Einwurf: Homosexualität ein “Identitätsmerkmal”?

December 10th, 2013

Ich lese die Siegener Zeitung eher sporadisch, und deshalb habe ich die Diskussion um das Schriftverständnis nur bruchstückhaft verfolgt. Der Amtskirche gehöre ich nicht an. Aber die Stellungnahme des Amtskirchenpfarrers van Doorn fand ich krass, in jeder Hinsicht. Aus diesem Grund, und weil ich vom Fach bin, würde ich gerne folgenden Einwurf machen:

Unsere angeblich egoistischen Gene verlangen nach sexueller Abwechslung. Das zumindest sagt die Wissenschaft, die Herr van Doorn als eine Art exegetisches Manifest dem biblischen Wortlaut und der Tradition der Kirche entgegenstellt. Im klassischen Judentum und bei den Christen sind aber nicht Kleingläubigkeit und das Insistieren auf irgendeinem Wortlaut ausschlaggebend für eine radikal andere Sicht. Die Überzeugung, dass Sexualität nur in der Ehe, also in einer monogamen Mann-plus-Frau-Beziehung ausgelebt werden sollte, entspringt einer gründlichen Reflexion ihres Glaubens an den einen Schöpfergott, der mit seiner Schöpfung und den Menschen, die sie bewahren sollen, einen Bund geschlossen hat. Es verwirrt mich, dass ein Theologe und Prediger das – bewußt? – außer Acht läßt. Dem alten wie neuen Heidentum ist diese feste Überzeugung stets eine Lachnummer gewesen. Abgefahren, abgedreht, unvernünftig. Herr van Doorn beschreibt sie zusätzlich als kränkend. Aber beschränkt sind die Christen, die dabei bleiben, nicht. Sie sind auch nicht herzlos. Jesus selbst hat die lockeren Sitten der damaligen Zeit und den Sex außerhalb einer monogamen Mann-plus-Frau-Beziehung scharf verurteilt.

Herr van Doorn könnte nun argumentieren, dass Jesus, “hätte er die Informationen der modernen Wissenschaft” gehabt, zu einer anderen Überzeugung gekommen wäre. Dem Apostel Paulus hat Herr van Doorn genau das unterstellt.

Homosexualität sei ein “Identitätsmerkmal”, hat Herr van Doorn geschrieben. Als Außenstehender frage ich mich: Was ist das Identitätsmerkmal der Amtskirche? Ich will den Versuch einer Antwort wagen: Die Amtskirche versteht sich als eine Art Glaubens-TÜV. Indem ihre Theologen die Bibel als Werk von gestern ausgeben, empfehlen sie sich als unverzichtbare Fachleute, die dringend benötigt werden, um fundamentalistische Zumutungen zurückzuweisen.
Sehr geschickt stellen sie sich dabei allerdings nicht an.

N.T. Wright on Debate about Homosexuality

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