Wie so oft muss man sich entscheiden

August 26th, 2021

Wie vieles andere auch hat die für mich so schwer fassbare Pandemie klar und deutlich gezeigt, was für eine Art Gesellschaft wir sind: eine sehr mutlose, mit wenig Zusammengehörigkeitsgefühl und wenig Solidarität untereinander. Kaum einer ist wirklich vererdet, trotzdem halten sich die meisten für grün, aber im Grau der Masse fühlen sie sich am wohlsten.

Politiker machen mobil, nicht gegen Korruption und Unehrlichkeit, sondern gegen Randgruppen und Individualisten, die sich nicht vor jede Karre spannen lassen. Diesmal gehöre ich auch dazu: “Hütet euch vor den Ungeimpften, denn sie sind ansteckend und das Spike-Protein wächst aus ihren Nasen.”

Der neueste Einfall: Ungeimpfte sollen nicht mal mehr Bahnfahren dürfen. Zu unserem eigenen Schutz, versteht sich. Schon klatschen die ersten Beifall: “Guckt mal, ich darf aber noch mitfahren, ich bin schließlich zweimal geimpft.”

Drittgeimpft, viertgeimpft, Impf-Abo. Je mehr solchem Treiben nachgegeben wird, desto absurder werden die Forderungen. Nur wenige gestehen sich ein, im falschen Zug zu sitzen und springen rechtzeitig ab. Die meisten bleiben einfach sitzen, obwohl auch sie längst begriffen haben: die Freiheit ist nicht das Ziel.

Letzten Endes kommt es aber nicht darauf an, überall dabei zu sein, sondern seine Selbstachtung nicht zu verlieren. Wer dafür Benachteiligungen in Kauf nimmt, ist wirklich frei. Ich jedenfalls habe keine Lust, mich nach irgendwelchen Bully Boys zu richten. Damit meine ich zuerst skurellosen Politiker, die einem Keil zwischen die Leute treiben, dann aber auch Mitläufer, die glauben, sie bekämen dafür den Kopf getätschelt.

Wie so oft im Leben muss man sich entscheiden.

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