Selbsterhalt und gesellschaftliche Anerkennung

June 17th, 2019

Die Amtskirchen verlieren massiv an Mitgliedern. Früher waren sie Volkskirchen, heute taugen sie aufgrund ihrer Profillosigkeit nicht mal mehr als Minderheitskirchen.

Ursprünglich brauchte man die Amtskirchen, um religiöse Feuer einzudämmen und staatliche Herrschaft zu sichern. Aber heute sind sie nur noch die Summen ihrer ehemals zuerkannten Privilegien: Kirchensteuer, Steuerbefreiung, hauseigene Tarifverträge und so weiter. Die pluralistische Gesellschaft bedarf keiner altmodischen Religionsregulierer.

Selbstverständlich wissen die Führungskräfte der Amtskirchen um ihr Grundproblem und versuchen schon seit längerem aufzuzeigen, was sie für die Gesellschaft leisten. Doch es fehlt ihnen das Alleinstellungsmerkmal.

Den Nonprofit-Sektor teilen sich die Amtskirchen mit NGOs, Wohlfahrtsverbänden, Stiftungen, Vereinen, Klima- und Umweltschutzgruppen, die allesamt ein je eigenes Profil haben. Das aber fehlt den Amtskirchen. Zu lange haben sie versucht, dem gesellschaftlichen Pluralismus mit weltanschaulichem Pluralismus zu begegnen. Die Stellungnahme, “es gibt keinen Gott, außer dem Dreieinigen Gott”, würde heute hausinternen Widerspruch hervorrufen und in der Öffentlichkeit Kopfschütteln verursachen, und vermutlich träte der amtskirchliche Weltanschauungsbeauftragte auf den Plan.

Institutionen, die keine Identität, keinen Eifer und keinen Kampfgeist mehr haben, denen es nur noch um Selbsterhalt und gesellschaftliche Anerkennung geht, werden veschwinden.

Die Volksparteien haben sich auf den Weg in die Bedeutungslosigkeit gemacht. Die Amtskirchen werden ihnen folgen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *