Vom Murren und dem Evangelium

Predigt über Apostelgeschichte 6, 1–7

Kanzelgruß

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt, unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Gebet

Keiner ist perfekt, auch wir nicht, Herr. Hilf uns das zu bedenken, und lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens vor dir, HERR, mein Fels und mein Erlöser. 

Amen.

Keiner ist perfekt

Liebe Gemeinde,

wir sind nicht perfekt, keiner von uns, und deshalb sind wir auch als Gemeinde nicht perfekt. Das ist nicht schlimm, sondern der Normalfall.

Wenn wir aber im zweiten Kapitel der Apostegeschichte lesen, wie es in der ersten Gemeinde lief, dann kommen wir ins Grübeln: Es geschahen Zeichen und Wunder, alle waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.

Auf der Uni nannten das einige “Urkommunismus” – und den Begriff fand ich damals schon daneben, denn wir Menschen sind nicht so, dass Kommunismus funktionieren kann. Darauf komme ich aber später noch mal zurück.

Hand aufs Herz, eine Gemeinschaft, in der alle ein Herz und eine Seele sind: Kennt die Jemand? Ich kenne nicht mal eine Familie, in der kein böses Wort fällt und alles geteilt wird, und eine Kirchengemeinde, in der Gottes Geist so wirkt, dass aller Streit schon im Keim erstickt wird, die kenne ich auch nicht.

Bevor ihr mir nun vorwerft, hier auf der Kanzel Bibelkritik zu betreiben, von wegen so eine zuckersüß beschriebene Gemeinde gibt es gar nicht, möchte ich euch den heutigen Predigttext vorlesen. Er findet sich ebenfalls in der Apostelgeschichte, aber er findet sich etwas später, im 6. Kapitel und ist Überschrieben “Die Wahl der sieben Diakone”. Ich finde, das passt und lese die Verse 1 bis 7:

In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern aus eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beharrlich bleiben im Gebet und im Dienst des Wortes. Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

Keiner ist perfekt: Das Gesetz hält uns einen Spiegel vor

Liebe Brüder und Schwestern,

in diesem Text begegnet uns schon im ersten Satz ein Wort, das uns einerseits einen Spiegel vorhält und das für uns andererseits fast tröstlich ist: das Wort “Murren”.

So eiapopeia ging es also doch nicht zu in der ersten Gemeinde. Sie war gewachsen, und mit der Zeit ware es zwangsläufig zu Problemen gekommen, zu unterschiedlichen Vorstellungen, kulturellen Differenzen und was man sich so vorstellen kann: Es gab dort hebräische und griechische Juden, Einheimische und Rückkehrer aus der Diaspora. Es wurde im wahrsten Sinne des Wortes nicht immer dieselbe Sprache gesprochen, und ganz so ein Herz und eine Seele war man inzwischen auch nicht mehr: Die Witwen der griechischen Juden wurden beim Austeilen des Essens übersehen. Ausgerechnet die Witwen, die Schwächsten, die keine Absicherung hatten, die auf die verlässliche Austeilung des Essens angewiesen waren.

Pfarrer Wittenberg hatte mich gebeten, auch mal über Gesetz und Evangelium zu predigen. Bei den ersten beiden Predigttexten fand ich aber keinen Aufhänger. Bei diesem schon, denn bei den Meinungsverschiedenheiten und Ungerechtigkeiten, von denen wir hier lesen, begegnen wir dem Gesetz, und das Gesetz kommt uns nicht mit Eiapopeia vom Himmel, sondern hält uns unbarmherzig einen Spiegel vor. Es zeigt uns, wer wir wirklich sind: Sünder, und seien wir noch so geisterfüllt.

Die Kirche der Stunde Null war nicht besser und nicht schlechter als die Kirche heute. Das Anliegen Martin Luthers war es folglich nicht, uns zu besseren Menschen zu machen (das versuchten später die sogenannten Schwärmer und andere), sondern uns allen wieder das Evangelium neu vor Augen zu führen.

Das Gesetz deckt auf: Wo Menschen am Werk sind, und seien sie noch so wohlmeinend, da wird’s unschön: Oben, unten, Bevorzugung, Ablehnung und allerlei Ungerechtigkeiten schleichen sich ein. Damals wie heute! An dieser Stelle komme ich noch mal auf den angeblichen Urkommunismus, bzw. den Kommunismus an sich zurück: Wo der begonnen wurde, mit den besten Absichten vielleicht, endete er immer gleich: Stacheldraht, Unterdückung und Verbote. Es fehlte und fehlt den Kommunisten bis heute der vorgehaltene Spiegel: Der bessere Mensch war, ist und bleibt eine Illusion. Das ist den Aposteln völlig klar, und deshalb versuchen sie es erst gar nicht Strukturreformen, mit Supervision, wie man heute sagen würde, also mit mehr Kontrolle. Sie erkennen das eigentliche Problem: “Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen.” Was in der Gemeinde zu kurz kommt, das ist also die Predigt des Evangeliums, denn Wort und Tisch gehören untrennbar zusammen: Diakonie und Diakonat sind Frucht des Evangeliums.

Keiner ist perfekt: Das Evangelium befreit uns

Die befreiende Kraft des Evangeliums ist es, die unseren Blick weglenkt von uns selbst und unseren Unzulänglichkeiten und uns stattdessen aufschauen lässt zu ihm: zu Jesus Christus, unserem Erlöser, und unserem Herrn und unserem Bruder.

Das Evangelium ist die frohe Botschaft der bedingungslosen Gnade Gottes. Es ist die Zusage, dass Gott uns Menschen unsere Sünden vergibt und uns rettet, ohne dass wir uns das irgendwie erwerben können oder müssen.

Was bewirkt die befreiende Kraft des Evangeliums hier konkret?

Die Apostel rufen die Gemeinde zusammen und sagen: “Wählt sieben Männer aus eurer Mitte.” Gewählt werden daraufhin Stephanus, Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus. Alle sieben tragen griechische Namen. Die hebräische Mehrheit der Jerusalemer Gemeinde entscheidet sich also für sieben Rückkehrer aus der Diaspora. Das hätte auch anders ausgehen können. Die Mehrheit hätte auf ihr Recht bestehen und mehrheitlich hebräische Diakone wählen können: Das wäre Machtpolitik gewesen. Aber Machtpolitik ist nicht, was das Evangelium lehrt, im Gegenteil: Das Evangelium befreit von solchen Ansprüchen.

Den Murrern wird Verständnis entgegengebracht und Großzügigkeit erwiesen: “Ihr habt das Gefühl, zu kurz zu kommen? Okay, wir haben euch gehört und bieten euch an: Tragt Verantwortung und tragt dazu bei, dass in der Gemeinde Recht und Gerechtigkeit gegenüber allen herrsche.

Gottes Liebe und Gottes Gnade sind nicht begrenzt. Das Evangelium kennt deshalb keinen Mangel und keine Privilegien, also auch keinen Kampf darum: Niemand muss für seine Stellung vor Gott oder in der Gemeinde kämpfen. Im Evangelium wird vielmehr der Überfluss deutlich: Keine Angst, fürchtet euch nicht! Es kommt keiner zu kurz: Das ist doch wahre Befreiung, und diese Befreiung ermöglicht es, dem Ideal der anfangs beschriebenen Gemeinschaft näher zu kommen: Eine Gemeinschaft, in der alle ein Herz und eine Seele sind, und in der alle teilen, was sie haben.

Ist das an sich nicht schon ein Wunder?

Das Evangelium ist Freiheit in Aktion: Ihr habt keinen Mangel, deshalb vergesst euren Egoismus und eure Grabenkämpfe. In Christus seid ihr frei genug, um all das zu überwinden – noch nicht endgültig, aber immer wieder, jeden Tag aufs Neue. Das Evangelium heiligt diesen Alltag. Es adelt jede helfende Hand, jeden Besuch am Krankenbett und jeden Handgriff in der Gemeinde.

Die Apostel legen sieben Männern unter Gebet die Hände auf und segnen sie. Damit bezeugen sie: Wort und Tisch lassen sich nicht trennen. Predigt und praktische Diakonie gehen Hand in Hand. Für beides braucht man Männer “voll Geistes und Weisheit”.

Am Ende des heutigen Predigttextes folgt noch ein Paukenschlag: Wenn Gesetz und Evangelium, Wort und Tisch nicht vermischt werden, sondern sich in rechter Weise ergänzen, kommt es zu erstaunlichen Folgen. In Vers 7 heißt es: “Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß… Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.”

Merkt ihr was? Dort steht nicht: Kienbaum, eine Personal- und Unternehmensberatung wird uns schon die richtigen Tipps geben, die Supervision führt zu ersten Erfolgen. Dort steht: “Das Wort Gottes breitete sich aus.”


Der Streit war beigelegt, die durch das Gesetz aufgedeckte Ungerechtigkeit wurde durch die Liebe des Evangeliums geheilt. Das Wort hatte wieder freie Bahn, und es geschieht sogar ein Wunder: Jüdische Priester, die Tempelaristokratie, die Jesus ans Kreuz geliefert hatte, die härtesten Gegner der Urgemeinde, kapitulieren vor dieser Liebe. Sie sahen eine Gemeinschaft, die ihre Konflikte nicht mit Macht und Ausgrenzung löst, sondern mit Geist, Weisheit und Vergebung, und vielleicht war es das, was einige von ihnen zum Glauben brachte.

Schlussgedanke

Liebe Gemeinde, was nehmen wir heute mit nach Hause?
Ich habe meine dritte und letzte Predigt zur Segnung als Pfarrdiakon geschrieben und gehalten. Keiner ist perfekt, und wir sind keine perfekte Gemeinde. Unsere Strukturen gehören immer wieder auf den Prüfstand, und das Gesetz hält uns jeden Tag von neuem unsere Unzulänglichkeiten vor. Das Evangelium aber tröstet uns: Ihr müsst nicht perfekt sein, denn Christus ist es für euch!

Das Evangelium ist die befreiende Kraft, die uns ermutigt, nicht ängstlich auf unseren Mangel, sondern freudig auf den Überfluss Gottes zu schauen. Er schenkt uns seinen Geist, der uns die Kraft gibt, aufeinander zuzugehen, Privilegien abzugeben und einander neu zu vertrauen.

Lassen wir uns vom Evangelium verwandeln. Schaffen wir dem Wort Gottes neuen Raum in unseren Herzen und in unserer Gemeinde. Dann werden wir erleben, dass dieses Wort auch heute noch läuft, Mauern niederreißt und uns allen zum Segen wird.

Amen.

Schlussgebet

Keiner ist perfekt, auch wir nicht. Herr, hilf uns dabei, als Gemeinde noch besser zusammenzuwachsen, und füge uns neue Gemeindeglieder hinzu. Das bitten wir dich durch Jesus Christus unseren Herrn, der mit dir lebt und regiert in der Einheit des Heiligen Geistes. Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Predigt zu Johannes 9, 1–7 (Die Heilung des Blindgeborenen am Teich Siloah)

Kanzelgruß

Der Friede unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen.

Predigttext

Die Heilung eines Blindgeborenen

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Gebet

Herr, lass meine Lippen dein Wort veründigen und segne unser Hören und Verstehen und entzünde unsere Herzen mit Liebe zu dir und deinem Wort. Amen.

Predigt

Ein Heilungswunder, oha!

Vermintes Gelände, in dem man als Prediger leicht nach zwei Seiten von der Kanzel fallen kann: Entweder fängt man an zu entmythologisieren und alegorisieren – sich den Text also passend zu machen, indem man Wunder wegerklärt und alles nur bildhaft versteht – oder man fragt bedeutungsvoll, warum es heute, tatsächlich oder vermeintlich, so selten Wunder gibt.

Beides wird dem Text nicht gerecht! Es geht nicht um kluge Gedankenspiele und auch nicht um moralisierende Rechthaberei nach dem Motto: Karma is a bitch, also der durchaus schadenfrohen Feststellung, dass einem böse Taten irgendwann auf die eigenen Füße fallen.

Damals wie heute war für viele Leute klar: Wem es dreckig geht, der hat etwas ausgefressen, entweder er selbst oder seine Eltern – natürlich auch: entweder sie selbst oder ihre Eltern: Drogen genommen vielleicht, sich beim Fremdgehen eine Syphillis eingefangen, den falschen Partner geheiratet – alle hatten davor gewarnt – oder was auch immer. Nichts kommt von ungefähr: Karma is a bitch.

Davon will Jesus aber nichts wissen: Er hält sich nicht mit der Frage nach dem Warum auf, sondern er blickt nach vorne. So komisch es klingt: Jesus nutzt die Erbblindheit dieses Mannes als Chance zur Verkündigung, der Verkündigung seiner selbst und mit ihm des Reiches Gottes.

Wie macht er das? Er spuckt auf den Boden, in den Staub der da liegt, und formt daraus einen Brei.

Ein bisschen unappetitlich, oder?

Unappetitlich vielleicht, aber ein starker Hinweis auf den Schöpfungsbericht im 2. Kapitel der Genesis: “Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.” Hammer, oder?

Jesus stapelt hier nicht tief, sondern offenbart sich als der Gott, der uns erschaffen hat: uns, den Adam – und wir wissen, dass Adam, der erste Mensch, aus dem Staub des Erdbodens geformt worden war. Aber es geht noch weiter. Er fordert den Blinden auf, den Erbblinden wohlgemerkt: “Geh zu dem Teich Siloah und wasche dich!”

Hätte es denn nicht schlichtes Wasser sein können, irgendwelches Wasser, um den Staub abzuwaschen? Musste es denn ausgerechnet Wasser aus dem Teich Siloah sein? Ja, musste es!

Übersetzt heißt Siloah “der Gesandte”, hört, hört! Jesus erhebt damit also einerseits den Anspruch, der Messias zu sein (der von Gott Gesandte!), und andererseits offenbart er sich als Gott selbst: Gott selbst ist der Gesandte.

In Jesus Christus “wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig” heißt es an anderer Stelle, nämlich im Kolosserbrief des Apostels Paulus.

Was heißt das alles nun für uns?

  1. Wunder gibt es, und wenn und wo sie vorkommen, sind sie ein Hinweis darauf, dass Gott selbst am Werk ist, und dass das Kommen seines Reichs in und durch Jesus Christus begonnen hat. Die römisch-katholische Kirche zum Beispiel prüft deshalb Wunder sehr genau.
  2. Als Lutheraner wissen wir sehr genau, dass die Welt in Ursache und Wirkung, Schuld und Strafe denkt. Wir erfahren es jeden Tag. Doch wir wissen auch: Gott tickt radikal anders: Wir müssen und können uns seine Liebe nicht verdienen: Der Erbblinde hatte bei seinen Zeitgenossen schlechte Karten, bei Gott aber das große Los gezogen.

“Wer glaubt, der hat es; wer aber nicht glaubt, der hat nichts”, schreibt Luther im Hinblick auf das Abenmahl, und trifft es genau auf den Punkt: Selbstverständlich hätte sich der Blinde verweigern und den Matsch, der auf seine Augen geschmiert worden war, empört abwaschen können:

Ehrenwort: Wie viele von uns hätten das getan?

Der Blinde aber glaubte Jesu Worten, ging zum Teich Siloah und wusch sich. Ergebnis: Er wurde sehend!

Gott lässt sich nicht anders erkennen als durch den Glauben, und der Glaube kommt durch die Predigt, sprich: durch Gottes Wort.

Die Predigt des Evangeliums, und das wird auch im heutigen Predigttext sehr deutlich, lässt sich leicht zusammenfassen: Sola Gratia (allein durch Gnade). Der Mensch wird von Gott völlig unverdient gerettet.

Den Himmel kann man sich nicht verdienen, auch die Eltern können das nicht für einen tun. Das Himmelreich lässt sich nicht vererben.

Der Glaube ist der einzige Weg, Gottes unverdiente Gnade zu ergreifen: Sola Fide (allein der Glaube)! “Wer glaubt, der hat es; wer aber nicht glaubt, der hat nichts.”

Christus ist derjenige, durch den das Reich Gottes zu uns kommt: Solus Christus (allein Christus).

Das alles erfahren wir aus der Heiligen Schrift, die allein uns darüber Auskunft gibt: Sola Scriptura!

Schließlich: Alles, was geschieht, geschieht durch Gott. Ihm allein sei Lob und Ehre: Soli Deo Gloria.

Karma is a bitch? Ja, definitiv, aber Christus durchbricht das Karma. Es hat keine Macht mehr über uns, weil Christus uns zu neuem Leben beruft. Er führt uns aus dem Dunkel unserer Vergangenheit zum Licht seiner Herrlichkeit. Wenn wir an ihn glauben und uns ihm anvertrauen, dann ist alles möglich; und das alleine ist schon ein Wunder: das Wunder des Glaubens.

