Es gibt keinen Impstoff gegen die Freiheit

January 18th, 2022

Wenn ich mir etwas nicht verabreichen lassen will, ganz egal um welche Art von Präparat es sich dabei handelt, dann muss ich das nicht weiter begründen; insbesondere muss ich keine Studien beibringen, welche eine Bedenklichkeit des zu verabreichenden Mittels attestieren. Mein Nein reicht! Das zu akzeptieren gehört zu den Spielregeln unseres menschlichen Miteinanders. Die Bundesregierung hat nun angekündigt, sich an diese Spielregeln nicht mehr halten zu wollen, und sie beruft sich auf eine vermeintliche oder tatsächliche Mehrheit der Bevölkerung, die das genauso sieht. Aber ist es damit getan: der alte Konsens ist tot, es lebe der neue?

Liebe Leser, die wenigsten von uns sind Virologen oder Epidemiologen. Aber das gilt auch für die Politiker, die darüber entscheiden. Wir alle können uns sachkundig machen und eine Meinung vertreten. Es hat auch jeder seine Lebensgeschichte, seine Erfahrungen im Umgang mit Krankeit und Schmerz, seine Weltanschauung, seine Grundüberzeugungen und so weiter.

Bei der Diskussion über die Corona-Maßnahmen und ganz besonders über die Impfpflicht sind neben der medizinischen Fachdiskussion all diese Dinge relevant. Es gibt Leute, die generell der Schulmedizin gegenüber skeptisch sind, andere sehen die politische Dimension: Impfpflicht heute, Patientenregister und BMI-Klausel morgen. Es gibt so viele Aspekte, die zu bedenken sind, dafür jedoch erstaunlich wenig Toleranz. Die einen haben Angst vor dem Virus, die anderen Furcht vor der Therapie. Meines Erachtens ist es völlig falsch, alle auf eine Herangehensweise verpflichten zu wollen. Was ist aus dem Zusammenhalt am Anfang der Pandemie geworden? Was würde die Durchsetzung der Impfpflicht aus der heute schon verunsicherten Gesellschaft machen?

Mein Vorschlag: wir alle setzen uns für mehr Zusammenhalt ein, und das setzt mehr Freiheit voraus. Durch Zwang erreicht man nur mehr Widerstand.

Fakt ist: mit der drohenden Einführung der allgemeinen Impfpflicht geht ein neues Menschenbild einher. Noch immer leitet sich die Unverletzlichkeit und Würde des Einzelnen nicht von seinem Wert oder Beitrag für die Gesellschaft ab, weshalb die Gesellschaft stärker in der Pflicht ist, die Unverletzlichkeit und Würde des Einzelnen zu schützen als umgekehrt. Doch dieser Konsens ist brüchig geworden. Politiker fast aller Parteien argumentieren inzwischen, der Einzelne habe eine größere Bringschuld der Gesellschschaft gegenüber als andersherum. In der Konsequenz würde das bedeuten, dass die Unverletztlichkeit und Würde des Einzelnen von seinem Wert und Beitrag für die Gesellschaft abhinge. Ein kompletter Paradigmenwechsel!

Wenn der Einzelne stärker für die Gesellschaft in die Pflicht genommen werden soll, muss zunächst die Frage geklärt werden, welche Ansprüche der Einzelne gegenüber der Gesellschaft hat. Sonst muss ein solches Unterfangen scheitern. Welche neuen Spielregeln sollen gelten? Wie wollen wir in Zukunft leben? Die Einführung einer Impfpflicht ist ein Politikum, und ohne breite und tiefe politische Diskussion kann es keine Impfpflicht geben. Alle Karten müssen vorab auf den Tisch, und keinesfalls kann ein solcher Paradigmenwechsel durch Lockdowns und den Ausschluss ganzer Bevölkerungsgruppen erzwungen werden. Viele haben dafür ein gutes Gespür, und sie machen ihren Protest sichtbar, so auch in Siegen.

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen Montag für Montag auf die Straße gehen, auch in Siegen. Ein Querschnitt durch die Bevölkerung, jüngere, ältere, Kinder und Senioren, Frauen und Männer, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund; alle politischen Farben sind erkennbar. Es eint uns die Erfahrung, als Nicht-Geimpfte kaum noch Gehör zu finden und sofort in die Schwurbler-, AfD- und Verschwörungsecke gestellt zu werden. Geradezu widerlich ist der Versuch von Organen wie der Siegener Zeitung, uns Demonstranten, die wir ja so divers sind, als AfD-Mitläufer, III.-Weg-Sympathisanten oder verkappte Nazis zu verleumden, denn das relativiert die Verbrechen der Nationalsozialisten, und zwar nicht zu knapp.

Zum Abschluss noch ein persönliches Wort: Viele kommen derzeit an den Rand ihrer Möglichkeiten. Gegenwind ist okay, aber der Respekt vor dem Menschsein sollte nie fehlen. Sonst begeben wir uns auf das Niveau von Organen wie der Siegener Zeitung. Hass und Hetze sind aber niemals die Lösung egal welcher Probleme.

Vergessen wir die hündische Presse, vertrauen wir auf unsere eigene Intuition. Streiten wir für eine plurale und offene Gesellschaft, in der man Weltanschaungen sowohl ablehnen als auch teilen darf.

Nieder mit dem Opportunismus!

Wer nicht Nein sagen kann, dessen Ja ist wertlos.

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2 thoughts on “Es gibt keinen Impstoff gegen die Freiheit

  1. Ich bin nur bis zum zweiten Absatz gekommen, was ein Quatsch…
    – Welcher Konsens… Zum einen entscheiden in dieser – das kann man kritisieren – Demokratie die Mehrheit…
    – Der Stand ist aber, dass es natürlich schon Impfpflichten gab. Pocken z.B.

  2. Mir gefällt der Artikel sehr gut. Unabhängig vom eigenen Impfstatus sollte die aktuelle Situation zum selber Denken herausfordern.

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