Welche geringsten Brüder denn?

February 18th, 2016

Frauke Petry hat der Amtskirche (EKD und Deutsche Bischofskonferenz) vorgeworfen, sich zu wenig um Hilferufe von Christen im Mittleren Osten zu kümmern. Das ist sehr beschämend, denn sie hat recht – und das ist umso schlimmer, als man bereits vor der eigenen Haustüre sieht, wie es Christen anderswo ergeht. So werden christliche Flüchtlinge immer wieder zu Opfern religiös motivierter Gewalt in den Erstaufnahmelagern: Schläge ins Gesicht, abgerissene Taufkreuze, zerrissene Bibeln, Beschimpfungen als Kouffar (Ungläubiger) und vieles mehr. Weder die Politik noch die Amtskirche thematisieren das und drängen auf Abhilfe. In Berlin-Tempelhof wurden christlichen Flüchtlinge auf die Straße gesetzt. Die Täter werden geschützt und die Opfer als Störenfriede entfernt. Theologie spielt für die immer noch einflussreiche Amtskirche keine Rolle.
Einzig der Bischof der staatsunabhängigen SELK (Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche), Hans-Jörg Voigt D.D., fordert getrennte Unterbringungsmöglichkeiten für Christen. Es könne nicht sein, dass Christen wegen ihres Glaubens in Flüchtlingsheimen drangsaliert werden.

Jesus selber nennt als Kriterium für das Weltgericht, wenn über die Nationen geurteilt wird, wie diese mit den bedrängten Christen umgehen:

“Wenn aber der Menschensohn kommen wird, (…) dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.” — Mt 25, 31ff

Der Sinn ist eindeutig: Jesus richtet die Völker nach der Aufnahme, die er bei ihnen gefunden hat. Die Amtskirchen deuten den Text aber um: Maßstab im Endgericht ist, wie die Christen mit den Verfolgten aller Nationen umgehen – und das stellt alle Theologie auf den Kopf, zumal reformatorische. Wohlgemerkt: Diakonie, also die Hilfe an Notleidenden ohne Ansehen der Person ist eine christliche Selbstverständlichkeit. Aber die Solidarität mit den notleidenden Brüdern (und Schwestern natürlich), also den Glaubensgenossen zu verweigern, ist zutiefst unchristlich. Da hat Frau Petry leider recht. Die Leipziger Thomasgemeinde zum Beispiel will lieber für den Bau einer Moschee spenden und der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, wünscht sich, dass sich der Islam “zu einer lebendigen Kraft der demokratischen, pluralistischen Gesellschaft entwickelt”. Damit werden wegen ihres Glaubens diskriminierte Christen gleich doppelt im Regen stehen gelassen: praktisch und moralisch.
Der Maßstab, den Christus an die Kirche, also an seine “Brüder” anlegt, ist übrigens ein anderer: “Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.” — Mt 10, 32

Die Verleugnung der christlichen Identität und Schwächung des Zusammenhalts unter Christen ist das Eine. Das muss die Amtskirche mit Gott abmachen. Aber mit ihrem bedingungslosen Bekenntnis zur Political Correctness erweist die Amtskirche auch dem gesellschaftlichen Diskurs einen Bärendienst, und das ist das Andere. Es ist ein Drama, dass ausgerechnet Frauke Petry das artikulieren muss.

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Wegweisung für das Zusammenleben mit Muslimen in Deutschland – PDF

One thought on “Welche geringsten Brüder denn?

  1. Eine geeignete räumliche Trennung der Christen wäre ja die von Polen und Ungarn faforisierte Aufnahme von christlichen Migranten. Das wäre dann eine Sorge weniger. Da könnte sich u.a. die osteuropäische sittliche Reife bewähren. Den Muslimen sollten wir einmal klarmachen daß sie offenbar von Allah, wie ersichtlich, nicht sonderlich geliebt werden. Es dürfte die Frage erlaubt sein warum sie sich ausgerechnet von Ungläubigen retten lassen. Ich hätte auch kein Problem damit Glaubensübertreter bevorzugt zu behandeln. Menschen die in so einer Notsituation noch imstande sind in Lägern Glaubenskriege zu entfachen sollte man umgehend die Chance geben sich in ihrem Herkunftsland auszutoben. In diesem Fall empfehle ich Toleranz nur den toleranten.

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