Amen.

Gebet

Lieber himmlischer Vater, wir danken dir für dein Wort, das du uns heute in die Herzen gesprochen hast. Schenke uns durch die Kraft des Heiligen Geistes nicht nur Hörer deines Wortes, sondern auch Täter deines Willens zu sein, und stärke uns mit deiner Liebe und deinem Segen, damit wir gut durch die neue Woche kommen. Das bitten wir dich, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Weihnachtsandacht: Im Stall von Bethlehem wird Gott zum Game-Changer

Spaltet euch nicht
Klosterkirche Neustadt

Predigt für den 7. Juni 2026: Spaltet euch nicht, und lasst euch nicht spalten. Geschrieben im Kloster Neustadt

Spaltet euch nicht, und lasst euch nicht spalten

Das Gemeinsame verbindet und konstituiert die Kirche, und nicht irgendeine Vielfalt.

Kanzelgruß

Der Herr sei mit euch allen.

Predigttext: 1. Korinther 12, 19-26

Wenn aber alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe der Leib?

Nun aber sind es viele Glieder, aber der Leib ist einer.

Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder wiederum das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht. Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns schwächer erscheinen, die nötigsten; und die uns weniger ehrbar erscheinen, die umkleiden wir mit besonderer Ehre; und die wenig ansehnlich sind, haben bei uns besonderes Ansehen; denn was an uns ansehnlich ist, bedarf dessen nicht.

Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, auf dass im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder einträchtig füreinander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.

Gebet

Lieber himmlicher Vater,

bitte lass uns dein Evangelium durch meine Worte deutlicher werden, und wirke in uns, dass wir deine Botschaft nicht nur hören und verstehen, sondern auch in unserem Alltag beherzigen. Das bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn und unsern Erlöser und Fürsprecher. Ihn bekennen wir als Herrn der ganzen Kirche, und ohne ihn können wir nichts tun.

Amen.

Catedrala Mitropolitană – Timișoara

Predigt

Liebe Gemeindeglieder,

Paulus hatte es nicht leicht mit den Korinthern, das spürt man beim Lesen und Hören dieser Zeilen sofort.

Der Pharisäer Paulus, ein ehemals strenggläubiger Jude, noch immer ein Intellektueller, ein Philosoph, aber nicht im Elfenbeinturm, sondern mitten im Leben und unterwegs auf Missionsreise. Er selbst hatte die Gemeinde in Korinth um das Jahr 50 n. Chr. gegründet, er kannte die Gemeinde – sehr gut sogar.

Er schreibt den Korinthern, weil ihm einerseits Klagen zu Ohren gekommen waren, und weil er andererseits um seinen Rat in einer Vielzahl offener Fragen gebeten worden war.

Politisch genossen die Korinther viele Freiheiten – und das war ihnen gemeindlich zum Problem geworden.

Korinth war nicht nur eine Hafenstadt, es gab dort gleich zwei Häfen. In Korinth begegnete man dem prallen Leben: Wer mal in St. Pauli war, der weiß, was ich meine.

Auch die christliche Gemeinde in Korinth war nicht ohne: Mit der Zeit hatten sich dort Selbstzufriedenheit und Personenkulte breit gemacht. Einige lebten einen recht weltlichen Umgang mit der Sexualität, andere traten als Sittenwächter auf, und wiederum andere verloren sich in esoterischen Sonderlehren: Die Kirche als Ganzes war den Korinthern aus dem Blickfeld geraten. In dieser Situation – zur Erinnerung: Paulus kennt die Akteure – erinnert der Apostel die Korinther daran, um was es eigentlich geht: um Glaube, Liebe, Hoffnung und um die Einheit der Kirche.

Spaltet euch nicht, und lasst euch nicht spalten!

Zunächst ist für Paulus klar: Im Gemeindeleben kommt es nicht auf Leistung, nicht auf Anerkennung und nicht auf originelle Einfälle an. Die Liebe Gottes ist in Jesus Christus schon offenbar geworden. Niemand kann und/oder muss sie sich erst noch verdienen.

Das Streben nach Meinungsführerschaft, nach Neuorientierung und nach dem Durchsetzen neuer persönlicher Erkenntnisse ist kein Gewinn für das kirchliche Zusammenleben, sondern führt zu Auseinandersetzungen und Blockaden.

Paulus macht das sehr deutlich, indem er die Kirche mit einem lebendigen Organismus vergleicht: Alle Organe, Gewebe und Gliedmaße sind höchst unterschiedlich, aber erst im Zusammenspiel, nicht im Gegeneinander, wird ein lebenstaugliches Ganzes daraus: Herz, Mund und Hände müssen sich nicht gegenseitig beweisen. Es ist vollkommen klar, dass sie alleine, auf sich gestellt, nicht zurecht kommen. Ein starkes Herz, aber eine kranke Leber, das ist der Lebenserwartung nicht zuträglich, ebenso wenig wie ein wacher Geist mit trüben Gedanken. In der Kirche soll erkennbar werden, was sie der Welt predigt: Die Vergebung der Sünden und die Versöhnung mit Gott.

Wie kann das geschehen, wenn eine Gemeinde, wenn die Kirche untereinander nicht versöhnlich ist?

Paulus tut hier nichts anderes, als die Kirche darauf hinzuweisen, dass sie sich so organisieren soll, wie Christus selbst es gelehrt hat: “Der Größe unter euch soll euer Diener sein.”

Wem viel gegeben ist – oder wer meint, einen Erkenntnisvorsprung zu haben – der sei dafür dankbar und bringe all das zum Wohle des Ganzen ein, aber nicht im Streit und nicht mit dem Ziel der Spaltung.

Wer glaubt, ihm sei wenig gegeben, der darf sich darüber freuen, dass auch der stärkste Geist auf der Stelle tritt, wenn er unter einer Nagelbettentzündung leidet. Zur Erinnerung: “Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben. Es gibt kein Besser und Schlechter im Christsein, jedenfalls nicht von Gott. Selbstverständlich kann man sich von dem Großen und Ganzen des Glaubens so weit entfernen, dass man nicht mehr dazugehört, das wissen wir alle, aber das ist ein anderes Thema, und darum geht es dem Apostel hier nicht. Gottes Liebe ist bedingungslos. Darauf ist Verlass, immer. Der Kleine ist Gott so wichtig wie der Große: Warum sollten wir uns also untereinander aufblähen?

Was bedeutet das nun konkret? Welche Lehren können wir heute daraus ziehen?

Die Kirche ist ein lebendiger Organismus, komplex und voller Geheimnisse und Wunder. Sie lebt nicht aus sich heraus, sondern aus der Wahrheit der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist. Dieser Jesus ist und bleibt der Herr der Kirche: ihr Bräutigam und ihr Lebenselexir. Deshalb können wir, als Gemeindeglieder, als Kirchengemeinde, als Kirchenbezirk und als SELK, nicht für uns allein existieren, sondern nur im Zusammenwirken mit der ganzen Kirche Jesu Christi. Das heißt nun nicht, dass wir jeweils unsere Eigenheiten aufgeben und so werden müssen wie die anderen. Ganz im Gegenteil! Wenn die Hand plötzlich laufen lernen will, dann geht sie in die Irre.

Spaltet euch nicht, und lasst euch nicht spalten!

Wir Bekenntnislutheraner haben unseren Platz und unsere Aufgabe im lebendigen Organismus der Kirche Jesu Christi. Wenn wir über Veränderungen, über Frauenordination und vieles andere nachdenken und diskutieren, dann debattieren wir in Wahrheit über diesen Platz, über unsere Aufgabe im Gesamtorganismus des Leibes Christi: Streben wir nach Veränderung, weil wir mit irgendetwas vorpreschen und nach außen besser dastehen wollen, oder begreifen wir, dass wir als Glied des einen Leibes nichts auf eigene Faust unternehmen können, weil wir Verantwortung für den Gesamtorganismus tragen?

Wir alle haben unseren Platz in der Kirche: als einzelne Christen, Familien, als Gemeinde und auch als SELK. Diesen Platz dürfen wir einnehmen, und auf diesem Platz sollen wir unsere Aufgabe erfüllen, ohne Minderwertigkeitskomplex, aber auch ohne Hochmut. Einfach, weil Gott uns dem Gesamtorganismus Kirche hinzugefügt hat.

Bei uns im Westen werden derzeit politisch wie theologisch vor allem Unterschiede herausgearbeitet und die Gesellschaft, genauso wie die Kirche, in Glieder und Schichten unterteilt. Daraus resultiert ein gesellschaftliches wie theologisches Auseinanderbrechen in immer kleinere und eigentümlichere Einheiten. Solchem Tun schiebt Paulus hier einen Riegel vor, und ruft die Korinther auf, sich nicht über Unterschiede, sondern über die Zugehörigkeit zu definieren. Das Gemeinsame verbindet und konstituiert die Kirche, nicht irgendeine Vielfalt.

Was ist das Gemeinsame?

Das Gemeinsame ist der Glaube an Jesus Christus als das lebendige Wort Gottes, die Gemeinschaft und Liebe untereinander und die Hoffnung, dass der Herr uns alle, seine Kirche stärkt und schützt: Hier in Siegen und überall auf der Welt, heute und bis zum Jüngsten Tag.

Amen.

St. Oswald – Stockach

Gebet

Lieber himmlischer Vater,

wir danken dir, dass du uns seit über 100 Jahren hier in Siegen als Lutheraner zusammenbleiben und gemeinsam wirken lässt. Wir bitten dich, sei auch heute und in den kommenden Jahren unser Schutz und unsere Burg, damit wir, über unsere eigene Gemeinde hinaus, in die ganze Kirche der Region ausstrahlen und in deinem Sinne wirken können.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

St. Christophorus – Siegen

Lied

Die Kirche steht gegründet

Links

Nicht nur was die Günstlingswirtschaft angeht, unterscheidet sich die AfD nicht von anderen Parteien: Sie taugt weder zum Verherrlichen noch zum Verteufeln. Einer, der das früh erkannt hat, ist Thomas Seitz. Vor zwei Jahren zog er daraus die Konsequenzen. Wer in nationalen Alleingängen die Rettung sieht, wählt diese Partei. Andere suchen ihre Hoffnungsanker in der Wahl zwischen CDU, SPD, Linken und Grünen.

Ich glaube das alles schon lange nicht mehr: Politik wird von Menschen gemacht, und mit denen muss man sich näher beschäftigen: Wer ist das, wer sind die?

Simone Weil hat recht, wenn sie eine Partei als Maschine zur Erzeugung kollektiver Leidenschaften bezeichnet, denn eine Partei will wachsen, groß werden und Macht erringen. Das geht nicht ohne Zugehörigkeitsgefühl und das Einschwören auf den gemeinsamen Erfolg. Unweigerlich führt das aber zu Anpassungsdruck und Denkverboten, letztlich zu Entmündigung oder, noch schlimmer, Selbstentmündigung. Der freie Wettbewerb zwischen Kandidaten bildet die Meinungsvielfalt wesentlich besser ab, verweist stärker auf die politische Verantwortung, die mit einem Amt oder Mandat verbunden ist, und lässt viel mehr Raum zum Selberdenken.

Die AfD ist, so wie die anderen Parteien, vor allem auf Pro und Kontra aus: Wie hältst du es mit dem Nationalstaat, der EU oder dem Klimawandel? Dazu kann man aber sehr unterschiedliche Meinungen haben, und oft befindet man sich damit außerhalb einer Parteilinie. Dazu kommt: Politische Präferenzen entsprechen heute kaum noch traditionellen Parteibindungen. Deshalb – davon bin ich fest überzeugt – werden politische Mehrheiten in Zukunft offener, fließender und immer weniger abhängig von Parteimitgliedschaften sein. Schon heute entspricht das der Lebenswirklichkeit.

Christliche Wurzeln

Hier ist meine Weihnachtsandacht, die ich für Corrigenda* geschrieben habe.

Woran glauben wir?

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Europa verliert sich gerade, und Deutschland bildet keine Ausnahme. Fast nichts, was früher galt, bietet heute noch Gewähr. Es ist keine Angst vor Veränderung, sondern das Erleben der Unbeständigkeit, was uns so mürbe macht. Pure Politik kann weder dem Einzelnen noch einer Gesellschaft festen Halt geben; das würde die Politik überfordern – pure Theologie kann das übrigens auch nicht; es muss der Glaube hinzukommen. Aber woran glauben wir?

Pluralismus allein führt zu weniger Zusammenhalt

Der vorherrschende Pluralismus gibt auf die Frage nach dem Glauben eine eindeutige Antwort: Jeder glaubt an etwas anderes. Pluralismus allein führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Zusammenhalt in einer Gesellschaft, und darin liegt die Krux der Sache: Wir sind als Gesellschaft uneinig und orientierungslos geworden. Wir streben auseinander, und der Abstand zwischen uns wird immer größer, weshalb wir die Überzeugungen der anderern oft nur noch als Extreme erkennen können.

Bashing und Brandmauern

Die Folge ist eine gesellschaftliche Sprachlosigkeit und Kälte, die wir alle zu spüren bekommen: in den Familien, am Arbeitsplatz, in den Schulen und im Freundeskreis. Auch in der Politik, wo doch der Wettbewerb um das bessere Argument, insbesondere zwischen Regierung und Opposition vorherrschen sollte, überwiegen Sprachlosigkeit und persönliche Angriffe. Aber Bashing und Brandmauern tragen nicht zur Besserung der Verhältnisse bei, sondern sind Ausdruck persönlicher Rivalitäten und parteipolitischer Machtansprüche.

Wokismus, Autoritarismus?

Was wir derzeit als Krise der Demokratie wahrnehmen, sind Ich-Bezogenheit und damit verbunden Verantwortungs- und Führungslosigkeit. Auch in der Politik erweist sich der Pluralismus als Schwäche. Aber was ist die Lösung: Wokismus, Autoritarismus?

Klirrend kalter Wind

Ein sehr bekanntes englisches Weihnachtslied heißt “In the Bleak Midwinter” (Mitten im kalten Winter). Die erste Strophe beschreibt die Verhärtungen unserer Tage sehr gut: klirrend kalter Wind, die Erde hart wie Eisen, das Wasser wie ein Stein.

Es reicht nicht, auf bessere Zeiten zu warten

Morgen beginnt das Weihnachtsfest. Als Christen wissen wir: Es reicht nicht, auf bessere Zeiten zu warten. Natürlich, der Frost wird nicht in der Erde bleiben. Aber was ist mit dem Frost, der in die Herzen gekrochen ist, was mit den entstandenen Verhärtungen in der Gesellschaft, in den Familien und im Freundeskreis?

In der zweiten Strophe heißt es: “Himmel und Erde werden entfliehen, wenn Er kommt, um zu herrschen.”

Im Stall von Bethlehem wird Gott zum Game-Changer

An Weihnachten feiern wir die Geburt Christi. Aber wenn wir das Fest nur als Kindergeburtstag verstehen, verkennen wir seine wahre Bedeutung. Tatsächlich ist es eine Krönung: der Herr der Heerscharen, Gott selbst, reißt die Himmel auf, entfernt Schloss und Riegel und öffnet Tor und Tür.

Im Stall von Bethlehem wird Gott zum Game-Changer. Er kommt nicht her vom Himmel hoch, um mit etwas mehr Mitgefühl für uns in den Himmel zurückzukehren, sondern er kommt, um zu bleiben – und das ist eine schlechte Nachricht für all jene wie Herodes, die glauben, sie könnten sich aufblähen und mit allerlei Forderungen, Pflichten, Zwängen, Lügen und Ungerechtigkeit irdische Machtansprüche stellen.

Unsere Mittel und Möglichkeiten begrenzt

In der letzten Strophe von “In the Bleak Midwinter” taucht wie Frage auf, was wir ihm geben können. Schließlich sind unsere Mittel und Möglichkeiten begrenzt.

Wir können und müssen keine Vorleistungen erbringen. Gott kommt nicht mit einem Katalog von Forderungen. Pflichten und Zwänge sind keine Mittel seiner Herrschaft. Allein unser Glaube ist wichtig, und das Vertrauen, sich von ihm verändern zu lassen. Gott hat im Stall von Bethlehem eine Bewegung gegründet, und die Botschaft lautet: schließt euch an, macht mit und verändert die Dinge zum Guten. Die Welt kann nicht verloren gehen, weil Gott selbst zu ihrer Rettung erschienen ist. Das ist der Grund der weihnachtlichen Freude: Glaube, Liebe und Hoffnung führen zum Ziel. Unser Beitrag sind die drei, vor allem aber die Liebe, und damit beginnt die Veränderung.

