© 2007 Alexandra Radu Halloween, Karneval,
Kartenspiel

Absonderung

2006 traf man sich in der Evangelischen Kirche Freudenberg zum "Rock against Halloween".
Ganz in Siegerländer Tradition wollte man "gegen schlechte Umstände und Gegebenheiten aufstehen", Alternativen aufzeigen und "inmitten des immer lauter werdenden Halloween-Getöses" Reformation und Erneuerung anmahnen - durch Abgrenzung und Rückzug.

Zwar sollen Christen sich eigentlich unters Volk mischen und so auf die Leute einwirken (Mt 5, 13), aber im pietistisch-dualistisch geprägten Siegerland sucht man das Heil von jeher zuallererst in der Abspaltung, Absonderung und Trennung.

Abart

Für den Übervater der heutigen Siegerländer Gemeinschaftsbewegung, Jakob Schmitt, war Halloween noch kein Thema. Ihm galt Karneval zu feiern als "Tollheit". 1960 schrieb er: „Wie furchtbar oberflächlich, vergnügungssüchtig und närrisch ist ... das Geschlecht unserer Zeit!“

Wenig hat sich seitdem geändert. Heute beklagen die Macher von "Rock against Halloween" die "Unarten und Abarten" des Abends vor Allerheiligen und setzen auf Ablehnung statt auf Auseinandersetzung: "Irgendwie hat dieses Projekt was von der Protestqualität, mit der die OAS früher gegen den Karneval antraten..."

Abgrund

Das Gemeinschaftsblatt "Der Evangelist aus dem Siegerland" kam 1975 mit einer Warnung vor dem Kartenspiel heraus. Jeder, der mit ganzem Ernst in der Nachfolge Jesu stehen wolle, müsse sich grundsätzlich von eigenen oder fremden Spielkarten und ihrem Gebrauch trennen, denn „der Fürst aus dem Abgrund, der große Gotteslästerer" sitze stets mit am Kartentisch und quittiere die entsetzliche Arglosigkeit seiner Partner mit diabolischem Grinsen.
Spielkarten beschmutzten und entehrten die Heiligkeit Gottes. Jesus Christus zum Beipiel werde in der Gestalt des Buben als Sohn Satans dargestellt.

Erste satirische Karten seien 1392 von einem Jacquemin Gringonneur aus der Rue de la Verrerie in Paris gemalt worden. Zwar dürfe man von ungläubigen Historikern keine der „peinlichen Einzelheiten“ erwarten, aber das Paris des ausgehenden 14. Jahrhunderts sei eine Hochburg Satans gewesen und die Spielkarte jahrhundertelang als ideales Mittel und Werkzeug betrachtet worden, um all das zu verspotten, zu verhöhnen oder ins Lächerliche zu ziehen, was die Gemüter der Menschen zu irgendeiner Zeit bewegte.

Ablehnung

Schwarz oder weiß, dafür oder dagegen: Adiaphora (Mitteldinge, die als solche weder gut noch schlecht sind) kennt man in der eher schwärmerischen Siegerländer Frömmigkeit nicht. Unverkennbar ist der darbystische Einfluss: Halloween, Karneval und Kartenspiel sind zu meiden, da sie mit der für "wiedergeborene Christen" verbindlichen neuen Lebensordnung nicht in Einklang zu bringen sind.

© 2010 Rainer Beel | Feedback? E-mail