Schwacher Einwand

January 13th, 2021

Heute findet sich in der Siegener Zeitung ein Leserbrief, der beispielhaft für viele ähnliche Meinungsäußerungen ist. Ein Herr Reiner Bald aus Weidenau findet, Präsenzgottesdienste seien Ausdruck eines schwachen Geistes, denn die Gemeinschaft mit Gott sei an keinen Ort gebunden. Ich will die Doppeldeutigkeit und das Spiel mit der Beleidigung gerne übersehen, aber als Christ und Theologe muss ich dem Dogma von der Distanzbeziehung widersprechen.

Dass Leute, die nicht viel auf Gott geben, glauben, in Corona-Zeiten brauche man überhaupt keine Gottesdienste, verstehe ich. Umgekehrt ist es selbstverständlich, dass Christen, die alle Hoffnung und Zuversicht auf Gott setzen, gerade in Corona-Zeiten nicht auf Gottesdienste verzichten können und wollen, denn Gottesdienste sind nicht nur Ausdruck des christlichen Bekenntnisses, sondern auch Updates des in der Taufe erfolgten Setups.

Konkret, so hat es Luther formuliert, sollen wir durch tägliche Reue und Buße den alten Adam in uns ersäufen. Das kann keiner für sich allein. Dazu brauchen wir die Gemeinschaft untereinander, aber vor allem die leibliche Gemeinschaft mit Christus in der Feier des heiligen Abendmahls. “Personalpräsenz” ist der theologische Ausdruck dafür. Dabeisein mit Leib und Seele.

Mit anderen Worten: unser Gebet soll nicht äußerlich bleiben, nur mit dem Verstand gesprochen. Es schließt den ganzen Menschen mit all seinem Wesen ein. Gebet will gelebt, nicht nur gedacht sein.

Aus all dem ergibt sich: der Gottesdienst ist eine Lebensäußerung der Kirche, wo keiner mehr stattfindet, ist die Kirche tot.

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