Kommt keine Kehrtwende, dann kommt der Sparkommissar

January 8th, 2014


Wohlleben trotz Pleite war angesagt in Freudenberg. Der Deckel ist gemacht. Wie weiter? Alternativen gibt es immer, nichts im Leben ist komplett alternativlos. Die Frage ist nur, was die Alternativen taugen.

916 Punkte sind zwar eine Poltergeistnummer, aber zugleich geben sie die raue Wirklichkeit wider. Die Stadt müsste 916 Punkte haben, um irgendwann wieder auf die Beine zu kommen. Politisch ist das nicht durchsetzbar, das heißt aber auch, dass die Stadt in Zukunft noch kürzer treten muss. Damit wären wir bei den Alternativen.

Das Streichen auch noch der letzten freiwilligen Leistung: nichts mehr für die Jugend, nichts mehr für die Senioren, nichts mehr für Vereine und nichts mehr für niemand. Sicherlich machbar, aber alles andere als wünschenswert.

Einfach weiter so. Arne Fries, der Bürgermeisterkandidat der CDU, schlägt das vor. Ergebnis: irgendwann wird vom Innenministerium ein Zwangsverwalter eingesetzt, und dann geht die Grundsteuer hoch bis zum Anschlag. Sicherlich machbar, aber keinesfalls wünschenswert.

Politischer Neubeginn. Die Stadt müsste endlich ihre Ausgaben herunterfahren: Friedhöfe zusammenlegen und einen Gräberhain schaffen, um mit der Zeit zu gehen. Feuerwehren zusammenlegen, die Verwaltung straffen, dem Leerstand im Rathaus mit Untervermietung begegnen, Grundstücksangelegenheiten neu ordnen; die Ausweisung von Gewerbegebieten überdenken und den Bauhof personell neu aufstellen. Der Rat könnte und sollte verkleinert werden und so weiter. Möglich und wünschenswert, und es liegt alleine am Wähler. Mit viel Einsatz und Kreativität kann ein Bürgermeister, hinter dem allerdings die Bevölkerung stehen müsste und der keiner Partei verpflichtet ist, viel erreichen, und er kann den permanenten Anstieg der Steuern und Abgaben wenigstens abmildern.

Ich bin 10 Jahre Stadtverordneter gewesen. Wieder und wieder, Haushaltsberatung für Haushaltsberatung, Jahr für Jahr hat Jörg Schrader zum Handeln aufgerufen. Nichts ist passiert. Nur das Unausweichliche ist mit Murren letztlich nachvollzogen worden. Nicht nur Herr Fries will es dabei belassen. Jörg Schrader ist in der Wortwahl immer deutlicher, fast aggressiv geworden. Jetzt hat er einen Kugelblitz freigesetzt. Anstatt auf den Kämmerer einzuprügeln, sollte man ihm dankbar sein. Nun herrscht Klarheit. Wenn jetzt keine politische Diskussion und Kehrtwende kommt, dann kommt der Sparkommissar.

Eins noch möchte ich zu bedenken geben: Unsere Stadt wird wie das ganze Land immer älter. Die Lasten für die kommenden Generationen steigen und steigen, gleichzeitig schrumpfen diese Generationen je länger je mehr. Dadurch steigen für unsere Kinder und Enkel die Lasten noch mehr. Wie sollen die das schultern können? Werden die noch in Freudenberg leben wollen, wenn außer Gebührenzahlen und Gürtel-enger-schnallen hier nichts mehr läuft?

 

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