Kosten

Mal ein Wort zu den Kosten: Ein Wahlkampf verschlingt unglaublich viel Geld, und was das angeht, kann ich mit den Bewerbern von CDU und SPD nicht mithalten. Trotzdem kostet auch mein Wahlkampf ein paar tausend Euro, die ich selber aufbringe. Warum?

Nutzen

Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit sind für mich nicht verhandelbar. In dem Punkt habe ich den Mitbewerbern von CDU und SPD einiges voraus. Weil ich keinen Parteiinteressen verpflichtet bin, und deshalb auch mal Nein sagen kann, nutzt meine Wahl allen, sie ist eine Wahl der Freiheit, und Freiheit ist mit Geld nicht zu bezahlen.

Mein Alleinstellungsmerkmal

Als Parteiunabhängiger bin ich nicht nur fähig und in der Lage, einen eigenen Standpunkt zu vertreten, sondern auch als Mittler zwischen allen Freudenbergern und den im Rat vertretenen Parteien zu agieren – und das gänzlich ohne Parteivorgaben: Ich kann eigenständig Position beziehen, und das ist mein Alleinstellungsmerkmal.

#gebeelt

Baustelle Freibad

Frau Reschkes Probleme mit der Wahrheit

Dass Bürgermeisterin Nicole Reschke Probleme hat, die Verwaltung zu führen, ist sehr offensichtlich, aber ihr Umgang mit der Wahrheit überrascht immer wieder: “Wir werden fertig”, versicherte die Verwaltungschefin noch im Frühjahr, doch der Blick auf die Baustelle in der Gambach widerlegte sie: Das Freibad würde dieses Jahr nie und nimmer fertig werden. Jeder wusste das – vielleicht im nächsten, aber selbst das ist keineswegs sicher.

Frau Reschkes Hinhaltetaktik

Frau Reschke klammerte sich an den August, sprach zuletzt von einem Probebetrieb, obwohl beides völlig ausgeschlossen war. So geht man als Bürgermeisterin mit der Wahrheit nicht um.

Freibad: Hoffnung auf mehr Ehrlichkeit

Ich finde es schade, dass so viele Hoffnungen enttäuscht wurden, auch gegenüber der Freudenberger DLRG war diese Hinhaltetaktik inakzeptabel. Es bleibt zu hoffen, dass Frau Reschke bis zum Ende ihrer Amtszeit im Herbst mehr Ehrlichkeit an den Tag legt. In die diesjährige Bürgermeisterwahl geht sie mit einer sehr schlechten Bilanz.

Privates ist privat! Wer will sich darüber ein Urteil erlauben?

Beel privat: Auf meiner Seite finden sich keine Regenbogen (außer in der kirchlichen Version), ich gendere nicht, und ich empfehle auch keine medizinischen Eingriffe. Warum?

Weil all das Privatsache ist!: Jeder soll so leben und lieben, wie er möchte, damit habe ich kein Problem!

Was ich nicht mag, das ist: Ständig irgendein Bekenntnis zu irgendeinem Lebensstil nachzusprechen, denn Privates und Öffentliches sollten niemals miteinander vermischt werden.

Ob jemand glaubwürdig ist oder nicht, erkenne ich, wenn Reden und Handeln der betreffenden Person übereinstimmen.

Privatleben kann niemals Gradmesser für irgendwas sein, denn Privatleben ist privat. Wer will sich darüber ein Urteil erlauben? #gebeelt

Da ich an anderer Stelle von einer landeskirchlichen Superintendentin gefragt wurde, was mich denn an Thomas Jollys queeren Abendmahl so störe (Jollys Inzenierung ist einer Verballhornung des berühmten Werkes “Das letzte Abendmahl” von Leonardo da Vinci), will ich es hier kurz erklären: Europa verliert seine Identität.

Mich stört die Verächtlichmachung meines Schöpfers und damit die Verächtlichmachung von uns allen.

Der Mensch als austauschbare Existenz

Das Menschenbild, was Jolly in Paris präsentiert hat, läuft dem christlichen komplett zwider: Dass Jesus Christus durch ein korpulentes, wohl als Frau aufzufassendes Wesen im blauen Kleid und silberner Krone dargestellt wird, zeigt, worum es dem Regisseur geht: Der Mensch als völlig austauschbare Existenz.

Nicht länger Gottes Ebenbild

Nicht länger sind wir Ebenbild Gottes, sondern Wesen mit beliebiger, frei interpretierbarer Identität. Alles an uns ist austauschbar: Geschlecht, Herkunft und Glaube. Jeder sucht sich aus dem Baukasten des politisch Korrekten aus, was gefällt, und wer dabei nicht mitmacht, gehört nicht dazu. Vermutlich gelten die Verweigerer bald als Staatsdelegitimierer.

Europa verliert seine Identität

Aber mit dem Menschen Christus, unzweifelhaft einem Mann aus dem Geschlecht des jüdischen Königs David, verliert Europa nicht nur das christliche Menschenbild, sondern auch seine Identität und Gott selbst, denn Christus war Mensch und ist Gott, das bekennen wir Christen, und dieses Bekenntnis travestiert Jolly in seiner Aufführung ganz bewusst: „Ich möchte, dass alle vertreten sind. Ich werde mir erlauben, die bestehende Ordnung zu brechen.“ Das waren nicht zufällig seine einleitenden Worte. Was gezeigt wurde, war nicht nur dümmlich, es war Absicht!

Dem Versuch, die Gesellschaft nach woken Denkmustern in eine neue Form zu pressen, widerspreche ich ausdrücklich: Ich will keine grüne Transformation. Mein Dasein ist nicht Teil einer fremden Agenda, und ich will in keine politische Metamorphose über mich ergehen lassen.

Jede Gesellschaft hat ihre Identität

Facebook-Diskussionen sind manchmal blöd, oft aber sehr lehrreich. Die Grünen sagen (Habeck vorneweg, aber auch Siegerländer Grüne vertreten das), so etwas wie ein deutsches Volk gebe es gar nicht. Die Meinung kann man vertreten, sie ist aber Quatsch: Eine Gesellschaft, egal ob national, rein sozial oder religiös verstanden, hat immer ihre typische Geschichte, kulturelle Ausprägungen, ihre inneren Auseinandersetzungen, ihre Dissidenten und Machtkämpfe. Das macht ihre Identität aus.

Keine woke Transformation

Die Grünen sprechen von Transformation (etwas völlig anderes als Reformation z. B.) und sie versuchen damit, der hiesigen Gesellschaft – Volksgemeinschaft ist sicherlich ein verbranntes Wort – ihren Stempel aufzudrücken. Das offenbart ihre abgrundtiefe Heuchelei, denn selbstverständlich ist den Grünen bewusst, dass es eine deutsche Gesellschaft (mithin ein deutsches Volk) gibt: Wie sonst kommen sie dazu, es radikal verändern, uns alle transformieren zu wollen?

Keine Anpassung an ein Kollektiv

Ich finde, solche Eingriffe, gar von oben, immer problematisch; in der Geschichte ist daraus selten Gutes entstanden. Die grüne Transformation lehne ich insbesondere ab, weil sie der Versuch ist, den Einzelnen zu isolieren und durch auferlegte Gesellschaftsveränderungen zur Anpassung an ein Kollektiv zu zwingen. Die Corona-Maßnahmen waren ein Vorgeschmack darauf.

Ich bin für die Freiheit des Einzelnen

Ich bin Lutheraner, also ein Freund der Reformation. Ich bin für das Zurückführen der Gesellschaft auf ihre Ursprünge, und die sind im Abendland: Die Menschen machen die Gesellschaft aus und nicht umgekehrt. Die Freiheit des Einzelnen ist die Grundvoraussetzung für Teilhabe, Demokratie und Menschenwürde. Wer das verleugnet und – wie die Grünen, mittlerweile aber auch die CDU – einen Kollektivismus vertritt, legt die Axt an die Wurzel der abendländischen Gesellschaft, von mir aus auch Staat oder Nation genannt.

Deshalb bewerbe ich mich als Bürgermeister

Ich möchte mich keiner grünen Agenda unterwerfen, ich möchte überhaupt nichts übergestülpt bekommen, nicht umerzogen, staatlich belehrt und auch nicht auf Linie gebracht werden. Deshalb bewerbe ich mich als Bürgermeister.

#gebeelt

Opposition darf nicht extrem sein, sonst bringt sie extremen Widerstand hervor. Sie muss auf die Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten der Menschen setzen.

Opposition kann fundamental, sie auch radikal sein. Aber sie muss dennoch konstruktiv sein, sonst wird daraus Verweigerung oder «Systemopposition», kurz: Extremismus. Dafür bin ich nicht zu haben, denn das widerspricht meiner sozialkonservativen Grundüberzeugung.

Mit der AfD wird es keine Veränderung geben, denn die Partei ist extrem und unfähig Bündnisse zu bilden. Der Rauswurf der AfD aus der ID-Fraktion (Identität und Demokratie) des Europaparlaments veranschaulicht das gut. Die AfD war mal eine gute Antwort auf die vermeintliche Alternativlosigkeit der Merkeljahre. Heute ist sie eine Partei, die mit Ressentiments spielt.

Mein Ziel ist Wiederherstellung einer liberalen Gesellschaft, die sich allerdings ihrer Herkunft und Wurzeln bewußt ist, und in der konservativ denkende Menschen selbstverständlich ihren Platz haben. Extreme Politik, die wie eine Axt an Gefüge der Gesellschaft liegt, haben wir seit 2015 lange genug erlebt. Ich möchte nicht noch mehr extreme Politik, nur anders, sondern Normalität und Interessenausgleich.

Veränderung ja, Umsturz nein. Die gesammelten Erfahrungen früherer Generationen will ich nicht über den Haufen werfen. Der Staat, um es mit Edmund Burke zu formulieren, ist kein Stück weißes Papier, auf das man kritzeln kann, was man will. Deshalb bin ich auch ein strikter Gegner der Grünen!

Bei aller Verschiedenheit, wenigstens die große Mehrheit der Menschen muss sich mit dem Staat identifizieren können, sonst hat er ein Legitimationsproblem.

Schade, dass in Freudenberg im Zeitgeschehen so einseitig über die Corona-Zeit berichtet wird. Sogar für ein richtiges Schauermärchen ist Platz.

So schlimm?

Gestern bekam ich das Magazin «Freudenberg im Zeitgeschehen» in die Hände. CDU-Urgestein Bernd Brandemann beschrieb darin auf vielen Seiten, dass – so wie die ganze Welt – auch Freudenberg nur mit knapper Not, aber wegen des klugen und umsichtigen Handelns der politisch Verantwortlichen am Ende erfolgreich der schlimmen Bedrohung durch die schreckliche COVID-19-Pandemie widerstanden habe. Kronzeuge war dem CDU-Mann der amerikanische Präsident Joe Biden, der erklärt hatte, Corona habe in den USA größere Lücken in die Familien gerissen als beide Weltkriege und der Vietnam-Krieg zusammen: ein Schauermärchen!

Ein Schauermärchen!

Was soll der Bezug auf Biden? Geht es darum, das Virus als größten Killer der jüngeren Geschichte erscheinen zu lassen? Die Sterbefallzahlen geben das jedenfalls nicht her! Auch in Bergamo waren die Sterbefälle nicht höher als bei manch anderer Grippewellen in Italien, und außerdem: Wer auch nur annähernd eine Vorstellung davon hat, wie viele gefallene Soldaten und getötete Zivilisten in den beiden Weltkriegen zu beklagen waren, besonders in Europa, wie viele Eltern ihre Söhne betrauern mussten, und wie viele Familien alle männlichen Nachkommen verloren, der kann über so einen Text nur angewidert den Kopf schütteln.

Auf Parteilinie

Offenbar ging es Bernd Brandemann darum, kritische Nachfragen erst gar nicht aufkommen zu lassen: Den Impfstoff, der nachweislich weder vor Ansteckung noch vor Übertragung schützt, bezeichnet er als hochwirksam. Beim Lesen seines Artikels bekommt man den Eindruck, das Handeln seiner Parteifreunde und später der Ampel war alternativlos. Man kennt das von der CDU.

Es ist ein politischer Text mit ein paar schlecht eingeordneten Zahlen aus der Stadt Freudenberg und dem Kreisgebiet. Das macht ihn zwar zu einem Zeitdokument, aber nicht so, wie sich die Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine das vorgestellt hat. Es ist ein Dokument der Ignoranz und des Beharrens auf einer einmal vorgegebenen Parteilinie, denn die Partei hat schließlich immer recht.

Last year, I made a trip to Neustadt in Rhineland-Palatinate. The town is closely associated with Hambach Castle, a symbol of German democracy.

Kloster Neustadt

I stayed at Kloster Neustadt, a monastery of the Priests of the Sacred Heart of Jesus. 

Downtown Neustadt

Outer white, brown inside?

German conspiracy theorists, all dressed in white, had previously flocked the streets of Neustadt and claimed to be the only true heirs of democracy.  

Walking tour to Hambach Castle

COVID-19: bitter rows

In the early 2020s, there were bitter rows about COVID-19 vaccination in Germany. While some recklessly accused the press of lying (Lügenpresse), others maintained that there was only one truth, and the press had to teach it. Freedom of the Press was challenged from two sides, not only from one, as the exhibition at Hambach Castle suggests.

Final impression

Democracy is not all over in Germany, there’s simply change on the horizon.

Die einen fordern ein AfD-Verbot, die anderen wollen die Regierung hinter Gittern sehen: Extremisten und Verschwörungstheoretiker werden immer lauter. Wer querdenkt, ist ein Nazi, wer sich gegen Nationalismus und Verschwörungsdenken ausspricht, ist gehirngewaschen. Immer geht es darum, Menschen zu stigmatisieren, auszuschließen oder gar loszuwerden.
Es ist an der Zeit, Nein zu sagen und zu Widerstand und Zivilcourage aufzurufen.

Unsere gesamte Gesellschaft befindet sich schon seit längerem in einem tiefgreifenden Wandel. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir in Deutschland alle zusammen eine enorme Integrationsleistung erbracht. Menschen aus vielen Ländern sind aus den unterschiedlichsten Gründen zu uns gekommen und haben hier in der Regel eine gute Aufnahme und neue Heimat gefunden. Während der Corona-Zeit zerfiel die Gesellschaft dann in zwei Lager. In der Ukraine herrscht Krieg, und die Regierung in Berlin beansprucht plötzlich moralische Autorität.

Angst vor Fremdbestimmung

Angesichts all dessen ist es kein Wunder, dass sich in letzter Zeit immer mehr Bürgerinnen und Bürger quer durch alle sozialen Schichten, ungeachtet aller Parteizugehörigkeiten und sonstigen weltanschaulichen Festlegungen nach ihrer eigenen Identität und ihrem Platz in der Gesellschaft und in der Welt fragen: Unsicherheiten werden deutlich; manche äußern Angst vor Überfremdung und Fremdbestimmung.

Menschliches Zusammenleben und ein demokratisches Gemeinwesen können nur gedeihen, wenn über Meinungsverschiedenheiten auch hart gerungen werden kann.

Sprachliche oder gar körperliche Gewalt und alles, was die Würde eines Menschen, gleich welcher sozialen Stellung, Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung in Frage stellt oder herabsetzt, dürfen dabei allerdings keinen Platz haben.

Widerstand gegen Extremismus ist kein linkes Projekt

Weder ersetzt man so Argumente, noch trägt man so zur Lösung irgendwelcher Probleme bei; im Gegenteil: man schafft so nur neue.

In einer Gesellschaft, die Gewalt, Diskriminierung und das Recht des Stärkeren duldet, will bald niemand mehr leben. Daher muss es in unser aller Interesse liegen, dass jeder von uns an seinem Platz und mit seinen Möglichkeiten extremistischen Tendenzen gleich welcher Art entgegenwirkt.

In einem Land wie dem unseren, mit unserer Geschichte, unseren jüdisch-christlichen und auch humanistischen Wurzeln, ist Widerstand gegen Extremismus kein linkes Projekt, sondern eine Sache aller Bürgerinnen und Bürger.

Annette Kurschus richtete stets hohe moralische Erwartungen an andere. Sich selbst daran messen lassen, wollte sie nicht. Als sie Farbe bekennen sollte, wich sie erst aus und schmiss dann trotzig hin. Ein theologischer Nachruf.

Wie die meisten, bin ich nur Beobachter des sukzessiven Abgangs von Kirchenchefin Annette Kurschus gewesen, aber kein stiller. Ich habe das auf Facebook mehr als einmal kommentiert, und das war mir ein Bedürfnis.

Chefinnensache

Politisch hat Annette Kurschus stets klare Ansagen gemacht. Als Christ müsse man geimpft sein, sich an Klimastreiks beteiligen und sich gegen eine Obergrenze für Asylbewerber aussprechen. Bei der Aufarbeitung von Missbrauch in ihrer Amtskirche und dem Sozialkonzern Diakonie solle es « kein Zögern und keine Rücksichtnahme mehr » geben. Das sei jetzt Chefinnensache.

Zurückhaltend in Glaubensfragen

Zurückhaltend war sie, wenn es um Glaubensfragen ging: « Ihr Glaube kenne auch Dürrezeiten. » Einen Glauben, der sich zu stark auf das Wort konzentriere, nannte sie belastend und unfrei. Ihr Gottesbild war starr: « Ich glaube, dass Gott die Erde ins Leben gerufen und den ungeheuren Prozess der Evolution in Gang gesetzt hat. » Der Mensch sei heute ein « verantwortliches Gegenüber » Gottes und nutze die Möglichkeiten der Vernunft und des Verstandes, um seine Dinge weitestgehend allein zu regeln.

Das ist zumindest nicht mein Glaube, nicht der Glaube, den ich als lutherischer Christ bekenne.

Es galt allein ihr Wort

Frau Kurschus hat damit breite Außenwirkung erzielt. Sie hat für sich in Anspruch genommen, für die Christen (« wir Christen »), also für alle Christen zu reden, allerdings hat sie mich und die vielen anderen in und außerhalb ihrer Kirche nie danach gefragt. Es galt allein ihr Wort. Aber als man sie beim Wort nahm, zur Erinnerung: « kein Zögern und keine Rücksichtnahme mehr », da reagierte sie trotzig und wütend, sprach von einer Medienkampagne und sagte, sie sei mit sich selbst im Reinen.

Impfen als göttliches Gebot

Ich habe mich von Frau Kurschus nie vertreten gefühlt, und das nicht nur, weil ich nicht ihrer Kirche angehöre. Es hat mich geärgert, als sie in der Corona-Zeit Stellungnahmen raushaute wie: « Impfen ist eine Pflicht aus christlicher Nächstenliebe heraus » und dann noch gleich hinzufügte: Wer mit religiösen Motiven gegen die Impfung argumentiere, missbrauche, « was Gott den Menschen zugesagt und was er aufgetragen hat ». Impfen war also Gottes Gebot, und ich damit ein Ketzer.

Das Gegenteil des christlichen Glaubens

Ich denke, Frau Kurschus ist widerfahren, was sie selbst heraufbeschworen hat. Ein blut- und inhaltsleeres Evangelium, das einen fernen Gott verkündet, der gelegentlich mal nachschaut, was aus seiner Evolution geworden ist, halte ich für das Gegenteil des christlichen Glaubens. Ich bin froh, mir all die Tipps und Ansagen zu meiner Lebensführung, die der wundersamen Theologie von Frau Kurschus entsprungen sind, nicht mehr anhören zu müssen.

Ich bin froh, dass sie weg ist.

Die Bubble der Siegener Verschwörungstheoretiker hatte es letzte Woche heftig auf mich abgesehen: Anschuldigungen, die Intellektuell und sprachlich sehr zu wünschen übrig ließen, mischten sich mit viel Wichtigtuerei und Eigenlob. Daher hier ein paar Zeilen wider die Verschwörungstheoretiker.

Einerseits könnte ich mich geehrt fühlen, denn die Bubble der Verschwörungsgläubigen, die im Telegram-Kanal « Siegen steht auf » so mächtig Dampf ablassen, nimmt heftig Anstoß an meiner Person und meinem Wort. Andererseits müsste ich pikiert sein, denn sie tut so, als ob ich jemals dazugehört hätte. Das stimmt aber nicht. Darauf lege ich Wert, zumal deren Gebaren inzwischen sehr primitiv ist. Mich halten sie mit meiner nüchternen Art längst für einen Psychopathen. Aber was im Leben zählt, ist die Orientierung nicht zu verlieren.

Immer wieder trifft man auf Menschen, denen es an Selbstbewusstsein mangelt, mit Niederlagen umzugehen. Man kann nicht immer recht behalten. Sich dann abzukapseln und zu radikalisieren ist der falsche Weg.

Es war richtig, gegen die aggressiven Corona-Beschränkungen auf die Straße zu gehen, und es war richtig, damit aufzuhören als es vorbei war. Als ich mich an den Siegener Protestaktionen beteiligte, gab es keine « Führer », und als sich dann welche dazu aufschwangen, war es zu Ende. Die Behauptung, ich und viele hundert andere Kritiker der Corona-Beschränkungen seien jemals Teil der Verschwörungstheoretiker-Bubble gewesen, ist reines Wunschdenken, denn der Vergleich der Zahlen von damals und heute zeigt: Das kleine Häuflein Verschwörungstheoretiker lief zwischen uns, der vernünftigen Mehrheit mit.

Verschwörungstheorien sind wie Fäulnis. Sie zerstören Vertrauen und zerfressen den sozialen Zusammenhalt. Deshalb manöverieren sich Verschwörungstheoretiker vor allem selbst in die Isolation: seelisch, moralisch und politisch. Längst haben sich sektenähnliche Strukturen herausgebildet. Deshalb sind Distanz und Widerspruch wichtig, gerade in der heutigen Zeit.

Die Zwietracht, die sie säen, richtet sich neuerdings auch auf Israel: Die dortige Regierung soll aktiv an dem Massaker vom 7. Oktober mitgewirkt haben, um den Vorwand für einen Völkermord an den Palästinensern zu konstruieren. Das Beispiel zeigt: In der Bubble der Verschwörungsgläubigen ist man längst so geworden wie jene, auf die man mit Fingern zeigt.

Dabei will ich es bewenden lassen. Kein Blick zurück im Zorn, einfach das Fazit: Verschwörungstheoretiker sind nie das Gros der Maßnahmenkritiker und Gegner des Impfdrucks gewesen. Im Gegenteil! Sie haben versucht, die Mehrheit mit ihren krausen Theorien zu infiltrieren. Ohne die Mehrheit sind sie bedeutungslos und radikalisieren sich immer weiter.

Jeder, dem es nicht gelingt, aus dieser Bubble auszusteigen, wird Schaden nehmen.

Nachtrag

Zwischenzeitlich (am 20. Dezember 2023) ist in der Siegener Zeitung ein Interview mit Bernd Scholz, dem scheidenden Polizeichef des Kreises Siegen-Wittgenstein erschienen. Scholz nimmt darin auch Stellung zur polizeilichen Arbeit von vor zwei Jahren. Die Teilnehmer an den Montagsdemos seien damals überwiegend normale Menschen gewesen: « keine Schwurber oder Aluhutträger. » Genau das habe ich oben auch so beschrieben. Heute nimmt kaum noch jemand von damals an den völlig anders gearteten und auf wenige Teilnehmer geschrumpften Demos teil.