Vampirismus und Religion

Mitte des 19ten Jahrhunderts veröffentlicht Charles Robert Darwin seine These von der Entstehung der Arten durch natürliche Auslese und Karl Marx schreibt sein Kommunistisches Manifest. Es herrscht Aufbruchstimmung in Europa. Nichts erscheint mehr unmöglich. Der Glaube an den Fortschritt, an den Wettbewerb und die unbedingte Machbarkeit beginnt sich durchzusetzen.

1882 schliesslich erklärt Friedrich Nietsche Gott für tot. Die zunehmend rivalisierenden Nationalstaaten treten an die Stelle der konfessionellen Identitäten. In Deutschland wird Gott Vater durch den Vater Staat ersetzt.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass Abraham Stoker 1890 mit den Recherchen für 'Dracula' beginnt. Sieben Jahre später ist es soweit: Das altgläubige, sich osmanischen wie russischen Ansprüchen erwehrende Rumänien und das liberale, kulturell stabile West- und Mitteleuropa werden personifiziert und gegenübergestellt: als Graf Dracula und Abraham (!) van Helsing; als subversiver Wiedergänger und gelehrter Heilsbringer.

Der Vampir als archaischer Stachel im Fleisch einer fortschrittlichen Gesellschaft, die ihr christliches Erbe nur noch als religiöse Folklore betrachtet - Abraham Stoker hat es auf den Punkt gebracht.



Link: Wir Westeuropäer machen die Rumänen gerne zu strigoii



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