Zeichen vom Himmel

Im zu Ende gehenden Jahr ist in Frankreich die Zahl der Taufen sprunghaft angestiegen: um 45%! Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene entscheiden sich nun bewusst für eine Taufe, und das überrascht sogar die Bischöfe der römisch-katholischen Kirche, die darin aber ein “Zeichen vom Himmel” sehen. Ein Grund für diesen Taufboom könnte die Einsicht sein, dass Europa nur dann wieder zurück zu sich selber findet, wenn es sich auf seine christlichen Wurzeln besinnt, was zweifellos richtig ist. Von Otto von Habsburg stammt der wahre Satz: “Europa wird christlich sein oder es wird gar nicht sein.” Sicherlich gehört zum europäischen Erbe mehr als das Christentum, aber ohne das Christentum verspielen wir alles. Ohne das christliche Menschenbild wird unsere europäische Geschichte zur reinen Archeologie.

Das Heil liegt nicht im Pluralismus

Weihnachten ist ein guter Zeitpunkt, uns zurückzubesinnen, nicht nur auf das ausgehende Jahr, sondern vor allem auf das, was uns ausmacht. Unsere Mittel und Möglichkeiten begrenzt, aber der christliche Glaube kann Berge versetzen, wenn wir ihn wieder neu für uns entdecken. Der Glaube freilich ist das Vertrauen auf Gott, der sein Volk im Laufe der Geschichte immer wieder aus babylonischer Gefangenschaft in die Freiheit geführt hat. Das Jesuskind in der Krippe erinnert uns daran, dass das Heil nicht im Pluralismus, Wokismus oder Autoritarismus zu finden ist und nicht im menschlichem Machtanspruch und Machbarkeitsdenken, sondern im Vertrauen auf Gott, der tut, was er sagt, und der uns mit all unserern Schwächen und Unzulänglichkeiten in seinen Dienst nimmt.

Frohe Weihnachten!

Video: In the Bleak Midwinter

Gedicht: Roxana

Du kommst nicht wie ein Donnergrollen, du bist kein Blitz, der einschlägt und vergeht.

Dich habe ich gesehen und dir nachgeschaut, da wusste ich noch nicht, dass ich meinen Blick nie wieder von dir wenden will.

Dich habe ich vor Augen, wo auch immer ich bin: Meine Gedanken lassen mich deinen Namen flüstern. Mit ganzem Sein und Werden möchte ich dir dienen und nie wieder eigene Wege gehen, ohne dich in mir und dich als Ziel

Du bist so stark wie ein Schwur – und so verletzlich. Du gibst meiner Sehnsucht festen Grund.

Dir allein will ich gehören ohne Reue, denn mein Schicksal kann nicht besser sein.

Dein will ich sein in Treue.

2022/05/06

Manche Gerüchte altern schlecht. Dass man sich selber keinen Gefallen damit tut, öffentlich über familiäre Privatangelegenheiten anderer zu spekulieren, ist inzwischen klar. Schon kommt ein neuer Giftpfeil geflogen: Der Beel kommt aus dem »Corona-Milieu«, der ist unwählbar.

Was auch immer mit »Corona-Milieu« gemeint ist, richtig ist: Ich habe mich weder für eine Bratwurst noch für Jens Spahn und auch nicht für Karl Lauterbach impfen lassen. Über medizinische Eingriffe entscheide ich ganz alleine, und das ist eine Selbstverständlichkeit.

Dass Frau Reschke damals in der Presse über Sanktionen für Nichtgeimpfte philosophierte, empfand ich als Ungeheuerlichkeit: »›Berufsverbot? Das kann ich so nicht beantworten‹, fragt sich Reschke. Verweigerer sollten generell ihre Tests selbst bezahlen müssen.«

Bürgermeister sind nicht dazu da, die Gesellschaft immer weiter zu spalten, und Leute an den Pranger zu stellen. Dabei mache ich nicht mit.

#gebeelt

Mein Name ist Rainer Beel, ich bin Freudenberger, 58 Jahre alt, ledig, Christ, konservativ und anarchistisch zugleich. Hier kommt meine Message an euch Erstwähler.

Ich habe viel Sinn für Humor und weiß, dass das Leben Höhen und Tiefen hat. Ich mag Funk, Groove & Soul, manchmal auch Charts und theologische und philosophische Debatten.

Würde ringt mir Respekt ab, Victoria Grove wäre meine Traumfrau, und der Verein Deutsche Sprache hat mir mal geschrieben, dass ich viel zu viele Anglizismen verwende.

Studiert habe ich in Siegen und Gießen: Pädagogik, Englisch und Theologie. Meinen Abschluss habe ich an der Gießener Justus-Liebig-Universität gemacht.

Beruflich bin ich lange Zeit ein Tramp gewesen mit Stationen im Einzelhandel, in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft, im kaufmännischen Außendienst und so weiter.

Seit 20 Jahren bin ich Lehrer, in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, im Zweiten Bildungsweg und aktuell an der Achenbacher Hauptschule.

Ich würde mich freuen, all diese beruflichen und Lebenserfahrungen in mein zukünftiges Amt als Freudenberger Bürgermeister einzubringen.

In Freudenberg war ich zehn Jahre lang sehr aktiv in der Kommunalpolitik. Ich reise gerne, ich schwimme gerne und ich mag gesellige Runden.

Käsepätzle, Shepherd’s pie und Tocăniţă sind meine Lieblingsgerichte.

Ich bin Mitglied im Zentralrat der Orientalischen Christen in Deutschland, im Arbeitskreis für Vergleichende Mythologie e. V. und bei den Sejerlänner Jong.

Ich möchte in Freudenberg Bürgermeister werden, weil es meine Hood ist, aber mir ist natürlich klar, dass Freudenberg nicht Siegen ist. Manches kann die Stadt Euch, den Jüngeren (noch) nicht bieten.

Wenn man im Alter für berufliche Orientierung und viele persönliche Weichenstellungen ist, dann kommt es vor allem auf die Chancen an. Bietet Freudenberg Chancen, sich beruflich und privat weiterzuentwickeln? Kann man nach dem Schulabschluss hier wohnen bleiben und trotzdem fortkommen?

Als Bürgermeister möchte ich, was die Aus- und Weiterbildung angeht, nicht nur Ansprechpartner sein, sondern aktiver Player für alle Beteiligten.

Was mir ebenso wichtig ist: Dass junge Leute aus Plittershagen, aus Oberheuslingen oder Oberholzklau, die kein eigenes Auto besitzen, trotzdem nicht aufgeschmissen und auf sich alleine gestellt sind. Auf dem Land geht Mobilität anders als in der Großstadt. Der Bus muss kommen, und zwar zuverlässig.

Wer heute jung ist, hat besonders unter den Corona-Maßnahmen zu leiden gehabt: Schulausfall, Hybridunterricht, Kontaktsperren. Das hat Spuren hinterlassen und vielen die Lust genommen, sich gesellschaftlich zu engagieren.

Aber gerade die Jüngeren möchte ich aufrufen: Zieht euch nicht zurück, sondern setzt euch ein für eure ureigenen Interessen. Das ist kein Egoismus, sondern der Normalfall in einer Demokratie.

Ich trete als Bürgermeisterkandidat an, weil ich eine Stimme für alle sein will! Mir liegt nichts daran, Euch vermeintlich höhere Interessen überzustülpen. Ganz im Gegenteil: Ich will, dass dort, wo die Politik am unmittelbarsten erfahren wird, die Verbesserung des Alltags das alles alles Entscheidende ist.

Daher werde ich die Rolle des Bürgermeisters nicht zu einer Verwaltungsfunktion verengen, sondern meine vielfältigen Kompetenzen zusammenführen, um der Breite der Aufgaben gerecht zu werden.

Die Bürgermeisterwahl ist vor allem eine Persönlichkeitswahl. Deshalb macht mit: Am 14. September wird #gebeelt.

Kosten

Mal ein Wort zu den Kosten: Ein Wahlkampf verschlingt unglaublich viel Geld, und was das angeht, kann ich mit den Bewerbern von CDU und SPD nicht mithalten. Trotzdem kostet auch mein Wahlkampf ein paar tausend Euro, die ich selber aufbringe. Warum?

Nutzen

Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit sind für mich nicht verhandelbar. In dem Punkt habe ich den Mitbewerbern von CDU und SPD einiges voraus. Weil ich keinen Parteiinteressen verpflichtet bin, und deshalb auch mal Nein sagen kann, nutzt meine Wahl allen, sie ist eine Wahl der Freiheit, und Freiheit ist mit Geld nicht zu bezahlen.

Mein Alleinstellungsmerkmal

Als Parteiunabhängiger bin ich nicht nur fähig und in der Lage, einen eigenen Standpunkt zu vertreten, sondern auch als Mittler zwischen allen Freudenbergern und den im Rat vertretenen Parteien zu agieren – und das gänzlich ohne Parteivorgaben: Ich kann eigenständig Position beziehen, und das ist mein Alleinstellungsmerkmal.

#gebeelt

Baustelle Freibad

Frau Reschkes Probleme mit der Wahrheit

Dass Bürgermeisterin Nicole Reschke Probleme hat, die Verwaltung zu führen, ist sehr offensichtlich, aber ihr Umgang mit der Wahrheit überrascht immer wieder: “Wir werden fertig”, versicherte die Verwaltungschefin noch im Frühjahr, doch der Blick auf die Baustelle in der Gambach widerlegte sie: Das Freibad würde dieses Jahr nie und nimmer fertig werden. Jeder wusste das – vielleicht im nächsten, aber selbst das ist keineswegs sicher.

Frau Reschkes Hinhaltetaktik

Frau Reschke klammerte sich an den August, sprach zuletzt von einem Probebetrieb, obwohl beides völlig ausgeschlossen war. So geht man als Bürgermeisterin mit der Wahrheit nicht um.

Freibad: Hoffnung auf mehr Ehrlichkeit

Ich finde es schade, dass so viele Hoffnungen enttäuscht wurden, auch gegenüber der Freudenberger DLRG war diese Hinhaltetaktik inakzeptabel. Es bleibt zu hoffen, dass Frau Reschke bis zum Ende ihrer Amtszeit im Herbst mehr Ehrlichkeit an den Tag legt. In die diesjährige Bürgermeisterwahl geht sie mit einer sehr schlechten Bilanz.

Privates ist privat! Wer will sich darüber ein Urteil erlauben?

Beel privat: Auf meiner Seite finden sich keine Regenbogen (außer in der kirchlichen Version), ich gendere nicht, und ich empfehle auch keine medizinischen Eingriffe. Warum?

Weil all das Privatsache ist!: Jeder soll so leben und lieben, wie er möchte, damit habe ich kein Problem!

Was ich nicht mag, das ist: Ständig irgendein Bekenntnis zu irgendeinem Lebensstil nachzusprechen, denn Privates und Öffentliches sollten niemals miteinander vermischt werden.

Ob jemand glaubwürdig ist oder nicht, erkenne ich, wenn Reden und Handeln der betreffenden Person übereinstimmen.

Privatleben kann niemals Gradmesser für irgendwas sein, denn Privatleben ist privat. Wer will sich darüber ein Urteil erlauben? #gebeelt