“Gott wird uns nicht retten”? Christen und die Klimadebatte

June 13th, 2021

“Gott wird uns nicht retten, das werden wir tun”, erklärte Luisa Neubauer im Berliner Dom Ende Februar 2021. Nicht von ungefähr erinnert es an eine Losung aus längst vergangenen DDR-Zeiten: “Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein.” Mensch und Natur wurden vollständig der herrschenden Ideologie unterworfen. Wer es ohne Gott versucht, glaubt, es besser zu können.

Für Christen ist ein achtsamer Umgang mit Gottes Schöpfung selbstverständlich – sollte es zumindest sein. Wir wissen, dass wir selber Teil der Schöpfung sind und nicht etwa über ihr stehen. Auch sind wir nicht perfekt, weshalb jedes Streben nach Perfektionismus pure Selbstüberschätzung ist. Wenn es gut läuft, sind wir aufrichtige Verwalter, die nach bestem Wissen und Gewissen hegen, pflegen und aufwerten, was ihnen nicht gehört.

Wir Christen sollen und müssen Verantwortung übernehmen, ohne dabei Chef spielen zu wollen. Konkret heißt das: jeder sollte sich Gedanken darüber machen, welchen Beitrag er oder sie leisten kann. Welche Verantwortung gilt es zu übernehmen? Umweltschutz ist unsere Aufgabe, aber auch Tierschutz. Ich zum Beispiel bin Vegetarier, weil ich zur industriellen Ausbeutung der Tiere nicht beitragen will. Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Nicht von jedem kann ich dasselbe erwarten. Respekt vor dem Beitrag eines jeden gehört dazu, denn wenn die Bewahrung der Schöpfung zur Rechthaberei und Gängelung wird, dient sie den Machtinteressen einzelner und nicht mehr dem Allgemeinwohl. Es gehört auch zu unseren Aufgaben, darauf hinzuweisen.

In diesem Zusammenhang stellen sich eine Reihe von Fragen: Erstens, ist der Versuch einer Standardisierung des Klimas, also die Formulierung von Klimazielen, noch berechtigte Sorge um das Allgemeinwohl oder schon maßlose Selbstüberschätzung? Zweitens, wissen wir überhaupt genug über das Klima und seine Dynamik, um Klimaziele realistisch zu formulieren? Drittens, stellen wir nicht viel zu viele Forderungen statt auf Motivation und Unterstützung zu setzen? Menschen mutlos zu machen, sie letztlich sogar zu entmündigen, spricht jedenfalls nicht von Achtung, sondern von Herablassung. Viertens schließlich, ist der naive Glaube an die Unfehlbarkeit der Wissenschaft nicht gefährlich? Durch wissenschaftliche Methoden kann sowohl Gutes bewirkt als auch Schaden verursacht werden.

Die Wissenschaft kann uns helfen und voranbringen, aber sie kann uns auch manipulieren und zurückwerfen. Jeder weiß das. Wissenschaft ist so gut oder schlecht, so korrupt oder integer wie die Menschen, die sie betreiben. Plagiate, falsche Doktoren und Laien, die trotzdem entscheidende Entdeckungen machen: Wahrheit hängt nicht von Titeln ab. Auch das weiß man. Oft ist Wissenschaft nichts anderes als Jagd nach Geld und Ruhm.

Der wichtigste Beitrag, den wir als Christen zur Klimadebatte leisten können, ist daran zu erinnern, dass es ohne Ehrfurcht vor dem Schöpfer keine Ehrfurcht vor der Schöpfung gibt, und der irrende Mensch böse auf die Nase fällt, wenn er auf allmächtig macht. Der Wille zur Macht ist dem Menschen inhärent. Für diese Wahrheit muss nicht mal die Theologie bemühen, ein Blick in die Geschichtsbücher reicht schon.

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