einfach outsourcen. Aber man kann verlangen, dass sich Asylbewerber zunächst bei den Konsulaten und Botschaften melden, persönlich oder bei Gefahr für Leib und Leben auch auf anderem Wege. Dann weiß man auch, wer sie sind und woher sie kommen.

So würde ich das machen. Wer hat andere Vorschläge?

Ich war angenehm überrascht, dass der Südkurier sich noch mal mit uns Kandidaten befasste, denn jede Geschichte hat ihren Epilog. Folgende Mail fand ich in meinem Postfach:

« Lieber Herr Beel,

wahrscheinlich wundert es Sie, nochmal von mir zu hören. Mit ein bisschen Abstand zur Stockacher Bürgermeisterwahl wollten wir nochmal ein kleines Update dazu machen, wie es den Kandidaten jetzt geht. Ich würde mich freuen, wenn Sie mitmachen. Dazu schicke ich Ihnen folgende Fragen:

(…)

Da ich am Wahltag bereits Urlaub hatte, und mich nicht persönlich verabschieden konnte, möchte ich diese Gelegenheit auch nochmal nutzen, um mich für den freundlichen Kontakt und die angenehme Zusammenarbeit im Rahmen unserer Berichterstattung über die Wahl zu bedanken. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute.

Viele Grüße aus Stockach

Dominique Hahn»

Sehr geehrter Herr Hahn,

es freut mich wirklich, dass Sie nachfragen. Immerhin haben wir alle, ob Gewinner oder Verlierer, was aus Stockach mitgenommen und was dagelassen. Frau Katter wird dies nun auch weiterhin tun.

Gerne beantworte ich Ihre Fragen:

Wie geht es Ihnen nun gut zwei Wochen nach der Bürgermeisterwahl in Stockach und wie beurteilen Sie das Wahlergebnis im Rückblick?

Der Alltag hat mich wieder. Das Ergebnis ist sehr eindeutig: Stockach hat eine Verwaltungsfachkraft gesucht und bekommen. An dieser Stelle noch mal meinen herzlichen Glückwunsch an Frau Katter. Beurteilen möchte ich das Wahlergebnis nicht, denn ich wohne nicht in Stockach und ziehe aufgrund des Ergebnisses auch nicht dorthin.

Wie geht es nun für Sie weiter, wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Wollen Sie weiter versuchen Bürgermeister zu werden?

Ich freue mich, die Herausforderung angenommen zu haben. Eine Kandidatur andernorts schließe ich derzeit zwar nicht aus, strebe aber auch keine an. Stockach war wohl ausgewählt. Ich hatte die Chance, mit der Kandidatur in Stockach meinen privaten Horizont zu erweitern und mein politisches Profil zu schärfen. Das hat mir gutgetan. Vielleicht ist jemand auf mich aufmerksam geworden. Das wird sich in naher Zukunft zeigen.

Was haben Sie aus der Bürgermeisterwahl in Stockach gelernt?

Ich habe gelernt, dass Selbstvertrauen wichtiger ist als ein Wahlsieg. In diesem Sinne habe ich das Maximale erreicht: Wer für seine Überzeugungen eintritt, gewinnt immer.

Wie werden Sie Stockach in Erinnerung behalten?

In guter Erinnerung. Ich freue mich über alle Kontakte, die mir erhalten bleiben. Jeder einzelne ist eine Bereicherung.

Auch ich bedanke mich für die netten Begegnungen mit Ihnen und Ihre Fairness.

Mit freundlichen Grüßen,
Rainer Beel