Der Inhalt gibt Aufschluss über den Autor

February 5th, 2015

Mal abgesehen davon, dass “dicker, fetter Herr” für Buddha eine Lappalie ist in einer Gesellschaft, die “Balkensepp” für Christus akzeptiert, und der Wink mit der Staatsanwaltschaft deshalb lächerlich, hat Olaf Latzel mit seiner Predigt vermutlich zu Recht Schlagzeilen gemacht. Offenbart der Vorgang doch die Zerissenheit und Inhaltsleere der Amtskirche.

Was mich verblüfft: Olaf Latzel geht mit der Bibel um wie mit dem Koran: verbal inspiriert und in allen Teilen zeitlos aktuell. Ganz deutlich und immer wieder hat Latzel in seiner Predigt darauf hingewiesen, dass er nicht den Inhalt der Perikope aus dem Buch der Richter, sondern deren Autorisierung für ausschlaggebend hält: “Ich sage nur, was in der Bibel steht.” Als Lutheraner muss ich dem entgegenhalten: Die Bibel erschließt sich von Christus, ihrem Mittelpunkt her, also aus der Art, wie Gott sich in Christus offenbart und gezeigt hat. Der Inhalt gibt Aufschluss über den Autor und nicht umgekehrt. Latzel will oder kann das nicht verstehen. Man muss also froh sein, dass er nicht über Levitikus gepredigt hat, sonst hätte er vermutlich zu Brandopfern und Steinigungen aufgerufen. Paulus scheint er nur als Generalfeldmarschall zu kennen, denn sonst hätte er nie gepredigt: “Meine Tochter, die hat jetzt einen Muslim. Muss ich denn da auch mitmachen, wenn die uns einladen, nicht, zu ihrem Zuckerfest und all diesem Blödsinn? Nein, da müssen wir ganz sauber bleiben.” Der Apostel mit diesem Namen, Paulus, hätte mit der Teilnahme an “all diesem Blödsinn” kein Problem gehabt, vgl. 1. Korinther 8.

Es gäbe dazu noch viel zu sagen, aber es lohnt sich kaum. Zwar ist die ganze Schrift Gottes Wort, aber nicht alle Teile der Schrift sind gleichbedeutend und gleichgewichtig. Vielmehr ist die Schrift “strukturiert”, nämlich auf Christus hin.

Ich denke, Olaf Latzel wollte einfach mal auf die Pauke hauen und sein Profil als Unbequemer schärfen. In einer Kirche, die sich bunt und für alle Glaubensrichtungen offen gibt, geht das leicht. Man muss einfach nur gegen die Corporate Identity anpredigen und schon ist einem alle Aufmerksamkeit sicher. Was bleibt? Nichts! Man kann darüber nur den Kopf schütteln.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *