Neues machen

December 10th, 2020

Sehr aufschlußreich fand ich einen Feature das Leben von Schwester Christine Killies. Die Diakonisse ist Oberin der diakonischen Einrichttung Friedenshort in Freudenberg. Sie berichtete, es sei ihr eigener Entschluss gewesen, Diakonisse zu werden, und dass zum Leben einer Diakonisse Gehorsam gehöre: Verbundenheit mit Gott, Ehelosigkeit und die Verpflichtung, das Wohl der Gemeinschaft über die persönlichen Wünsche zu stellen.

All das las sich wie aus der Zeit gefallen, und Schwester Killies selbst war überzeugt: “Gott wolle Neues machen.”

Wer auf Instagram unterwegs ist, stößt auf Pastorin Josephine Teske. Die “Lebensliebhaberin” (so beschreibt sie sich) gehört zu “yeet”, dem Influencer-Netzwerk der EKD. Alles muss neu ist auch ihr Leitspruch, etwa wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht – und auch um Sex vor der Ehe. Die alleinerziehende Mutter glaubt, die Kirche dürfe nicht an veralteten Themen festhalten, sondern müsse sich Neuem öffnen. Von Wahrheitssätzen will sie weg: Man müsse doch verstehen, in welcher Zeit die Bibel entstanden sei und was wir heute wissen, über den weiblichen Körper etwa. Bei mir ist Gott eine Frau, sagt sie. Dass die EKD ein Schiff ins Mittelmeer geschickt habe, sei eine klare Botschaft und besser als alte Bekenntnisse nachzubeten.

So viel Neues überforderte vor rund einem Jahr den Präses der Siegerländer Pietisten. Manfred Gläser trat aus der Landeskirche aus, weil er nicht glauben wollte, dass Gottesbilder relativ seien. Besonderen Anstoss hatte er an den neuen Einsichten von Pfarrerin Mirjam Klein genommen. Diese fand, dass man in religiösen Fragen oft leichter sagen könne, woran man nicht glaube, etwa dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen habe, oder dass Maria noch Jungfrau war.

Die Amtskirche richtet ihr Glaubensangebot derzeit neu aus. Zukünftig will sie laut ihrer neuen elf Leitsätze die christliche Gemeinschaft für “nicht Etablierte” öffnen und “im Verbund mit nichtreligiösen Überzeugungsträgern” eine offene Gesellschaft stützen und die Politik kritisch begleiten.

Für mich als amtskirchenfernes Nichtmitglied stellt sich die Frage, ob die EKD denn auch bei der Finanzierung neue Wege gehen will oder doch lieber am etablierten Kirchensteuereinzugsverfahren festhält.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *